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Die schönsten Seiten der Steiermark gibt's hier!

Lassen Sie Sich Ihre Firmengeschichte erzählen

Univ.-Ass. Walter Iber, Business-Monat-Geschäftsführerin Nicole Niederl und Prof. Stefan Karner.


History-Marketing gehört in vielen Ländern zum unverzichtbaren Teil der Öffentlichkeitsarbeit. In einem einzigartigen Projekt lädt der Business Monat steirische Betriebe ein, ihre Firmengeschichte wissenschaftlich fundiert aufarbeiten zu lassen. Getragen wird die Kooperation vom bekannten Historiker Prof. Stefan Karner vom Institut für Wirtschafts-, Sozial- und Unternehmensgeschichte der Karl-Franzens-Universität (KFU) Graz.

Text: Daniela Müller, Fotos: Thomas luef, Shutterstock

 

Herr Professor Karner, wenn wir von Geschichte reden: Was zeichnet die steirische Unternehmerlandschaft aus?

Prof. Karner: Die Steiermark als Herzogtum war eines der bedeutendsten Industrieländer der Monarchie, seine Zentren waren die Mur-Mürzfurche mit Schwerindustrie und die verarbeitenden Betriebe im Raum Graz. In den 1970er Jahren brauchte es Zuschüsse, weil die steirischen Produkte zu teuer wurden. Es folgten Umstrukturierungen, große Namen wie Böhler wurden vorübergehend umbenannt. Die Industrie kam in eine Krise, der mit der Zerschlagung großer Industriebereiche oder durch die Übernahme einzelner Teile begegnet wurde. Die starken Branchen Eisen und Stahl traten in den Hintergrund, dafür wurde die Elektronikbranche mit Firmen wie AT&S wichtiger.

Und heute?

Die Steiermark hat den ungeheuren industriellen Umschwung gut bewältigt, das Bundesland ist unter den EU-Regionen weit vorne, in Sachen Wissenschaft und Forschungsförderung liegt die Steiermark sogar in Führung! Permanente Investitionen in die Wirtschaft sind deshalb wichtig, auch wenn sie – heute getätigt – erst für die nächste oder übernächste Generation schlagend werden.

Wie sieht es mit der Geschichtsschreibung der steirischen Betriebe aus?

Gut dokumentierte Firmengeschichten sind die Ausnahme. Einige steirische Vorzeigeunternehmen haben bereits lesenswerte und gut recherchierte Arbeiten in Auftrag gegeben. Auf Basis von betriebsinternen Darstellungen und Gesprächen, meist mit älteren Firmenmitarbeitern, lassen sich auch wissenschaftlich und methodisch ansprechende Festschriften konzipieren.

Wie sollte das Projekt „Unternehmensgeschichte“ verfolgt werden?

Um ein klares Bild zu erhalten, sind der Blick in die Archive und die Auswertung historischer Quellen unverzichtbar. Doch jeder historische Prozess steht als Phänomen für sich, Vergleiche und Schlüsse lassen sich nur dann ziehen, wenn der ökonomische Zeitgeist einbezogen wird. Ein Unternehmenserfolg, der durch die Verstaatlichung nach dem Zweiten Weltkrieg erreicht wurde, ist heute eher nicht wiederholbar.

„Wirklich gut dokumentierte Firmengeschichten sind die Ausnahme.“ Prof. Stefan Karner,  Vorstand Institut für Wirtschafts-, Sozial- und Unternehmensgeschichte KFU.

Lassen sich daraus „Erfolgsrezepte“ ableiten?

Einzelne Zutaten dafür, etwa der Wert einer starken Marke, die Fähigkeit zur Flexibilität in wirtschaftlich schlechten Zeiten, das rechtzeitige Erkennen von Marktnischen, ein vorausschauendes bis risikofreudiges Investitionsverhalten, gepaart mit Innovation und Neugier. Das zeichnet noch heute branchenführende Traditionsunternehmen aus. Es geht auch um Identitätsstiftung: Für bestimmte steirische, nicht zuletzt obersteirische Unternehmen galt lange der Spruch: „Blüht das Unternehmen, blüht auch die Region“. Tatsächlich haben die betreffenden Unternehmen Ausbildung und Freizeitverhalten über viele Jahre mitgeprägt, und damit eben die gesellschaftliche Entwicklung einer ganzen Region.

Die lebenslange Zugehörigkeit zu einem Betrieb ist heute eher eine Ausnahme.

Das stimmt. Doch immer mehr Unternehmen besinnen sich auch und gerade im Zeichen geänderter gesellschaftlicher Rahmenbedingungen auf diesen Aspekt. Etwa indem in Programme investiert wird, die den jeweiligen Standort auch in puncto Bildungsmöglichkeiten und Lebensqualität attraktiv machen sollen.

History-Marketing ist international schon längst ein Vermarktungs-Tool. Welchen Stellenwert hat das in der Steiermark?

Anders als etwa in Deutschland, wo es professionelles History-Marketing gibt, ist der Markt bei uns eher begrenzt. Geschichtsmarketing ist nur sehr verkürzt und in Einzelfällen gefragt, vor allem natürlich im Kontext von Firmenjubiläen. Da sind dann oft die Marketingabteilungen am Zug. Selten zieht man Historiker zu Rate – selten deshalb, weil unterschiedliche Erwartungshaltungen vermutet werden: Wie geht man, so sie vorhanden sind, mit den weniger ruhmreichen Kapiteln der eigenen Vergangenheit um; gerade dann, wenn, wie eben im Fall eines Jubiläums, die positiven Meilensteine im Vordergrund stehen sollen?

Wie geht man damit um?

Es ist längst üblich, unternehmenshistorisch dunkle Flecken aufzuarbeiten. Das ist auch eine Imagefrage. In Deutschland ging VW mit gutem Beispiel voran – nicht nur durch entsprechende Aufarbeitung, sondern auch durch die Einrichtung einer Stiftung, die Forschungsprojekte fördert. Auch an meinem Institut gehen wir dabei sehr erfolgreich vor. So wurden schwierige Betriebsgeschichten, etwa die der Sowjetischen Mineralölverwaltung, von Lannacher, Lapp-Finze oder Miba (Mitterbauer AG) verfasst und der Spagat zwischen wissenschaftlichem Anspruch und Lesbarkeit bzw. Firmeninteresse erfolgreich bewältigt. Eine regelrechte Aufarbeitungswelle lösten generell die Fragen der NS-Opfer- und Zwangsarbeiterentschädigungen in den 1990ern und am Beginn der 2000er-Jahre aus.

Mit welchen Kosten ist die Aufarbeitung der Firmenhistorie verbunden?

Generell sind diese nicht sehr hoch, es kommt aber auf Fragestellung und Ziele an. Will man nur einen eingeschränkten Zeitraum behandeln oder die gesamte Firmengeschichte? Plant man eine Ausstellung, ein Buch oder einen Kurzfolder? Dazu kommt: Wie ergiebig ist das firmeneigene Archiv? Bei einer diffizilen Quellenlage steigen Rechercheaufwand und Kosten. In erster Linie geht es jedoch um den methodischen Zugang: Historische Abläufe sollten nicht nur abgebildet, sondern nach dem Warum hinterfragt werden.

Schreiben wir gemeinsam ­steirische ­Wirtschaftsgeschichte!

Der Erfolg eines Unternehmens hat mehrere Väter oder Mütter. Es ist höchst spannend, den Personen und Bedingungen, die für den Erfolg eines Unternehmens ausschlaggebend waren, auf den Grund zu gehen. Wir vom Business Monat laden Sie dazu ein! Die Geschäftsführerin des Business Monat, Nicole Niederl, hat dazu mit dem Institut für Wirtschafts-, Sozial- und Unternehmensgeschichte der Universität Graz – wo sie selbst Dissertantin ist – ein Projekt ins Leben gerufen: den Business History Monat. Unter der wissenschaftlichen Leitung von Prof. Stefan Karner und Univ.-Ass. Walter Iber werden Studierende des Instituts im Rahmen eines Proseminars im Sommersemester 2017 wissenschaftlich fundiert die Unternehmensgeschichten interessierter Unternehmen aufarbeiten. Publiziert werden die Ergebnisse in der Business-Monat-Sonderausgabe Business History Monat im November 2017.
Bei Interesse kontaktieren Sie uns einfach: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

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