Online Ausgabe

Abonnement

Jahresabo
um € 20,00 

 

Schicken Sie eine E-Mail an:
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! , ein Fax an 0316/84 12 12-709 oder bestellen Sie telefonisch unter 0316/84 12 12-0.

Sonderprodukt

Sonderprodukt:
LUST AUF STEIERMARK

Die schönsten Seiten der Steiermark gibt's hier!

Fruit Partners: Wir sitzen inmitten der Rohware

Philipp Hörrlein (l.) und sein Vater Herbert machen mit steirischem Kren gute Geschäfte. Ihnen ist es gelungen, frisch geriebenen Kren konservierungsfähig zu machen.

In der vorwiegend landwirtschaftlich dominierten Südoststeiermark gibt es nicht viel Industrie. In Feldbach existiert seit vier Jahrzehnten mit Fruit Partners ein Industriebetrieb, der sich der Verarbeitung von lokalen Agrarprodukten verschrieben hat. Der bekannte „Steirerkren“ – frisch geriebener Kren in Gläsern – wurde von Fruit Partners entwickelt und dominiert nach wie vor den Markt in Handel und Gastronomie.

Text: Andreas Kolb, Fotos: Shutterstock, beigestellt

 

Wir sind in die Region hineingewachsen“, schildert Philipp Hörrlein, der zusammen mit seinem Vater Herbert Hörrlein Eigentümer der Feldbacher Fruit Partners GmbH und des Müsliriegel-Herstellers Snack & Back ist. Tatsächlich sitzt der industrielle Lebensmittelhersteller inmitten seiner Rohware, denn diese ist in erster Line Kren. „Der Großteil des steirischen Krenanbaus findet in einem Radius von 50 Kilometern um unser Werk in Feldbach herum statt“, ergänzt Geschäftsführer Falk Rothermann. Und aus der Steiermark kämen 99 Prozent des in Österreich gezogenen Krens, rund 4.000 Tonnen pro Jahr. „Die Hälfte davon, also 2.000 Tonnen, kaufen wir und verarbeiten ihn entweder weiter oder folieren ihn für den Lebensmittelhandel“, erzählen Hörrlein und Rothermann stolz.


Weite Wege

Die Hörrleins stammen ursprünglich aus Franken. Philipp Hörrleins Großvater verdiente dort gutes Geld mit der Herstellung von Dosenkren. Weil ein nicht geringer Teil des Rohstoffs aus der Steiermark kam, schickte er seinen Sohn Herbert nach Feldbach. Herbert Hörrlein kaufte in Österreich immer mehr Rohkren ein und sorgte für den Transport nach Deutschland. Weil der Transport und die Zölle ins Geld gingen, zog Herbert Hörrlein eine Produktion in der Südoststeiermark auf.
Als in den 70er-Jahren die Zölle zwischen Europäischer Gemeinschaft und EFTA – zu der Österreich damals gehörte – fielen, wollte die deutsche Mutter das Werk in Österreich auflassen. „Mein Vater hat aber so viel Gefallen an der Mentalität der Steirer gefunden, dass er sich entschloss, hier mit einer eigenen Firma weiterzumachen und sich von der deutschen Mutterfirma zu lösen. So ist 1976 die Feldbacher Fruit Partners gegründet worden“, sagt Philipp Hörrlein. Was erst eine Art Manufaktur war, ist heute ein Industriebetrieb mit rund 120 Mitarbeitern in einer vorwiegend agrarisch geprägten Region.

Politik unterstützt

„Natürlich gibt es für einen Industriebetrieb bessere Gegenden“, schränkt Herbert Hörrlein ein. Letztlich laufe es in Feldbach aber gut: „Die lokale Politik unterstützt uns und tut alles Mögliche, um die Betriebe hier zu halten.“ Ein gewisses Maß an Infrastruktur, so Rothermann, sei ohnehin Grundvoraussetzung. „Wenn die Schnellstraße S7 von Fürstenfeld zur ungarischen Grenze bei Heiligenkreuz fertig ist, wird das aber sicher einen Entwicklungsschub für die ganze Region geben. Ohne vernünftige Anbindung an das Autobahnnetz ist es schwierig.“ Nicht nur der rasche Zugang zur Rohware ist für Hörrlein ein Asset des Standorts. „Wir haben hier treue, loyale Mitarbeiter“, versichert Philipp Hörrlein. Schon sein Vater sei begeistert gewesen, wie unkompliziert in Österreich das Verhältnis zwischen Belegschaft und Unternehmensführung im Grunde sei. Die Nähe zu den Krenerzeugern sei ein nicht zu unterschätzender Vorteil. „Man kann Dinge persönlich besprechen, wenn es einmal Probleme gibt“, sagt Rothermann. Inzwischen habe man sogar einen eigenen Anbauberater – früher selbst Krenbauer – der die Produzenten fachlich unterstütze.


Regionales Produkt

Hörrlein und Rothermann legen auch ein Bekenntnis zur heimischen Rohware ab. „Bei der Krenverarbeitung ist sehr viel Handarbeit notwendig, es gibt keine Maschinen, die die Wurzeln schälen können. Wahrscheinlich wäre es billiger, geschälten Kren aus China zu importieren, aber wir stehen dazu, in der Steiermark gewachsenen Kren in der Steiermark zu verarbeiten und so ein echt österreichisches Produkt anzubieten.“
Dass man auch bei einem so traditionellen Produkt wie Kren echte Innovationen umsetzen kann, hat Fruit Partners im Jahr 2000 bewiesen. Damals war es dem Unternehmen gelungen, frisch geriebenen Kren haltbar zu machen. Unter dem Namen „Steirerkren“ ist er heute in Gastronomie wie in Haushalten ungemein beliebt. „Herstellungsprozess und Maschinen machen hier die Qualität aus“, erklärt Rothermann. Seit wenigen Tagen hat Fruit Partners eine weitere Innovation auf dem Markt: frisch geriebenen Kren mit Stücken vom steirischen Apfel. „Wir wollten testen, wie die Kombination aus süß und scharf ankommt, und es ist uns denke ich gut gelungen“, so Rothermann.
Inzwischen sind beim frisch geriebenen Kren zwar einige Nachahmer tätig, Fruit Partners kann seine Position aber halten. Im Lebensmittelhandel ist Steirerkren Marktführer, in der Gastronomie werden sogar 80 bis 90 Prozent des Bedarfs abgedeckt. „Wir konzentrieren uns auf Österreich“, sagt Hörrlein. Nur zehn Prozent des in Feldbach verarbeiteten Krens gehen in den Export.


Riegel fürs Ausland

Genau umgekehrt ist es beim zweiten Standbein, Snack & Back. Dort werden Müsliriegel für verschiedene namhafte internationale Marken produziert. „Die Namen dürfen wir leider nicht nennen, aber 90 Prozent unserer Produktion gehen ins Ausland“, so Rothermann. Was übrigens auch daran liege, dass der Österreicher kein typischer Müsliriegel-Esser sei. Das Geschäft mit den Müsliriegeln macht 40 Prozent des Gesamtumsatzes der Hörrleinschen Unternehmen aus. 30 Prozent werden mit Kren erwirtschaftet, weitere 30 Prozent stammen aus der Bereitstellung von Obst und Gemüse für den heimischen Handel – vorwiegend Kartoffeln und Zwiebeln. Den Umsatz geben die Hörrleins seit einigen Jahren nicht mehr bekannt. „Wir möchten verhindern, dass unsere Mitbewerber zu viel über unsere Position am Markt wissen“, begründet Philipp Hörrlein diesen Schritt.


Innovative Insort

Mit einem Minderheitsanteil ist die Unternehmensgruppe übrigens an einem hochinnovativen, ebenfalls in der Südoststeiermark ansässigen Betrieb beteiligt: der Insort in Berndorf. Insort stellt seit einigen Jahren Anlagen her, mit denen Kartoffeln oder Beeren nach Qualität selektiert werden können. Hörrlein: „Das ist ein hochinteressanter, hochtechnologischer Bereich, der ein großes Potenzial hat.“


Mais und Hendln sind die perfekte Kombination

Mit der Steirerhuhn der Familie
Lugitsch und Geflügel Titz gibt es in Feldbach und Umgebung gleich zwei große, industrielle Hühnerschlachtbetriebe. Beiden Unternehmen ist gemeinsam, dass sie im Familienbesitz stehen und dass sie hochwertige steirische Hühner verarbeiten, die in erster Linie mit Mais gefüttert wurden. Kein Wunder, ist doch der Maisanbau in der Südoststeiermark weit verbreitet. Die Fütterung mit den gelben Körnern führt dazu, dass die Hendln eine goldgelbe Haut besitzen. Außerdem entwickeln sie dadurch ein festes, helles Fleisch und einen besonders aromatischen Geschmack. „Die Qualität unserer Produkte ist unser wichtigstes Anliegen“ – das ist das Motto bei Titz. Dies funktioniere nur im engen Zusammenspiel zwischen Produzenten und Verarbeiter, der die entsprechende Logistik beherrschen müsse. Breiter aufgestellt ist die Lugitsch-Gruppe. Dort werden nicht nur Hendln geschlachtet und zerlegt, sondern auch selbst gezüchtet. Das Futter für die Tiere kommt aus den eigenen Mühlen. Erzeugt wird dort nicht nur Hühnerfutter, sondern auch Nahrung für Rinder, Schweine, Schafe und sogar Wild. Im Lebensmittelbereich beliefert die Lugitsch-Gruppe den Handel nicht nur mit der Marke „Steirerhuhn“, sondern auch mit Putenprodukten und Eiern aus Boden-, Freiland- und Biohaltung.


Erfolgsgeschichte mit edlem Leder

Eine der echten Erfolgsgeschichten in der an Industrie nicht wirklich reichen Südoststeiermark ist jene von Boxmark. Seit 1982 als Lederfabrik Schmidt-Feldbach gegründet, beliefert Boxmark heute Kunden aus Auto- und Flugzeugindustrie, Möbelhersteller, die Ausstatter von Eisenbahnwaggons und Schiffen oder Hotels. 7.300 Mitarbeiter sind weltweit für das Feldbacher Unternehmen tätig, 760 davon in Feldbach. Zu den Kunden zählen Audi, BMW, Daimler, Jaguar oder Porsche ebenso wie Bene, Brühl, die Neuen Wiener Werkstätten oder Wittman. Standorte hat Boxmark in Feldbach und Jennersdorf in Österreich, in Slowenien, Kroatien, Deutschland, China, Mexiko und Argentinien. Geliefert werden von ganzen gegerbten und gefärbten Häuten bis zum fertigen lederüberzogenen Teil für die Autoindustrie alle Zwischenstufen der Lederverarbeitung. 99,9 Prozent der Feldbacher Produktion gehen in den Export. Boxmark setzt mit seiner Lederproduktion Maßstäbe auch im Bereich der Ökologie. Infolge konsequenter Entwicklungs- und Forschungstätigkeiten konnte das traditionelle auf Chrom basierende Gerbverfahren von einem vegetabil-synthetischen Fertigungsprozess abgelöst werden. Ebenso ist es gelungen, die Färbung des Leders auf schwermetallfreie Pigmente umzustellen. In Feldbach arbeiten in der Forschung und Entwicklung des Lederherstellers rund 60 Mitarbeiter.


Von Salzstangerln und Zwieback

Soletti kennt in Österreich buchstäblich jedes Kind. Weit weniger bekannt dürfte sein, dass die knusprigen und salzigen Stangerln aus dem südoststeirischen Feldbach kommen. Hergestellt werden sie bei Kelly in Feldbach. 1985 hatte der Konzern die Feldbacher Backwarenfabrik übernommen, die größte Backstraße für Salzstangerln in Europa. Heute gehört Kelly und damit Soletti zur deutschen Intersnack-Gruppe. In Feldbach und im Werk in Wien werden pro Jahr 27.500 Tonnen Salzgebäck, Chips, Erdnüsse und andere Snacks erzeugt. Der heimische Snack-Gesamtmarkt umfasst 34.660 Tonnen, jeder Österreicher verzehrt pro Jahr 4,02 Kilogramm Knabbereien. Geliefert wird aus Feldbach aber nicht nur nach Österreich, im Rahmen von Intersnack ist man auch für die Märkte in Slowenien, Italien, der Schweiz und im Adria-Raum zuständig. Zuletzt setzte Kelly Österreich mit 316 Mitarbeitern 167 Millionen € um. Ein anderes Traditionsprodukt aus Feldbach – 1935 erstmals von der Feldbacher Backwarenfabrik erzeugt – kommt übrigens bald aus Deutschland. Der Feldbacher Zwieback, der bisher unter der Ägide von Bahlsen in der Südoststeiermark erzeugt wurde, wird künftig in Thüringen produziert. Deutschlands bekanntester Zwiebackhersteller Brandt hat die Markenrechte am österreichischen Marktführer Feldbacher Zwieback von Bahl­sen gekauft. Die Marke Feldbacher Zwieback war 1985 ebenfalls von Kelly erworben worden, wanderte aber später zu Bahlsen.

Schwerpunkt Thema

Ab jetzt steht der "BUSINESS Monat" nun jedes Mal unter einem umfassenden Schwerpunkt-Thema. Im November: "History".

Partner

Ihr Partner für Webmarketing und -entwicklung, Netzwerklösungen, IT Security: