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Der Weg des Holzes

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Rundholztransporteur und Berufsgruppenvertreter Gottfried Golob (r.) und sein Mitarbeiter Walter Sattler.

Fahrermangel, Hürden – und der immer schärfere Gegenwind der globalen Wirtschaftsprozesse: Gottfried Golob, Rundholztransporteur und Berufsgruppenvertreter in der Wirtschaftskammer Steiermark, schildert den steinigen Weg des Holzes aus dem Wald.

Text: Wolfgang Wildner, Fotos: Oliver Wolf, WKO/Fachverband Güterbeförderungsgewerbe,WKO Stmk/Fachgruppe Güterbeförderungsgewerbe

Ein Wald im Aichfeld, irgendwo zwischen Zeltweg und Judenburg. Hier hat der Kranlastwagen leichtes Spiel. Die Wege sind eben, der Untergrund wirkt vertrauenserweckend fest. Kein Bankett, das zu brechen, kein Abgrund, der den Lastkraftwagen mit seiner tonnenschweren Rundholzladung zu verschlingen droht. Wir befinden uns sozusagen in der Komfortzone der Rundholzbeförderung. Die frisch gefällten Fichtenstämme erfüllen die Luft mit harzigem Duft. Es ist frostig. Doch der Fahrer, der im Freien, von Kälte, Wind und Wetter ungeschützt, auf einem exponierten Sitz den Kran des Lastwagens bedient, scheint davon unbeeindruckt. Im Akkord lässt er den Arm des Krans ausgreifen. Gleich drei der mächtigen Stämme auf einmal nehmen die kräftigen Greifzangen auf und befördern sie auf die Ladefläche.

Schonende Holzernte

Standesgemäß waldnah liegt der Standort der Firma „Golob Transporte GmbH“ im Hammergraben in Spielberg. Seit 1978 ist Gottfried Golob, der auch als Berufsgruppenvertreter der Holztransporteure in der Fachgruppe Güterbeförderung in der Wirtschaftskammer Steiermark fungiert, in dem 1967 von seinem Schwiegervater gegründeten Rundholztransportunternehmen dabei, 1992 hat er es übernommen.
1999 schuf er sich mit der vollmechanisierten Holzernte ein zweites Standbein entlang der Holzwertschöpfungskette. Der Harvester, eine leistungsstarke Holzerntemaschine, bringt die ausgewachsenen Bäume zur Strecke. „Möglichst schonend für Waldboden und Jungbäume“, erklärt Golob. Erfahrene Mitarbeiter sowie der Umstand, dass in freiwilliger Selbstbeschränkung nicht das schwerste Gerät eingesetzt wird, bürgen für ökologische Nachhaltigkeit. Noble, naturnahe Zurückhaltung, die die Waldbesitzer zu honorieren wüssten. Etwa 70 Prozent der Aufträge kommen von großen Forstbetrieben, die restlichen 30 Prozent aus privatem Kleinwald.
Mit dem „Forwarder“ werden die frisch gefällten Stämme aus dem Wald zu einer für Lkw befahrbaren Forststraße gebracht und auf einen Kran-Lkw verladen. Dieser transportiert sie zu einem weiteren Umschlagplatz, wo sie auf Sattelzüge umgeladen und danach zu den Abnehmern, in der Regel Sägewerke, befördert werden.

Klein strukturiert

Die Branche, erklärt Golob, sei klein strukturiert. An die 20 Unternehmen, vorwiegend Familienbetriebe, würden in der Steiermark die wesentlichen Mengen bewältigen. Golob hat fünf Harvester, vier Forwarder, 16 Kran-Lkw mit Anhänger sowie sechs Sattelzugmaschinen mit 18 Aufliegern in Betrieb und zählt damit zu den größten Rundholztransporteuren der Steiermark. Allein zwölf Pick-ups sorgen dafür, dass Fahrer und Betriebsmittel zu ihren Forstmaschinen an den Einsatzorten gelangen. Die Lkw sind vorwiegend in der Steiermark, in Kärnten und in Niederösterreich unterwegs. Rund 100.000 Festmeter Holz beträgt das Ernte-, etwa 350.000 Festmeter das Transportvolumen. Um die 50 Prozent des geernteten Holzes transportiert Golob selbst weiter.

Preisdruck

„Anfangs sind die Rundholzfrächter noch ohne Hänger gefahren, so lukrativ war das Geschäft“, erinnert sich Golob. Zwei Leute waren auf einem Laster unterwegs, heute erledigt einer die Arbeit. Auch die Rundholztransportbranche geriet in den Sog der globalen Wirtschaftsentwicklung. „Es wird“, ist sich Golob im Klaren, „immer industrieller.“
Wie in der Baubranche kämen bei großen Ausschreibungen zunehmend ausländische Billigstbieter zum Zug, die auf österreichische Lohn- und Standortkosten keine Rücksicht nehmen müssen. „Die Rahmenbedingungen verbessern sich nicht, um es vorsichtig zu formulieren“.

Schwierige Rahmenbedingungen

Die strenge Reglementierung der Fahr- und Einsatzzeiten, die zahlreichen Gewichtsbeschränkungen auf Nebenstraßen, naturgemäß Hauptschauplatz der Holzbeförderung, die immer unnachsichtigeren (Gewichts-)Kontrollen, wo doch im Wald eine exakte Einwaage technisch gar nicht zu bewerkstelligen ist, und die saison- und wetterbedingten Auftragsspitzen – all das macht den Transporteuren das Leben zusätzlich schwer. Zudem sind die Lkw teurer in der Anschaffung, größerem Verschleiß ausgesetzt und brauchen mehr Sprit.
Für große Frächter im internationalen Verkehr sei der hochspezialisierte Markt kaum attraktiv – zu aufwendig, zu wenig Gegenfuhrpotenzial, kaum planbar. „Das tut sich keiner an!“ Die Holzindustrie, erklärt Walter Sattler, Prokurist und Einsatzleiter bei „Golob Transporte“, sei gefordert, auf Bedingungen zu achten, die gewährleisten, „dass es auch in Zukunft Dienstleister gibt, die diese Arbeit erledigen“. Es seien nicht viele, die es könnten. „Uns Schweden oder Finnland, wo es kaum Berge gibt und die Gewichtslimits bei 74 bzw. 90 Tonnen liegen, als Benchmark zu präsentieren, ist jedenfalls absurd. Das geht an unserer Realität völlig vorbei.“ Eine Entlastungsforderung der Rundholztransporteure betrifft das erhöhte 44-Tonnen-Toleranz-Gewichtslimit für Rundholztransporte: Es soll über eine Grenze von 100 Kilometern Luftlinie hinaus gelten.

Effizienter werden

Eine generelle Erhöhung der Gewichtsbeschränkungen werde nicht angestrebt. „Wir versuchen vielmehr, unsere Abläufe zu optimieren und vorhandene Möglichkeiten, etwa Gegenfuhrpotenziale, noch besser zu nutzen.“ So hat Golob ein Areal adaptiert, auf dem das Holz von den Kran-Lkw noch effizienter auf die großen Sattelschlepper umgeladen werden kann.
„Wir sind ein für diese Branche typischer Familienbetrieb“, erklärt Golob. „Meine Töchter arbeiten im Büro, meine Gattin ist für alle Versicherungs- und Schadensabwicklungen, mein Schwiegersohn in der Werkstatt für Wartung und Reparaturen zuständig. Das machen wir hier im Betrieb. Das spart Zeit und Kosten.“ Und mit seinem Prokuristen Walter Sattler hat Golob einen jungen Führungsmitarbeiter gefunden, der innovative Zugänge einbringt und das Unternehmen in weiterer Zukunft maßgeblich mitgestalten wird.

Nachwuchsmangel

Immer mehr Betriebe fänden jedoch keine Nachfolger. Immer dramatischer mache sich auch der Fahrermangel bemerkbar. Bei jedem Wetter auf ausgesetzten Forststraßen, reversieren auf engstem Raum, mit einer Achse quasi immer über dem Abgrund. Nichts für schwache Nerven. „Und doch“, rückt Golob das Bild zurecht, „kann ein Fahrer mit guter Arbeit und persönlichen Kontakten nirgends so viel bewirken wie beim Rundholztransport. Viel entscheidet sich erst vor Ort im Wald. Es kommt auf Wissen, Erfahrung und Eischätzungsvermögen an.“ Orts- und Geländekenntnisse sowie der direkte Kontakt der Fahrer zu Waldbesitzern und Sägewerken seien ausschlaggebend für Effizienz und Erfolg der Fuhren. Die meisten Fahrer seien Quereinsteiger, die irgendwann einmal angedockt hätten und dann hängengeblieben seien. Doch es werden immer weniger, die überhaupt den Führerschein für diese Fahrzeugkategorie besäßen.
Trotz aller Schwierigkeiten, macht Golob Werbung für seinen Beruf, sei es eine tolle Arbeit – in der Natur, in der frischen Luft. „Die, die einmal dabei sind, wollen den Duft des Holzes jedenfalls kaum mehr missen.“

Rundholzfakten

• Ungefähr 35 Tonnen Schneeketten hebt ein Holztransport-Fahrer pro Winter.
• 25 bis 45 Minuten dauert die Beladung eines Kran-Lkw.
• Rund 190.000 Euro kostet ein Kran-Lkw.
• Mindestens 400.000 Euro beträgt der Preis für einen Harvester.
• Etwa 1.000 Rundholztransporter sind österreichweit unterwegs.
• Rund 180 Kran-Lkw und 200 Holz-Sattelzüge sind in der Steiermark stationiert.

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