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Weltweit bodenständig

Klaus Bartelmuss, Industrieller 

Ein direkter Draht zu Menschen, wurscht, ob Chef oder Schöpfer, ein Gespür für Bedürfnisse, egal, ob im Schlagerbusiness, im LED-Geschäft oder in der Papierindustrie, und die Gabe, rasch die richtigen Entscheidungen zu treffen: Mit beiden Beinen sicher auf dem Boden seiner „peripheren“ Teufenbacher Heimat stehend, hebt der Industrielle und Gabalier-Manager Klaus Bartelmuss zu multiplen internationalen Höhenflügen ab.

Text: Wolfgang Wildner, Fotos: Thomas Luef

 

Teufenbach im Bezirk Murau. Vom Ende der Schnellstraße in Judenburg sind es noch etwa 30 Kilometer hier herauf, in die Bezirkshauptstadt Murau weitere 17 Kilometer. Von der B 96 präsentiert sich die auf 760 Metern Seehöhe gelegene Ansiedlung mit ihren knapp 700 Einwohnern als hübsch zwischen Berge und Wälder gesetzte Ansammlung von Industrie- und Gewerbeobjekten; haufenweise entrindete Baumstämme und Schnittholz, ein Parkplatz und ein malerischer Schmalspurbahnhof. Mit 1. Jänner 2015 wurde Teufenbach mit Frojach-Katsch zur Gemeinde Teufenbach-Katsch zusammengelegt, die 1.911 Einwohner zählt und sich über eine Fläche von insgesamt 42,27 Quadratkilometern erstreckt. Die Liste der Wirtschaftsbetriebe führt unter anderem die Gsodam Fahrzeugbau Gmbh, einen Hersteller von Anhängern, Aufliegern und Aufbauten, die KLH Massivholz GmbH, Pionier in der Erzeugung von Brettsperrholz, das Sägewerk Lercher sowie die IBS Austria GmbH und die IBS Holding GmbH.

Geniale Patente

Vor 50 Jahren gründet Heinrich Bartelmuss hier die IBS Kunststofftechnik. Bartelmuss, ein genialer Erfinder, entwickelt bahnbrechende neue Verfahren für die Papierherstellung, unter anderem für das Herzstück der Papiermaschine, die Entwässerungstechnologie. 1968 präsentiert er den weltweit ersten einteiligen Keramikbelag, 1976 verfügt er bereits über 10 Patente. 1979 gründet er im US-Bundesstaat Virginia die erste Tochterfirma und beschäftigt zu dieser Zeit fast 70 Mitarbeiter. Doch so visionär Bartelmuss als Erfnder ist, so unglücklich agiert er als Unternehmer. Als er 1981 überraschend verstirbt, hinterlässt er seinen Söhnen Klaus und Heinz zwar zukunftsweisende Technologien, allerdings auch ein marodes Unternehmen.

Weltweite Expansion

Doch die beiden Brüder – Klaus ist 21 und träumt von einer Karriere als Rockmusiker – meistern die Herausforderung. Heute beschäftigt die „IBS Paper Performance Group“ mit Standorten in Österreich, den USA, Kanada, Deutschland, Schweden, Liechtenstein, Malaysia, Indonesien, China und Japan sowie Vertretungen weltweit 750 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, davon 250 am Gründungsstandort und Headquarter in Teufenbach. 100 Beschäftigte leisten in der 1993 übernommenen Maschinenfabrik Berger in Knittelfeld hochqualifizierten Stahlbau fast ausschließlich für die übrigen Unternehmen der Gruppe, was deren Größe und Bedeutung unterstreicht. Bald 100 Patente stehen in den Büchern, 2016 konnte ein Umsatz von 115 Millionen Euro erwirtschaftet werden. Für das laufende Geschäftsjahr, lässt Klaus Bartelmuss durchblicken, lägen die Zahlen derzeit 30 Prozent über Plan.

Alleineigentümer

Doch auch eine tragische Dimension wohnt dieser Erfolgsgeschichte inne: Während all der Jahre, in denen sie aus der steirischen „Peripherie“ heraus ein international agierendes Unternehmen formen, ist das Verhältnis zwischen den beiden Brüdern äußerst konfliktbeladen. 2012 wird schließlich der Schlussstrich gezogen: Heinz Bartelmuss verlässt das Unternehmen, Klaus kauft ihm sämtliche Anteile ab und ist seither 100-prozentiger Eigentümer der IBS. In die Unternehmensführung holt er sich den langjährigen Vorstand und Vorstandsvorsitzenden der voestalpine Eisenbahnsysteme (VAE), Marc Kaddoura, einen, so Bartelmuss, mit allen Wassern gewaschenen, hochenergetischen Manager.

Standortnachteil Neid

Bartelmuss ist ein notorischer Anpacker und Umsetzer, der, so scheint’s, so gut wie alles, was er angreift, zu einer Erfolgsgeschichte macht. Und sich damit, wie er anmerkt, einen der österreichischen Hauptstandortnachteile zuziehe: den Neid. „Überall anders in der Welt werden erfolgreiche Unternehmer geschätzt, jedenfalls besser behandelt als in Österreich“, redet er sich in Rage. „In Österreich wirst du unter der Devise: ,Die Reichen sollen blechen‘ als Ausbeuter hingestellt.“ Die Diskussionen um Erbschafts-, Schenkungs- und Maschinensteuer, sie seien hinsichtlich der zukünftigen Entwicklung Österreichs als Wirtschaftsstandort verzichtbar. „Mehrfachbesteuerung, explodierende Bürokratie, Hürden, Neid, Unternehmer-Bashing – selbst ich bin es schön langsam leid. Und ich frage mich, wie viele aus der nächsten Generation sich das noch antun werden“, warnt er vor einer Ausdünnung des Unternehmertums. Was dem neidvolle Beobachter verborgen bleibe, so Bartelmuss, sei der Umstand, dass unternehmerischer Erfolg letztlich – erstens – auf Risiko- und Leistungsbereitschaft beruhe, und – zweitens – speziell im mittelständischen Bereich mit der Schaffung bzw. dem Erhalt von Arbeitsplätzen einhergehe. Gerade auf Bartelmuss trifft das in einem beachtlichen Ausmaß zu. Das Organigramm seiner unternehmerischen Aktivitäten weist mittlerweile eine beachtliche Breite auf.

„Wir haben damit zu leben gelernt, dass die Infrastruktur im Großen und Ganzen in Judenburg zu Ende ist. Jammern bringt einen da nicht weiter.“ Klaus Bartelmuss, Industrieller

Selektive Akquisitions­strategie

In der eigentlichen IBS-Gruppe sind neben der IBS Austria und ihren internationalen Ablegern zahlreiche im Laufe der Jahre getätigte Akquisitionen vertreten, etwa die liechtensteinische JUD AG, die US-amerikanische JUD Corp., die kanadische James Ross Ltd., die bereits erwähnte Maschinenfabrik Berger in Knittelfeld und die PGA Anlagenbau GmbH mit Sitz in Wernberg bei Villach. Anfang 2015 traten die kanadische Transphase Ltd. und die deutsche PMS Papiermaschinen Systemtechnik GmbH mit Sitz in Offenburg, ein Jahr darauf die kanadische Papertech, Spezialistin für Kamera- und Monitoringsysteme, sowie der in Taicang (China) ansässige Anlagenbauer Ergo Apparatus ihren Weg in die IBS-Gruppe an. Weitere Übernahmen könnten, so Bartelmuss folgen. Voraussetzung: „dass die Akquisitionen in Kombination mit unseren bestehenden Unternehmen ein neues Know-how bieten, das in dieser Form noch nicht existiert und mit dem wir unseren technologischen Vorsprung ausbauen können“.

Mischkonzern mit Gabalier

„Unsere Strategie ist es nicht“, erläutert Bartelmuss, „große Unternehmen zu schlucken, um dadurch rasant zu wachsen. Wir versuchen innovative und produktive Nischen zu besetzen. Häufig sind es Familienunternehmen, die keine Nachfolger finden.“ Er verfolge das Ziel, die Gruppe zu einem Mischkonzern zu entwickeln, um nicht zu 100 Prozent von einer Branche abhängig zu sein. Eines dieser Standbeine sei auch die Musik, spricht Bartelmuss seine Tätigkeit als Manager des steirischen Popstars Andreas Gabalier an. Begründet hatte diesen Geschäftszweig einst die schicksalhafte Begegnung mit dem Musiker Nikolaus Presnik, vulgo Nik P. Bartelmuss hatte das Talent seines Mitarbeiters erkannt, ihm in einer Scheune auf dem Firmenareal ein Studio eingerichtet, eine Plattenfirma („Stall Records“) gegründet und das Management übernommen. Eine Zusammenarbeit, die schließlich in dem Megahit „Ein Stern, der deinen Namen trägt“ kulminierte. Als sich Bartelmuss nach getaner Arbeit schon wieder aus dem Musikmanagement zurückziehen wollte, „stolperte“ er über den noch weitgehend unbekannten Andreas Gabalier. Rasch erkannte er sein Potenzial und übernahm das Management.

Unterhaltungs­industrie

Mittlerweile hat Bartelmuss, einmal abgesehen von Konzerten und CD-Verkäufen, rund um Gabalier eine kleine „Unterhaltungsindustrie“ aufgebaut. In der von Bartelmuss’ Frau Lydia geleiteten „Fan Art Design GmbH“ erzeugen Behinderte und Nichtbehinderte gemeinsam Fanartikel und andere Produkte. Zum Leistungsspektrum der in Scheifling angesiedelten Firma zählen auch Druck, Lasergravur sowie Auto- und Scheibenfolierung. Hintergrund für dieses Engagement ist der Autismus eines seiner Söhne. „Mir geht es darum, dass Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen nicht irgendwo zusammengewürfelt und schematisch beschäftigt, sondern ganz speziell gefördert werden.“
Eben hat Bartelmuss auf der anderen Seite der B 96 um 2,6 Mio. Euro eine alte Halle revitalisiert – unter Beteiligung heimischer Firmen, wie er betont. Im oberen Geschoss befindet sich ein großzügiges Studioloft mit Schlagzeug, Misch- und Aufnahmetechnik, Bar, gemütlicher Sitzecke und einem ganzen Fitnessstudio. Hier soll fortan ein Andreas-Gabalier-Showformat produziert und über internationale TV-Kanäle ausgestrahlt werden. Gemeinsam mit Gabalier hat Bartelmuss dafür eine eigene Produktionsfirma gegründet.

Gesundheits­innovation

Im Untergeschoss wird sich bald die Produktionsstätte für ein innovatives, im Gesundheitsbereich angesiedeltes Start-up befinden. Gemeinsam mit dem Mariahofer Mediziner Michael Ofner hat Bartelmuss die „360 Vital GmbH“ gegründet. Demnächst soll mit der Produktion eines auf einer Kombination von Enzymen basierenden Präparats zur Gewichtsreduktion und Adipositas-Therapie ohne Jo-Jo-Effekt begonnen werden. Mittels App wird das Präparat in eine Online-Beratungsumgebung eingebettet. Zurzeit werden die Zulassungen für den europäischen und den amerikanischen Markt erwirkt.

„Unsere Strategie ist es nicht, große Unternehmen zu schlucken und damit rasant zu wachsen, wir versuchen innovative Nischen zu besetzen.“ Klaus Bartelmuss, IBS-CEO

Leuchtenfertigung

Auch durchaus visionäre Unternehmer haben sich in diesem Feld bereits die Finger verbrannt, doch Bartelmuss ist mit seiner „Ecoworld LCL GmbH“ seit vielen Jahren auch in der LED-Branche erfolgreich. „Wenn du allerdings zentrale Produktionsschritte nicht selbst in die Hand nimmst, bist du verloren.“ Folglich werden die Beleuchtungskörper in einer der IBS-Hallen gefertigt. Hunderte Gemeinden und Unternehmen zählen zu den Kunden. Eine Beteiligung hält Bartelmuss schließlich auch an der Stainzer „Preworks GmbH“, die zu den führenden internationalen Konzert- und Bühnenbeleuchtern zählt. Neuen Geschäftsideen will sich Bartelmuss auch in Zukunft nicht verschließen. Er habe seine Gewinne immer reinvestiert und damit letztlich neue Arbeitsplätze geschaffen, zu einem erheblichen Teil in seiner strukturschwachen und von Abwanderung betroffenen engeren Heimat.

Bekenntnis zur Heimat

Auch wenn Bartelmuss im Ärger über die Hürden, die er seinem unternehmerischen Elan in den Weg gestellt sieht, bisweilen die Alternative eines Standortwechsels, etwa in die USA, wo er sich häufig und gerne aufhalte, an die Wand malt, die Taten des „leidenschaftlichen Teufenbachers“ sind doch als unternehmerisches Bekenntnis zu seiner Heimat zu werten. Der geografische Standort sei, sagt er, ohnehin „nicht mehr das vorrangige Problem“. Bartelmuss: „Das internationale Musikbusiness sitzt in Berlin, London oder L.A., aber es funktioniert, wie man sieht, auch von Teufenbach aus.“ Detto Industrie. Bereits als das Fax Einzug hielt, habe sich die IBS eine eigene Leitung legen lassen. „Auch unsere Breitbandanbindung haben wir selbst in die Hand genommen. Wir haben damit zu leben gelernt, dass die Infrastruktur im Großen und Ganzen in Judenburg zu Ende ist. Jammern bringt einen da nicht weiter. Wenn man vorne ist, muss man die Dinge in die Hand nehmen, um vorne zu bleiben. Wir sind groß genug, um die Initiative ergreifen zu können.“ Für kleinere Unternehmen sei die Situation aber sicher nicht ideal.

Attraktivität als Arbeitgeber

Zunehmend bemerkbar mache sich der Mangel an Fachkräften. „Wir bilden selbst so viele wie möglich aus, müssen aber Spezialisten mit bestimmten Qualifikationen häufig auch von weiter her zu uns holen.“ Was natürlich entsprechend teuer sei. „Doch finden wir immer wieder gute Leute. Über die Jahrzehnte haben wir uns einen hervorragenden Ruf erworben, da genießt man auch eine gewisse Attraktivität als Arbeitgeber.“ Allerdings, warnt Bartelmuss, werde sich die Situation noch verschärfen. „Das ist erst der Anfang. Höchste Zeit, dem Attraktivitätsverlust von handwerklichen Berufen und Lehre Einhalt zu gebieten.“
Gerade ist Industrie 4.0 dabei, die Voraussetzungen für unternehmerischen Erfolg neu zu definieren. Bartelmuss erkennt darin zuallererst neue Möglichkeiten: „In Kombination mit unserer Sensor- und Messtechnologie können wir zum Beispiel Abstimmungen der Maschinen bei unseren Kunden, egal, wo auf der Welt sie sich befinden, per Mausklick von hier aus vornehmen. Ein Quantensprung für die Maschinenverfügbarkeit. Derzeit müssen wir dafür einen Mitarbeiter oder ein Team rund um die ganze Welt schicken.“ 

Mehrfachbesteuerung, explodierende Bürokratie, Hürden, Neid, Unternehmer-Bashing – selbst ich bin es schön langsam leid. Und ich frage mich, wie viele aus der nächsten Generation sich das noch antun werden.“ Klaus Bartelmuss, CEO, IBS Paper Performance Group

 

Industriestandort Teufenbach: Mit der IBS Paper Performance Group beherbergt der kleine Ort im Murtal ein weltweit tätiges Industrieunternehmen. 250 Beschäftigte arbeiten im Murtaler Headquarter. Von hier aus wird auch der steirische Popstar Andreas Gabalier gemanagt.

 

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