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Umwelt­management mit Tiefgang

Rund zwei Millionen Euro investierte die Brauerei Murau in die neue Erlebniswelt „Brauerei der Sinne“. Keine Marketinginszenierung, wie Geschäftsführer Josef Rieberer betont, sondern die vorläufige Krönung einer mittlerweile bald 25 Jahre währenden Ausrichtung auf ökologische Nachhaltigkeit, gleichsam eine mit allen Sinnen erfassbare Ökobilanz.

Text: Wolfgang Wildner, Fotos: Brauerei Murau, Reinhold Macheiner

 

In der Tat lässt die Präsentation bei aller audiovisuellen Perfektion an der Oberfläche, der hinter Glas projizierte Schauspieler und Trautmann-Darsteller Wolfgang Böck geleitet die Besucher in breitem TV-Wienerisch durch die Ausstellung – auch die tieferen Schichten und die ihr hinterlegten Werte durchscheinen. Sinnbildlich dafür steht der 17 Meter tiefe, handgemauerte Brunnen, aus dem über eine moderne Förderleitung auch wirklich Wasser für die Herstellung des Murauer Biers entnommen wird. „Wir wollten“, erklärt Rieberer, „hier schon seit Jahren einen Brunnen errichten, doch fehlte uns die Genehmigung. Nun, im Zuge der Planungen für unsere Brauerei der Sinne haben wir sie erhalten.“

Brauerei Murau: Bier aus einer der wald- und wasserreichsten Regionen der Steiermark.

 

Natur authentisch

Natürliche, gediegen verarbeitete Materialien (aus der Region) sorgen für eine bodenständige, nie jedoch rustikale oder folkloristische Atmosphäre. Holz, altes Gemäuer – und als harmonischer Kontrapunkt Glas und Beton. Die alten Kupferkessel wirken da beinahe ein wenig fremd, wie aus einer anderen Zeit. Die neue Schaubrauerei, hier können Kleinserien oder Craftbier-Spezialitäten gebraut werden, glänzt hingegen in Edelstahl. „Da“, deutet Josef Rieberer auf ein paar Stellen in den Stützen, die den Eindruck erwecken, als hätte man vergessen, sie zu spachteln und zu übermalen, „sieht man noch die Löcher, in denen die alten Heizöltanks verankert waren. Wir haben sie ganz bewusst so belassen.“ Sie markieren gleichsam den Ausgangspunkt der Entwicklung von einer „konventionellen“ steirischen Privatbrauerei zu einem Umwelt- und Klimavorzeigebetrieb.

Der handgemauerte Brunnen in der Brauerei der Sinne.

 

Leidenschaft

Begonnen hat alles 1993. Die Umweltinitiative sei von einem einzelnen Mitarbeiter ausgegangen. Dieser, mittlerweile bereits im Ruhestand, habe den Umwelt- und Nachhaltigkeitsgedanken mit aller Leidenschaft ins Unternehmen getragen und sei schließlich zum Nachhaltigkeitsbeauftragten der Brauerei Murau ernannt worden. Es folgten viele kleine Schritte und mehrere große, insgesamt hunderte Einzelprojekte. 1996 wurde die Brauerei Murau als erster Betrieb Österreichs überhaupt EMAS-zertifiziert. EMAS steht für „Eco-Management and Audit Scheme“ und ist ein freiwilliges Instrument der Europäischen Union zur kontinuierlichen Verbesserung der Umweltleistung von Unternehmen. „Nach wie vor sind wir auf das Zertifikat mit der Nummer Nr. A-000001 stolz“, erklärt Rieberer. „Und nach wie vor ist EMAS eine wichtige Säule unserer Nachhaltigkeitsbemühungen, weil es nicht nur die Einhaltung bestimmter Kriterien überprüft, sondern dem gesamten Prozess ein freiwilliges Managementsystem unterlegt.“

Mitarbeiter eingebunden

So ist die Umweltagenda heute breit im Unternehmen verankert und stützt sich auf eine eigene Organisationsstruktur mit Umweltteam, Beauftragten, Umweltplänen, Projekten und regelmäßigen Kommunikationseinheiten. Soeben erfolge der nächste Schritt: „In Zukunft werden wir unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, so sie sich bislang noch nicht in diesem Bereich engagiert haben, noch intensiver, etwa zur Ideenfindung und mit eigenen Projekten, einbinden.“
Systematisch wurden die Energieversorgung, Schritt für Schritt, von fossilen auf erneuerbare Energieträger umgestellt und die Anlagen nach neuesten Umweltstandards modernisiert. Einige Marksteine aus den vergangenen Jahren: Einbau einer innovativen Niedrigtemperaturtechnik im Sudhaus; gleichzeitig Anschluss der Brauerei an das Biomasse-Nahwärmenetz der Stadtwerke Murau und Umstellung der Prozesswärme von Heißdampf aus Öl auf Heißwasser aus Biomasse; Bau zweier Photovoltaikanlagen am Dach der Brauerei (insgesamt wurde der Verbrauch von rund 700.000 Liter Öl substituiert). Daneben erfolgten zahllose weitere Schritte, die Logistik, Fuhrpark, Raumwärme, Beschaffung, Verpackung, Abfallmanagement und generell die Senkung von Verbrauchszahlen betrafen. Seit 2014 ist die Bierproduktion CO2-neutral. Die wenigen noch verbliebenen Prozent Verbrauch aus nicht erneuerbarer Energie resultieren aus fossiler Substitution während unvermeidlicher Wartungsarbeiten und werden über den Zukauf von CO2-Zertifikaten des Kaindorfer Humus-Projekts kompensiert.

In der Schaubrauerei werden Kleinserien und Craft-Spezialitäten gebraut.

 

Rechnet sich

In den letzten zehn Jahren, rechnet Rieberer vor, seien 54 Millionen Euro investiert worden, immer auch unter der Devise der Umweltrelevanz – nicht selten sogar ausschließlich aus diesem Grund, scheinbar ohne Rücksicht auf die betriebswirtschaftliche Gesamtrechnung. „Aber“, beruhigt Josef Rieberer, „es rechnet sich auch in dieser Hinsicht. Und zwar deshalb, weil wir uns, wenn wir über unsere Umwelt- und Gesamtverantwortung nachdenken, auch immer sehr bewusst mit unserer betrieblichen Organisation und unseren Prozessen auseinandersetzen.“ So hätten sich Umweltinvestitionen gleichsam ohne Kalkül letzten Endes doch immer auch betriebswirtschaftlich bezahlt gemacht. „Mit der Umstellung auf Niedertemperatur und dem damit einhergehenden Umstieg auf erneuerbare Energie aus der Biomasse der Stadtwerke Murau wollten wir ursprünglich nur kostenneutral bilanzieren. Unter dem Strich durften wir uns dann über Energieeinsparungen von 23 Prozent freuen.“

Abfüllanlage: Bis 2019 wird um 7 Mio. Euro energieeffizient umgerüstet.

 

Verkaufsargument

Letzten Endes, so Rieberer, sei die authentische und in die Tiefe gehende Umweltarbeit aber auch ein überzeugendes Argument im Verkauf. „Damit differenzieren wir uns nachweisbar und nachvollziehbar. Als Vorreiter haben wir in diesem Bereich einen substanziellen Vorsprung. Wollen uns andere auf diesem Weg folgen, müssen sie erst einmal ein aufwendiges Managementsystem aufbauen. Das geht nicht von heute auf morgen. Wir leben es seit über 20 Jahren.“ Umweltgesinnung vorwiegend in schönen Werbeprospekten und TV-Spots zu bekunden, könne diesen Vorsprung nicht wettmachen, erlaubt sich Rieberer einen kleinen Seitenhieb. „Mit der Brauerei der Sinne wollen wir nun aber unsere Vorreiterrolle durchaus deutlicher in die Auslage rücken. Schließlich haben wir in diesem Bereich beinahe eine Alleinstellung.“

Brauerei-Geschäftsführer Josef Rieberer: seit 2007 insgesamt 54 Mio. Euro umweltrelevant investiert.

 

Weitere Projekte

Die nächste Großinvestition ist bereits im Visier: Bis 2019 sollen Flaschenwasch- und Abfüllanlage mit einem Investitionsvolumen von rund 7 Mio. Euro erneuert und damit der Energieverbrauch deutlich gesenkt werden. Ganz oben auf der Projektliste steht auch die weitere Ökologisierung des Fuhrparks und des Transportmanagements. Das alles, erklärt Rieberer, seit 2007 Geschäftsführer der Brauerei, hätte so wohl niemals geschehen können, wäre die Brauerei Murau nicht genossenschaftlich organisiert. „Bei uns gibt es dieses typische Shareholder-Value-Denken nicht, die Ausschüttungen an unsere insgesamt 470 Genossenschaftsmitglieder bewegen sich im marginalen Bereich.“ Im Fokus stünden vielmehr die Verantwortung um Standort, technische und betriebliche Infrastruktur sowie Umwelt und Klima. Und um Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter: „Unser Personalkostenanteil beträgt 29 Prozent, in Großbrauereien liegt er bei 18 bis 24 Prozent.“ Wie viele Manager gibt es, die mit Bedacht auf ihre vergleichsweise höheren Personalkosten verweisen?

 

Brauerei Murau

Gegründet 1495; ca. 190 MitarbeiterInnen, ca. 250.000 Hektoliter Gesamtausstoß; Anteil der Produktion in Mehrweggebinden fast 95 %; Anteil Absatz Gastronomie ca. 66 Prozent, Handel 34 %; stärkste Sorte: Märzen ca. 85 %; Märkte: Kärnten, Steiermark, Oberösterreich, Salzburg, China; AMA-Gütesiegel: Alle Zutaten aus österreichischer Herstellung. www.murauerbier.at

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