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Es wird mehr investiert

Franz Kerber, Vorstand der Steiermärkischen, über steigende Investitionsbereitschaft und wachsende Zuversicht seitens der Unternehmer und die Frage, warum die bisherige Zinspolitik ein gefährliches Signal für die Konjunktur ist.

Text: Daniela Müller, Foto: Thomas Luef

Wie schätzen Sie das Investitionsklima in der Steiermark ein?

Kerber: Es gab einen Investitionsstau über vier bis fünf Jahre. Es fehlten halbwegs stabile Aussichten. Unternehmer investieren nicht gern, wenn die Rahmenbedingungen eine 2- bis 3-Jahresplanung nicht zulassen. Seit 2016 ist die Nachfrage bei Investitionen deutlich gestiegen, aus Gesprächen mit Unternehmern höre ich ebenfalls mehr Zuversicht.


Was bedeutet das für Sie als Bank?

Das Kredit- und Leasinggeschäft wächst stärker, vor allem bei Ausrüstungsinvestitionen. Zuletzt wurden nur 10 bis 15 Prozent der Investitionen in Richtung Expansion getätigt, nun ist es rund ein Drittel. Viele Unternehmer plagt heute die Sorge, den Technologiezug zu verpassen. Großen Druck machen den KMUs hier vor allem die Digitalisierung und die wachsende Plattformökonomie. Für viele Betriebe bedeutet das: Wer sich nicht in zukünftig digitalisierte Wertschöpfungsketten einbringen kann und sich nicht mit neuen Geschäftsmodellen auseinandersetzt, wird mittelfristig aus dem Markt ausscheiden. Auf der anderen Seite helfen die günstigen Kapitalkosten den Rückstau an Investitionstätigkeiten zu beheben. Wir können seit dem 4. Quartal 2016 einen deutlichen Zuwachs bei Investitionskrediten in unserem Haus feststellen, aufgrund der hohen Liquidität der Unternehmen ist allerdings die Ausnutzung der Betriebsmittelkreditlinien rückläufig. Die Firmeneinlagen sind um 18 Prozent gewachsen, obwohl den Firmen dafür de facto keine nennenswerte Verzinsung geboten werden kann.


Wie veranlagen Unternehmer in der Regel?

Die Veranlagungspolitik der Unternehmer ist eher kurzfristig ausgerichtet; meist gilt es, Überliquidität kurzfristig zu veranlagen. Hier gilt „Sicherheit vor Ertrag“. Wir verzeichnen aufgrund des tiefen Zinsniveaus nach wie vor ein großes Wachstum im Immobiliengeschäft, das durch einen anhaltenden Zuzug in den Ballungszentren mit stabiler Nachfrage unterlegt ist.


Wohin wird die Zinspolitik der EZB gehen?

Die Politik des billigen Geldes hat ihre positive Wirkung zur Stabilisierung der Märkte längst erfüllt, es ist nun höchst an der Zeit, da wieder herauszukommen. Momentan haben wir eine moderat anziehende Inflation, die in Richtung zwei Prozent marschiert. Leider wird zu oft auf die zweite Inflation, nämlich die der Vermögenswerte – also Immobilien und Aktien – vergessen. Das ist gefährlich, aber die größere Misere sind die Negativzinsen, ein völlig falscher Anreiz, der zu Fehlsteuerungen führt.


Inwiefern?

Das künstlich tiefe Zinsniveau führte zum Teil zu einem Wertewandel im Sinne von „Sicherheit vor Ertrag“. Doch Negativzinsen signalisieren, dass man nicht an die Zukunft glaubt, ein fatales Zeichen, wenn es eigentlich um Wachstum geht. Ich bin überzeugt, dass spätestens 2018 die anormale künstliche Situation, in der die EZB selbst den Markt gemacht hat und nicht dessen Kräfte hat wirken lassen, ein Ende haben muss.


Wie wird sich das zeigen?

Ich rechne in den nächsten drei Jahren mit einem maximal um 1 bis 1,5 % höheren Zinsniveau, aber einer nach wie vor flachen Zinskurve. Die hochverschuldeten Staaten könnten sich das sonst nicht leisten. Negativzinsen sollte es 2018 nicht mehr geben.


In welchen Bereichen wird Ihrer Meinung nach in den nächsten Jahren Wachstum stattfinden?

Für mich ist die wesentliche Erkenntnis der letzten Jahre: Der Privatkonsum ist mehr denn je Basis und wichtiger Faktor für einen Konjunkturaufschwung, weil er nicht so stark auf Unsicherheiten oder geopolitische Gegebenheiten reagiert, wie das vergleichsweise Unternehmer tun. Der Export wird wieder positive Beiträge zum Wachstum liefern. Um aber auf ein Wirtschaftswachstum von etwa 2 Prozent zu kommen, bedarf es auch entsprechender Ausrüstungsinvestitionen in der Größenordnung von ca. plus 2 %, das sehen wir derzeit auch. Meine Einschätzung für das Wirtschaftswachstum der nächsten drei Jahre liegt zwischen 1,75 und 2,25 %.


Wie können Sie als Bank Unternehmen auf neuen Märkten unterstützen?

Wir sind in Graz als große Regionalbank mit eigenen Kapazitäten und Experten-Know-how exzellent aufgestellt. Gerade den Klein- und Mittelbetrieben, die über keine ausreichenden Kapazitäten und Kompetenzen verfügen, sind wir vor Ort im Inland bei der Abwicklung und Absicherung ihrer Geschäfte behilflich und setzen dazu auch unsere Präsenz im Ausland zum Vorteil unserer Kunden ein. Mögliche sprachliche Barrieren oder fehlende Informationen und Netzwerke vor Ort sollten daher künftig kein Hindernis für erfolgreiche Exportgeschäfte sein.


Finden Sie es mutig, wenn Unternehmer auf neue Märkte gehen?

Für mich ist das nicht so sehr eine Frage des Mutes als vielmehr eine Frage, ob ich den richtigen Partner für die professionelle Begleitung und Abwicklung meiner Exportgeschäfte zur Seite habe. In Zeiten von Compliance gilt es, strenge Spielregeln einzuhalten und schließlich sind die Absicherung und Finanzierung von Exportgeschäften Kernfragen des Erfolges, die es gilt, möglichst vorher zu lösen. Hier schließe ich auch Kreditversicherer, Logistiker und Inanspruchnahme von Services der Wirtschaftsdelegierten mit ein. Rechtzeitige Kontaktaufnahme mit Experten hilft, Zeit und Geld zu sparen und sich in weiterer Folge vor Schaden zu bewahren. Wenn man bedenkt, dass sich ca. 70 Prozent der Exportleistung ohnehin in den EU-Ländern abspielen, ist der Schritt über die Grenze, um zu expandieren, ein sehr naheliegender. Ganz abgesehen davon, dass technologisch die Welt ja ohnehin ein Dorf geworden ist. 

 

Franz Kerber ist stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Steiermärkischen Sparkasse. Er ist verantwortlich für die Geschäftsfelder Kommerz, Finanzierungsabwicklung, Werbung sowie Immobilien- und Gebäudemanagement.

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