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Die Digitalisierung prägt die Zukunft der Arbeit



Das Gesicht der Arbeit ändert sich. In immer mehr Bereiche hält die Digitalisierung Einzug, was neue Qualifikationen der Mitarbeiter erfordert. Wie sich welche Branchen den neuen Herausforderungen stellen werden, schildern die Geschäftsführer der vier großen steirischen Cluster – und kommen zu durchaus unterschiedlichen Prognosen.

Text: Andreas Kolb, Fotos: Oliver Wolf, Thomas Kunz, Fotostudio Helmut Jokesch, Foto Fischer, Fotolia

 

Die Qualifikation der Mitarbeiter in der Mobilitäts-Branche wird steigen müssen, um den Anforderungen der Zukunft gerecht zu werden. Dieser Überzeugung ist der Geschäftsführer des Mobilitätsclusters AC Styria, Wolfgang Vlasaty. Das gelte vor allem für die Fertigung von Autos, während sich in der Instandhaltung von Fahrzeugen die gefragten Fähigkeiten nur ändern werden.
„In der Wartung waren früher gute Mechaniker gefragt, ein Auto war ja fast eine Art Kunstwerk. Mechaniker brauchten ein Gespür für das Auto, unter anderem auch ein gutes Gehör, und konnten oft schon an den Motorgeräuschen hören, ob und wo ein Fehler vorlag“, schildert Vlasaty. Heute würden Fahrzeuge an ein Diagnosesystem angesteckt, was vom Werkstätten-Mitarbeiter eher die Fähigkeiten eines Elektronikingenieurs verlange.
Dadurch und durch die Tatsache, dass immer mehr Elektronik in allen Mobilitätsträgern eingebaut werde, habe sich auch das Verständnis, ein Fahrzeug herzustellen, dramatisch gewandelt. Ein gutes Beispiel seien die berühmten Spaltmaße bei Autos: „Früher hat ein Karosseur manuell die Türen eingebaut und dabei berücksichtigen müssen, was später noch alles in das Auto integriert wird. Heute passen Roboter die Türen ein und befestigen sie. Das Fingerspitzengefühl wurde durch Maschinen ersetzt. In gewisser Weise ist das schade, denn Künstler wurden im Autobau überflüssig“, so der AC-Styria-Geschäftsführer.

Maschinen können nicht alles

Andererseits gebe es im Autobau immer noch viele Bereiche, in denen nur ein Mensch tätig sein könne, „weil man Maschinen auch nicht alles antrainieren kann“. Sehr wichtig sei die Rolle des Menschen als Supervisor der Maschinen: „Wir bekommen heute von den Fertigungsanlagen eine Vielzahl an Informationen, und das in Echtzeit. Die Informationsqualität ist durch die große Zahl der Sensoren viel höher als früher. Allerdings kann ich diese Informationen nur sinnvoll nutzen, wenn ich aus den Daten etwas mache.“ Die Kunst sei, die richtigen Daten herauszufinden. „Leute, die das können und die die richtigen Rückschlüsse ziehen, werden sehr gefragt sein“, ist Vlasaty überzeugt.
Insgesamt werde die Qualifikation der Mitarbeiter steigen müssen, ist sich Vlasaty sicher. Das müsse nicht zwangsläufig akademisches Niveau bedeuten, wichtig werde aber vernetztes Denken sein. „Wir werden sehr genau darauf achten müssen, welche Denkstrukturen unser Bildungssystem vermittelt und fördert.“ Spannend sei jedenfalls eines: „Wir werden Qualifikationen benötigen, die wir heute vielleicht gar nicht haben.“


„Die Digitalisierung könnte für kompetente Dienstleister eine große Chance werden.“
ERHARD PRETTERHOFER, Geschäftsführer Holzcluster Steiermark

Vom Schlosser zum Programmierer

Die zunehmende Digitalisierung stellt auch die Umwelttechnologie vor große Herausforderungen. „Der Trend geht in die Richtung vom Schlosser zum Programmierer, zumindest Grundkenntnisse der Informatik werden in allen Bereichen immer stärker benötigt“, versichert Bernhard Puttinger, Geschäftsführer des Umwelttechnologie-Clusters Eco World Styria. Generell würden herkömmliche Maschinenbauer immer mehr auch zu Softwareschmieden, „auch wenn diese Entwicklung bei uns noch eher am Anfang steht“, so Puttinger.
Den steirischen Umwelttechnologie-Herstellern sei die Herausforderung aber sicher bewusst: „Wir haben zum Beispiel als Cluster vor Kurzem einen Workshop zum Thema Künstliche Intelligenz veranstaltet – das Interesse war en­orm, wir waren total überlaufen.“ Eine der Kernfragen für die Branche werde sein, wie man Silicon-Valley-Produkte so in die eigene Angebotspalette integrieren könne, dass man möglichst viel eigene Wertschöpfung erziele. Von außen getrieben sei man zum Glück nicht: „Zwar macht der Maschinen- und Anlagenbau gut die Hälfte des Umsatzes der gesamten Umwelttechnologie aus, aber wir haben im Gegensatz zur Automobil-Branche keine großen OEM, die die Spielregeln für alle anderen diktieren.“

Abfall braucht Kompetenzzentren

Das größte Veränderungsmoment sieht der Umweltcluster-Geschäftsführer derzeit im Bereich Abfall: Dort würden sich Kompetenzzentren herausbilden, alles gehe in Richtung maßgeschneiderte, digital gesteuerte Prozesse. „Das wird eine andere, intelligentere Art von Arbeitsplätzen erzeugen“, ist sich Puttinger sicher.
Im Bereich Energie gehe es eher um das Thema Dezentralisierung. Das gelte nicht nur für Strom, sondern auch für Wärme, wo es immer mehr Nahwärme-Netze gebe. Redimensionieren werde sich der Bereich Biomasse müssen.
Generell gehe auch in der Umwelttechnologie, so Puttinger, die Reise in Richtung Losgröße eins. Außerdem gebe es einen Trend, Maschinen nicht mehr zu kaufen, sondern zu mieten. Das erfordere wiederum noch mehr Software zur Überwachung und Kontrolle und in der Folge Mitarbeiter, die mit dieser Software auch umgehen können. Die Steiermark sieht Puttinger im Bereich Umwelttechnologie gut gerüstet für die Zukunft: „Unsere hohe F&E-Quote und rund 1.200 spezialisierte Forscher auch an Universitäten und Fachhochschulen geben uns da sicher einen Vorteil gegenüber vielen anderen Regionen.“

„Im Bereich Abfall wird die Digitalisierung eine andere, intelligentere Art von Arbeitsplätzen erzeugen.“
BERNHARD PUTTINGER, Geschäftsführer Umwelttechnologie-Cluster Eco World Styria

Volle Automatisierung nicht möglich

Wieder anders dürfte die Zukunft der Arbeit in der Holz- und Papierbranche aussehen. Das liege unter anderem daran, dass die steirische Wertschöpfungskette schon beim Rohstoff, dem Holz, beginne, erklärt der Geschäftsführer des Holzcluster Steiermark, Erhard Pretterhofer. Und diese Rohstoffproduktion werde sich naturgemäß anders entwickeln als die Weiterverarbeitung.
„Die Forstwirtschaft ist gerade in der Steiermark immer noch unfallträchtig, das liegt vor allem am meist steilen Gelände. Neue Technologien können dort den Menschen zwar unterstützen, aber der Einsatz fast vollautomatischer Erntemaschinen ist in der Steiermark nicht möglich.“ Dennoch werde es Erleichterungen geben: „Ich denke da vor allem an den Transport der Stämme. Warum sollte der Kran eines Rundholz-Lkw nicht aus der Fahrerkabine steuerbar sein? Dann wäre der Fahrer beim Verladen vor Wind und Wetter geschützt.“

„Menschenleere, robotergesteuerte Fabriken werden in der Steiermark nicht die Regel werden.“
JOHANN HARER. Geschäftsführer Cluster Human.technology Styria

Kampf um die besten Köpfe

In der Verarbeitung des Holzes, so Pretterhofer, würden sicher bestimmte Tätigkeiten wegfallen. Die Jobs in der Sägeindustrie würden aber allgemein höher qualifiziert sein. Leider werde dies den „Kampf um die besten Köpfe“, der teilweise jetzt schon herrsche, noch verschärfen. Um bestehen zu können, „werden wir unsere Berufsbilder attraktiver machen müssen, die Holzbranche hat nun einmal ein sehr traditionelles Image“.
Dass die Branche sehr dezentral aufgestellt sei, habe Vor- und Nachteile. Einerseits biete man gerade im ländlichen Raum Arbeitsplätze, andererseits seien junge, hoch qualifizierte Mitarbeiter eher im urbanen Raum verwurzelt. Hier sei die digitale Vernetzung eine Chance – „ein Innovationsmanager muss ja nicht unbedingt jeden Tag im Betrieb sein“.
Eine Reihe von Veränderungen sieht der Holzcluster-Geschäftsführer auf den Holzbau zukommen. Der Vorfertigungsgrad der Industrie werde immer höher, das Berufsbild des Holzbauers werde sich hin zum Spezialisten für Holzsysteme der Industrie entwickeln. Eine Herausforderung im Holzbau sei der Trend zum so genannten „Building Information Modeling“, bei dem der gesamte Bauprozess eines Gebäudes von Anfang bis zum Ende digital erfasst werde. „Das muss man einmal bedienen können, derzeit gibt es noch nicht einmal eine Ausbildung dafür“, schildert Pretterhofer.
In der gesamten Holzbranche sieht der Cluster-Geschäftsführer eine große Chance für kompetente Dienstleister: „Aufgrund der komplexen Ausrüstung wird sich das komplette Know-how nicht in einer Firma bündeln lassen. Dadurch entsteht Nachfrage nach entsprechenden Anbietern.“

„Fingerspitzengefühl wurde durch Maschinen ersetzt. Künstler wurden leider im Autobau überflüssig.“
WOLFGANG VLASATY, Geschäftsführer des Mobilitätsclusters AC Styria

Keine menschen­leeren Fabriken

Digitalisierung beschäftigt auch die Humantechnologie-Branche, ist aber in der Steiermark nicht die große Herausforderung. „Menschenleere, robotergesteuerte Fabriken werden hier nicht die Regel werden, weil wir in der Steiermark keine Massenproduktionen haben“, erklärt der CEO des Humantechnologie-Clusters Human.technology Styria, Johann Harer. „Die Branche in der Steiermark fertigt vor allem technisch anspruchsvolle Dinge. Was das angeht, haben wir ein anderes Geschäftsmodell als zum Beispiel die Automotive-Industrie.“
Im Bereich Medizintechnik werde sich die Arbeitswelt mittelfristig nicht sehr verändern, meint Harer. „Die leben heute schon von innovativen und kreativen Produktideen. Es handelt sich oft um Zulieferer, die auch für die anspruchsvolle Auto- und Flugzeugindustrie produzieren und schon deshalb auf dem neuesten Stand sein müssen. Dasselbe gilt für Zulieferer, die hochspezielle Teile in geringen Stückzahlen herstellen.“

Fertigung kommt aus Fernost zurück

Wegen des extrem hohen Engineeringanteils in der Medizintechnik sieht der Cluster-CEO auch die Tendenz, dass bestimmte Fertigungen aus Fernost wieder zurück nach Europa wandern. „Da ist enorm viel Produktionsdokumentation im Spiel, weil es sich um anspruchsvolle Produkte handelt. Die Aspirin-Generika sind schon in China und die werden wahrscheinlich auch dort bleiben. Es geht um Zuverlässigkeit und Nachvollziehbarkeit, medizinische Geräte kommen ja am Menschen zum Einsatz. Da geht es nicht um drei oder fünf Cent – wenn die Produktsicherheit nicht gegeben ist, kann das Millionen kosten.“
Eine Technologie, die sich etablieren wird, ist für Harer der 3D-Drucker: „Gerade im Implantat-Bereich wird das für eine schnelle Versorgung mit passgenauen Teilen sorgen. Wahrscheinlich ist auch der Einsatz bei der Produktion von hochkomplexen Teilen für medizinische Geräte.“
Die größte Herausforderung für die Branche, so Harer, wird die Qualifizierung der Mitarbeiter. „Wir haben genug Molekularbiologen oder Pharmazeuten, aber es mangelt an Absolventen der klassischen MINT-Fächer. Wir brauchen Mathematiker, Informatiker und Naturwissenschaftler. Wir haben auch viel zu wenig Verfahrenstechniker, ein Bereich, der immer wichtiger wird.“ Auch bei den Facharbeitern müsse man ansetzen und mehr in die Lehrlingsausbildung investieren.

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