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Energie im Wandel

Kaum eine andere Branche verändert sich so stark wie die Energiewirtschaft. Dezentrale Stromerzeuger, die Abkehr von fossilen Energieträgern, in die Jahre gekommene Infrastruktur und die Digitalisierung fordern heimische Energieunternehmen heraus. Ein Gespräch mit Martin Graf, Vorstand der Energie Steiermark.

Text: Daniela Müller, Fotos: Thomas Luef

 

Vieles ist denkbar: Vielleicht fahren Autos in wenigen Jahren auf Solarstraßen, deren Belag mit Sonnenkollektoren beschichtet ist, möglicherweise wird Ener­gie einmal aus Pflanzen gewonnen oder Salz dient künftig als Stromspeicher. Die Energiebranche verändert sich wie kaum ein anderer Geschäftszweig. Einigkeit herrscht in der Frage nach der Zukunft, und die soll grün sein – sind sich zumindest die heimischen Energieversorger einig.

Die Steiermark ist im Energiesektor nach wie vor von fossilen Energieträgern abhängig. Was steht in puncto Energiezukunft auf dem Plan von Energie Steiermark?

Martin Graf: Der Fokus liegt klar auf der Erhöhung des Anteils an erneuerbaren Energien. Im Strom haben wir bereits einen Anteil von 75 Prozent, im gesamten Energiebereich inklusive Verkehr liegen wir bei 30 Prozent. Neben der Erzeugung müssen wir bei der Ener­gieeffizienz ansetzen. Jede nicht verbrauchte Kilowattstunde muss nicht produziert und transportiert werden.

Wo sehen Sie hier Potenzial?

Das größte Potenzial sehen wir im Wärmebereich und im Wohnbau, bei der Industrie hängt es von der Effizienz der eingesetzten Anlagen ab. Generell sehen wir Potenzial im großen Mittelstand, hier vor allem im mittleren und großen Gewerbe. Viel passiert im Bereich der Energieeffizienz ist in der Zementindustrie, ein gutes Beispiel in puncto Mehrfachnutzen ist das Unternehmen Sappi, wo wir über eine Tochterfirma die industrielle Abwärme für die Wärmeversorgung von Graz nutzen.

Wie würden Sie die Herausforderungen im Energiesektor beschreiben?

Im Energiebereich kommen wir vom alten, zentral gesteuerten thermohydraulischen System – also im Winter thermische Energie, im Sommer Wasserkraft – Energie, die über große Anlagen und Hochspannungsleitungen zum Kunden transportiert wird, weg. Das ehemalige „Einbahnsystem Energie“ ist zu einem System mit ungeregeltem Verkehr geworden. Photovoltaik, Wind oder Blockkraftwerke führen dazu, dass Energiesysteme stärker verteilt werden, die neue Herausforderung wird sein, diese Volatilität und Dezentralität im Kontext der Versorgungssicherheit umzusetzen. Letztlich wollen wir eine CO2-freie Erzeugung erreichen. Grün, innovativ und digital – das passt gut zu uns.

Wie definieren Sie „grün“ mit Blick auf die Zukunft einer sich doch sehr stark verändernden Branche, die vermutlich nicht mehr von ihren bisherigen Dienstleistungen wird leben können?

Indem wir erneuerbare Energie forcieren, von Kleinwasserkraftwerken bis Windanlagen. Grün wollen wir nicht nur im Stromsektor werden, sondern auch bei der Wärme und E-Mobilität. Wir sind aber zudem Infrastrukturprovider und müssen in längeren Investitionszyklen denken.

Gleichzeitig produzieren immer mehr Haushalte ihren Strom selbst.

Fakt ist, dass sich die Haushalte künftig stärker selbst mit Strom versorgen, gleichzeitig werden aber auch die Anforderungen an das Netz größer. Wir leben heute von den Infrastruktureinrichtungen der 70er- und 80er-Jahre. Da braucht es den innovativen Aspekt nicht nur bei neuen Produkten, sondern auch in Bezug auf die alte Infrastruktur.

Sehen Sie hier Probleme auf uns zukommen, wie sie in Deutschland befürchtet werden?

In Deutschland geht es darum, eine 4.000 Kilometer lange Leitung von Nord nach Süd zu errichten, von der gerade erst 200 Kilometer gebaut wurden. Ganz so schlimm ist es nicht, doch die Herausforderungen sind auch bei uns groß. Wenn ich an das Flughafenurteil (das Nein zur dritten Piste, Anm.) denke, wird es künftig wahrscheinlich auch für uns Energieunternehmen noch schwieriger werden, Infrastrukturen zu errichten.

Ist es denkbar, dass Haushalte bei entsprechenden Speichermöglichkeiten überhaupt unabhängig von Energie­unternehmen sein werden?

Das wird nicht gehen. Netzkosten fallen ja immer an, die Kosten werden künftig nur anders umverteilt. Im Mieterstromgesetz beispielsweise, in dem die Bedingungen für gemeinschaftliche Erzeugungsanlagen festgehalten sind, geht es darum, eine gute Balance herzustellen. Man spricht im Energiebereich vom Dreieck Leistbarkeit – Nachhaltigkeit – Versorgungssicherheit. Diese drei Aspekte muss man immer im Einklang sehen.

Was erwarten Sie sich von Smart Meter, das schon seit Jahren großes Einsparungspotenzial verspricht?

Die jetzige Zählertechnologie ist 60, 70 Jahre alt. Mit dem Vorhandensein von Daten hat man nun Informationen über das eigene Nutzerverhalten, damit einhergehend ist auch eine bessere Abrechnung möglich. Autofahrer schauen beim Spritpreis auf die Dezimalstellen, können aber über ihren Stromverbrauch keine Aussagen treffen. Das zeigt, dass hier noch einiges an Bewusstseinsbildung nötig ist. Wir bieten beispielsweise ­armutsgefährdeten Familien, die sich keine neuen energieeffizienten Geräte leisten können, ein „Mieten statt Kaufen“-Modell an.

Wie wird Digitalisierung bei Energie Steiermark sonst noch eingesetzt werden können?

Ich sehe hier in drei Bereichen Potenzial im Bereich Digitalisierung: intern für die Kostenoptimierung, extern, wie wir es mit dem Online-Produkt Easy Green Energy über die Easy Bank bereits anbieten. Die Digitalisierung wird uns auch neue Geschäftsmodelle ermöglichen, etwa wenn über die Blockchain-Technologie dezentrale Energieliefersysteme gefördert werden können. Die Digitalisierung wird künftig auch Mieterstrommodellen dienen. Derzeit sind Photovoltaikanlagen eher Themen für Einzelhausbesitzer. Die Digitalisierung könnte sie auch für den mehrgeschoßigen Wohnbau attraktiv machen.

Welche Entwicklungen erwarten Sie noch?

Die Speicher-Technologie ist tatsächlich eine zentrale Herausforderung, hier werden verschiedene Medien künftig zusammenwachsen. Ziel muss es sein, erneuerbare Energie – vor allem Sonnenenergie – noch effizienter zu nützen. Wir testen zum Beispiel im Heimschuh ein Modell, eine Trafo-Station gleichzeitig auch zu einer Speicherzentrale für Sonnenstrom zu machen. Batterien von E-Autos können künftig zur Netzstabilisierung verwendet werden. Wir haben einige Kooperationen mit Start-ups laufen, die sich alle mit Innovationsthemen beschäftigen, was wir [aber] nicht an die große Glocke hängen. Ein daraus entstandenens Produkt ist homee, eine Funkstation, die eine Kommunikation mit anderen Geräten ermöglicht, etwa, indem über das Produkt und ein Smartphone das Licht ein- oder ausgeschaltet werden kann.

Woran denken Sie bei einer möglichen Erweiterung des Produktportfolios?

Da denke ich zum Beispiel an unsere Urban Boxes: Ein All-Inclusive-Modell, mit dem wir modulare, nachhaltige Büros mit einer Flat-Rate zum Kauf oder zur Miete anbieten. Aber auch den Bereich E-Care, der durch die Veränderungen im Gesundheitswesen boomen wird. Wir sehen uns die Wasserstofftechnologie genauer an, da wir glauben, dass diese in Anbetracht der Volatilität bei den erneuerbaren Energien durchaus relevant werden könnte. Im Bereich Telekom können wir durch unsere bestehenden Lichtwellenleiter-Netze in Sachen Datenübertragung große Wettbewerbsvorteile lukrieren. Sowohl im Bereich WLAN, beim Breitband, als auch im niederschwelligen Datentransfer.

Martin Graf, Vorstand der Energie Steiermark, sieht die Herausforderungen auf dem Energiesektor vielschichtig. In Zusammenarbeit mit Start-ups und innovativen Denkern erarbeitet das Unternehmen neue Themenfelder und Dienstleistungen. Ein großer Player will man im Bereich der E-Mobilität werden.

 

Energie in der Steiermark

Rund 146,5 Mio. Euro hat die Energie Steiermark im Vorjahr in grüne Erzeugung und sichere Netze investiert, der überwiegende Teil dieser Aufträge ging an heimische Unternehmen.
www.e-steiermark.com

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