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Holz lebt – es lebe das Holz!


Holz ist nicht nur ein lebendiger, natürlich nachwachsender Rohstoff – von der Wertschöpfung rund um die heimischen Holzbestände lebt auch die steirische Wirtschaft, erklärt Monika Zechner, Fachgruppenobfrau der Holzindustrie in der WKO Steiermark. Gemeinsam mit ihrem Mann betreibt sie ein Sägewerk in Deutschfeistritz bei Graz.

 


Interview: Wolfgang wildner, Foto: Oliver Wolf

Man hat den Eindruck, heimisches Holz erlebe derzeit einen echten Boom.

Monika Zechner: Als im wahrsten Sinne des Wortes bodenständiger Rohstoff gewinnt heimisches Holz in allen Verwendungsbereichen kontinuierlich an Bedeutung – als Baumaterial ebenso wie im Innenbereich, aber auch in vielen anderen Verwendungsfeldern. Holz ist ja ein Universalgenie.

Worauf führen Sie diese positive Entwicklung zurück?

Wir haben in den letzten Jahren intensiv für die Verwendung dieser natürlichen, nachwachsenden und damit ökologisch nachhaltigen Ressource geworben. Diese Überzeugungsarbeit hat Früchte getragen. Dazu kommt ein weiterer Effekt: Durch den vermehrten Einsatz von Holz bemerken immer mehr Menschen aus eigener Anschauung – etwa bei Nachbarn, Verwandten, Bekannten oder im öffentlichen Bereich – welche unglaublich positive Wirkung auf Gesundheit, Wohlbefinden und Lebensgefühl von Holz ausgeht. Das hat diesem wertvollen Naturmaterial einen zusätzlichen „Popularitätsschub“ verliehen. Die behagliche, wohlig-warme Ausstrahlung, die angenehme Haptik, die Vielfalt der Holzarten und Verarbeitungsmöglichkeiten, die Langlebigkeit und Wandlungsfähigkeit – all das sind Holzeigenschaften, die immer mehr Menschen inspirieren. So erleben etwa echte Holzböden derzeit einen Hype.

Sehr viel getan hat sich im Bereich des mehrgeschossigen Holzbaus.

Ja, da gab es in den letzten Jahren – nicht zuletzt durch steirische Entwicklungen –enorme Fortschritte. Wir haben auf der Technischen Universität Graz das Institut für Holzbau und Holztechnologie, ein Lehrstuhl für Holzarchitektur ist im Aufbau. Steirisches Holz-Know-how ist heute weltweit gefragt. Innovative Verbundsysteme und Bauweisen sorgen dafür, dass Holzbauten besonders erdbebensicher sind. Immer höher wird mit Holz gebaut. In London ist gar ein 300 Meter hohes Holzhochhaus geplant, doppelt so hoch wie der Kölner Dom. Gleichzeitig setzt sich Holz auch im modernen Schulbau immer stärker durch. Generell eröffnet der steigende Wohnraumbedarf in den Städten dem Holz als Baumaterial neue Chancen – ein enormer Markt für steirisches Holz und steirische Holztechnologie. Auch die Holzfaser bietet noch viele Entwicklungsmöglichkeiten bis hin zum Einsatz im Flugzeugbau.

Nach wie vor gibt es auch Vorbehalte gegenüber Holz. Zum Beispiel, dass bei der Holzernte Raubbau am Wald betrieben würde.

Österreich hat eines der strengsten Forstgesetze der Welt. Alle Beteiligten entlang der Wertschöpfungskette haben höchstes Interesse an einer schonenden und ökologisch nachhaltigen Bewirtschaftung des Waldes. Es muss also niemand ein schlechtes Gewissen haben, der zu heimischem Holz greift, ganz im Gegenteil: Holz ist der einzige wirklich ökologische Rohstoff, der von selbst nachwächst.

Wie bedeutend ist die Holzindustrie als Wirtschaftsfaktor?

Die Steiermark ist ja nicht nur das waldreichste Bundesland. Die steirische Holzindustrie bietet 6.000 Menschen sichere Beschäftigung und bildet fast 180 Lehrlinge aus – und das häufig in strukturschwachen ländlichen Regionen. Ein Zehntel der Arbeitsplätze hängt direkt oder indirekt an der Holzwertschöpfungskette. Was nur wenige wissen: Mit einem Anteil von 3,9 Prozent an der Bruttowertschöpfung liegt die österreichische Holzwirtschaft nur knapp hinter dem Tourismus. Zuletzt mussten wir jedoch trotz des Holzbooms sinkende Marktanteile am internationalen Parkett hinnehmen, weil die kontinuierliche Verfügbarkeit des Rohstoffs Holz nicht gewährleistet ist. Damit aber geht am internationalen Markt Wertschöpfungspotenzial möglicherweise unwiederbringlich verloren – mit allen negativen Konsequenzen für Wirtschaft und Beschäftigung.

Ist in den Wäldern nicht genug Holz vorhanden, um die steigende Nachfrage zu decken?

Doch. Aber viele Kleinwaldbesitzer haben ihren Wald noch nicht als Wirtschaftsfaktor entdeckt. Ihnen ist oft nicht bewusst, dass ihr Wald erntereife Baumbestände enthält. Hier schlummert noch erhebliches Potenzial.

Mit welchen Problemen sieht sich die Holzindustrie darüber hinaus konfrontiert?

Mit den im internationalen Vergleich sehr hohen Lohnnebenkosten, der geringen Flexibilität bei den Arbeitszeiten – und natürlich mit der ausufernden Bürokratie. Ein Beispiel: Wären wir nicht massiv dagegen aufgetreten, hätten die Sägewerke die CE-Einzelstückkennzeichnung hinnehmen müssen – ein Unding für die überwiegend klein strukturierten Familienbetriebe. Aber auch die Ökostrom-Gesetzgebung mit ihren untragbar hohen Pauschalen gerade in Netzebene 5 und 6 stellt manche Betriebe vor kaum lösbare Herausforderungen.

Worauf wird es in Zukunft in der Holzindustrie ankommen?

Darauf, den Finger am Puls der Kunden zu haben. Ganz egal, ob die nun auf dem Weltmarkt daheim sind oder in der unmittelbaren regionalen Nachbarschaft. Und darauf, dass wir die Menschen weiterhin für Holz in all seinen Facetten begeistern können.

 

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