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„Werthaltiges Bauen ist unser aller Auftrag“

Doris Stiksl: „Dank gemeinsamer Exkursionen zu spannenden Holzbauprojekten fördern wir die Vernetzung und den ­Infor­mationsaustausch innerhalb der Branche.“

„Holz jodelt schon lange nicht mehr“, betont Doris Stiksl, Geschäftsführerin von proHolz Steiermark. Dafür ist Holz längst moderner Werkstoff der Architekten und leistet einen wichtigen Beitrag für werthaltiges Bauen für Generationen. Die Expertin im Interview über ein nachwachsendes Multitalent aus dem Wald.

Text: Wolfgang schober, Fotos: Helmut Lunghammer

 

Einst hieß es in der TV-Werbung „Stolz auf Holz“ bzw. „Holz ist genial“. Worauf zielen die proHolz-Kampagnen heute ab?

Als proHolz vor 25 Jahren begann, waren Waldsterben und Saurer Regen noch ein großes Thema. Damals war es wichtig, darauf hinzuweisen, dass ein Forstarbeiter kein Baummörder im bedrohten Wald ist, sondern Lieferant eines wichtigen Rohstoffs. Seither hat sich zum Glück viel getan. Holz ist heute längst als wertvoller Bau- und Werkstoff anerkannt. Seine Einsatzmöglichkeiten, von der Architektur über das Gewerbe bis zu innovativen Anwendungen im Bereich Automotive, Textil oder als Kunststoff-Ersatz, sind breit gefächert. Die Holz- und Forstwirtschaft ist zudem vor allem in der Steiermark eine wahre Wirtschaftsmacht. Aber auch die Rolle von Holz als Klimaschützer kann nicht oft genug betont werden.

Wie kann Holz unser Klima schützen?

Bäume nehmen CO2 aus der Atmosphäre auf und produzieren im selben Ausmaß Sauerstoff – die berühmte Photosynthese, wie wir sie in der Schule gelernt haben. In jedem Holzhaus, in jedem Tisch ist daher eine bestimmte Menge Kohlenstoff gebunden – über die gesamte Lebenszeit. Dieser wird erst bei deren Verbrennung als CO2 wieder freigesetzt. Oder bei der Verrottung im Wald. Daher ist eine aktive Waldbewirtschaftung so wichtig! Denn nur entnommenes und verwendetes Holz kann das Klima schützen, ein sich selbst überlassener Wald tut dies nicht. Auf die Nachhaltigkeit der Bewirtschaftung wird hierzulande größter Wert gelegt – in Österreich wächst weit mehr Holz nach, als entnommen wird.

Welchen Stellenwert hat die Holzwirtschaft für den steirischen Wirtschaftsstandort?

Die Bedeutung ist enorm. Die Holzwirtschaft ist der größte Arbeitgeber in der Steiermark mit 55.000 Beschäftigten entlang der gesamten Wertschöpfungskette, von der Urproduktion bis zur Veredelung, vom Schlägerungsunternehmen bis zum Zimmerer und Papiertechnologen. Ein Sechstel des Bruttoregionalprodukts in der Steiermark geht auf das Konto der Forst- und Holzwirtschaft. Das Schöne: Viele dieser Arbeitsplätze haben ihren Sitz in ländlichen Regionen. Holz schafft regionale Wertschöpfung!

Was sind die Aufgaben von proHolz Steiermark?

Es sind im Wesentlichen drei Aufgabenbereiche: Zum einen betreiben wir Öffentlichkeitsarbeit und Marketing, wir sind das Sprachrohr für Forst- und Holzwirtschaft. Zum Zweiten sind wir auch Interessensvertretung, die sich für bessere legistische Rahmenbedingungen für den Werkstoff Holz einsetzt. Der dritte Bereich umfasst die Themen Aus- und Weiterbildung.

An wen richten sich Ihre Aus- und Weiterbildungsangebote?

Einerseits sprechen wir damit gezielt die nächste Generation an und gehen in Schulen, um den Schülern die Bedeutung des Wirtschaftsraums Wald näherzubringen. Wir wenden uns auch an Jugendliche, denen wir die unterschiedlichen Berufsbilder im Holz- und Forstbereich vermitteln – unter dem Titel „Geniale Holzjobs“ lernen sie Berufe in Zukunftsbranchen kennen. Besonders stolz sind wir auch, dass es erstmals gelang, eine Schule in Graz unter einen Holzschwerpunkt zu stellen. Die NMS Straßgang startete im Herbst als „Schule für Holz und Gestaltung“. Andererseits stellt auch unsere proHolz-Akademie eine wichtige Einrichtung dar. Sie richtet sich an eine Fachöffentlichkeit und fördert Vernetzung und Informationsaustausch innerhalb der Branche. Gemeinsame Exkursionen zu spannenden Holzbauprojekten sorgen für regen Know-how-Transfer.

Was sind Ihrer Ansicht nach die größten Vorteile von Bauen mit Holz?

Es gibt eine Vielzahl ökonomischer und ökologischer Argumente. Von der regionalen Wertschöpfung über den Beitrag für die Umwelt bis zur kurzen Bauzeit und dem hohen Vorfertigungsgrad. Für mich genauso entscheidend ist aber das besondere Wohn- und Wohlgefühl in einem Holzbau. Erst unlängst hat mir die Pflegedienstleiterin eines Seniorenheims, das in Holz errichtet wurde, bestätigt, dass die Bewohnerinnen und Bewohner seit dem Einzug viel entspann­ter seien. Ähnlich eine Kindergärtnerin in einem Grazer Kindergarten in Holzbauweise – sie meinte: Nicht nur die Kinder sind relaxter, sondern auch die Eltern, wenn sie die Kinder bringen bzw. abholen. Es gibt dazu ja auch wissenschaftliche Studien, die nachweisen, dass sich der Herzschlag bei Aufenthalten in Holzbauten spürbar entschleunigt.

Vertragsunterzeichnung für die neue Holzbau-Professur: Roger Riewe (Institut Architekturtechnologie), TU-Graz-Rektor Harald Kainz, proHolz-Obmann Franz Titschenbacher, Stefan Peters (Fakultät für Architektur) und proHolz-GF Doris Stiksl (v. l.).

Einst haftete Holzbauten ein ländlich-alpiner Rustikal-Chic an. Sehen Sie einen Wandel in der Holzbaukultur?

Absolut. Holz jodelt schon lange nicht mehr. Das Hütten-Image ist längst passé! Architekten sind auf den Geschmack gekommen und nutzen die Formensprache, die Holz dank neuer Holzbautechnologien rund um Brettsperrholz bietet, für großartige Entwürfe. In der Baukunst hat sich viel getan, wie unzählige Holzbauten landauf, landab beweisen. Sichtbar etwa auch an den Projekten unseres Holzbaupreises. Auch der jüngste Architekturpreis des Landes Steiermark ging an ein Holzbauprojekt: das Pflegeheim Erika Horn in Graz. Schließlich setzen auch mehr und mehr Projekte in der Hotellerie auf Holz und machen den Baustoff damit attraktiver. Umso mehr freuen wir uns auf den nächsten Meilenstein. Eine eigene Professur für Holzbau an der Fakultät für Architektur der TU Graz. Damit können wir die nächste Architekten-Generation für den Holzbau begeistern.

Holz in der Architektur liegt im Trend. Was wünschen Sie sich von Politik und Entscheidungsträgern?

Mein Wunsch wäre, dass bei jeder Vergabe öffentlicher Förderungen die Nachhaltigkeit von Gebäuden berücksichtigt wird. Es sollte meines Erachtens nicht sein, dass in den Gemeinden Unsummen für Infrastrukturerschließungen – etwa für Einkaufszentren – ausgegeben werden und keinerlei Augenmerk auf die Bauweise der Gebäude gelegt wird. Diese sind oftmals billigst gebaut, verdienen höchstens die Bezeichnung „Restmüll-Deponien aus Beton mit Plastik-Dämmung rundherum“ – und verschließen sich jeder Nachnutzung. Abgesehen davon, dass sie zur Verschandelung der Landschaft beitragen. Hier wäre ein Umdenken vonseiten der öffentlichen Hand dringend geboten – in Richtung eines qualitätsorientierten und werthaltigen Bauens. Holz ist sicherlich ein geeigneter Baustoff dafür. Schließlich haben wir Verantwortung für unsere nächste Generation. Verantwortungsvolles Bauen ist unser aller Auftrag! Um ein positives Beispiel zu nennen: Gerade die Stadt Graz beweist mit jüngsten Projekten von Schulen und Kindergärten, wie man dieser Verantwortung gerecht werden kann.

proHolz Steiermark

Verband der steirischen Holz- und Forstwirtschaft.
Die Mitglieder von proHolz Steiermark umfassen die gesamte Wertschöpfungskette Holz von Forst/Holzschlägerung über die Rundholz-Transporteure, Holzindustrie, Holzhandel bis hin zu Holzbau, Tischlereien und Papierindustrie.
www.proholz-stmk.at

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