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Eisen prägt die steirische Industrie von der Antike bis heute

Die Eisenvorkommen am Erzberg haben die steirische Industrie stark beeinflusst. Schon in der Habsburger-monarchie gab der Rohstoff der Steiermark einen nicht geringen Startvorteil.

Vom norischen Eisen, mit dem die römischen Legionen ausgerüstet wurden, bis zur Mikroelektronik spannt sich der geschichtliche Bogen der steirischen Industrie. Derzeit ist die Industrie wieder in einer Phase des Aufschwungs, vor allem gestützt durch den Export. Eine hohe F&E-Quote und eine rasche Digitalisierung machen die steirische Industrie zukunftsfit.

Text: Andreas Kolb, Fotos: shutterstock, beigestellt

 

Der Anfang der Industrialisierung in der Steiermark verliert sich im Nebel der Zeit: Als das Gebiet der heutigen Steiermark im Jahr 15 vor Christus von den Römern erobert wurde, gab es bereits seit Jahrhunderten den Abbau von Eisenerz in Noricum, wie die Römer die Region nannten. Norisches Eisen und der daraus erzeugte norische Stahl waren im Imperium Romanum legendär. Der hochwertige Stahl wurde fast ausschließlich für die Bewaffnung der Legionen genutzt. Natürlich wurde das Eisen damals nicht wirklich industriell verarbeitet, sondern eher in gut organisierten Manufakturen. Eisen blieb aber lange ein bestimmender Wirtschaftsfaktor – noch im 16. Jahrhundert kam ein Sechstel des europäischen Eisenaufkommens aus der Steiermark – und prägt bis heute die steirische Industrielandschaft. Eisen, Holz und Kohle brachten der Steiermark während der industriellen Revolution einen gewaltigen Startvorteil. Das Land war gemeinsam mit Böhmen und Mähren eines der ersten Kronländer der Donaumonarchie, die im großen Stil industrialisiert wurden. Neben dem Bergbau und der Stahlindustrie entstand rasch eine Papier- und Zellstoffindustrie, eine Zementerzeugung und eine florierende Mühlenindustrie. Lokale Brauereien wie Reininghaus oder Gösser wurden Großbetriebe, eine starke Textilindustrie entwickelte sich. Durch die Industrialisierung, die Menschen aus den armen Agrarregionen anlockte, wuchs die Bevölkerung in der Steiermark zwischen 1849 und 1914 um fast 50 Prozent.

Plötzlich Ausland

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde es für die Industrie schwierig. Die bisherigen Absatzmärkte waren plötzlich im Ausland. Die Lage stabilisierte sich zwar, die Weltwirtschaftskrise Ende der 20er-Jahre versetzte der steirischen Industrie aber den nächsten Schlag. Mit dem Anschluss Österreichs an das Dritte Reich 1938 ging es vordergründig wieder aufwärts. Die Nazis stellten die Industrie von Anfang an in den Dienst der Kriegsvorbereitungen. 1945 war zwar der Nazi-Spuk zu Ende, die Probleme für die steirische Industrie gingen aber weiter. Zehn Wochen lang war die Steiermark von den Sowjets besetzt, die die Zeit nutzten, um ganze Fabriken zu demontieren und nach Russland zu schaffen. Die 70 Tage sowjetischer Besatzung verursachten in der steirischen Industrie mehr Schaden als das jahrelange Bombardement der Alliierten. Der Wiederaufbau begann bereits zwei Jahre nach Kriegsende mit der großzügigen Hilfe der Amerikaner. Sie stellten mit dem European Recovery Program ERP – besser bekannt als Marshall-Plan – die nötigen Finanzmittel zur Verfügung. Die meisten großen Industriebetriebe waren allerdings von der jungen Republik Öster­reich mittlerweile verstaatlicht worden. Die verstaatlichte Eisen- und Stahlindustrie in der Mur-Mürz-Furche prägte bis in die frühen 1980er-Jahre die steirische Industrielandschaft. Der internationalen Stahlkrise 1985 war die Verstaatlichte, die sich nur langsam bewegen konnte, dann allerdings nicht mehr gewachsen.

„Wir sind pleite“

Der Ausbruch von ÖIAG-Chef Hugo-Michael Sekyra vor Voest-Arbeitern in Kapfenberg „Wir sind pleite, verstehen sie doch, wir sind pleite“ ist legendär. Von 1980 bis 1992 musste die Verstaatlichte in ganz Österreich 55.000 Beschäftigte entlassen. Stark betroffen war natürlich die Steiermark. Diese Entlassungen und die schrittweise Privatisierung der Betriebe brachten der Obersteiermark die Bezeichnung „Krisenregion“ ein. Als Rückgrat der Industrie entpuppten sich in dieser schwierigen Phase die vielen mittelständischen Industriebetriebe. Bis heute ist die steirische Industrie vom Thema Stahl und dessen ­Weiterverarbeitung im Kfz-Bereich, in Maschinen- und Anlagenbau sowie Metallverarbeitung geprägt. Papier- und Zellstoff sind traditionell im Waldland Steiermark ebenfalls stark, in jüngerer Zeit kamen Umwelttechnik, Medizintechnik und Elektronikindustrie dazu. Die Installierung der Cluster – allen voran der Automotivecluster ACStyria – haben die Industrie weiter gestärkt. Die ehemalige Verstaatlichte ist seit vielen Jahren höchst erfolgreich unterwegs. Firmen wie Voest oder Böhler sind in der ganzen Welt bekannt und für ihre Qualität berühmt.

Die Arbeit in der Industrie sah früher anders aus als heute. Das galt auch für so forschungs­lastige Unternehmen wie die AVL, wo diese Bilder im vorigen Jahrhundert entstanden sind.

Exportland Steiermark

Heute kann sich die steirische Industrie mehr sehen lassen denn je. Ein Drittel der regionalen Wertschöpfung wird von der Industrie erwirtschaftet. Jeder zweite Arbeitsplatz ist direkt in einem produzierenden Betrieb oder hat unmittelbar damit zu tun. Drei von vier steirischen Industrieprodukten gehen in den Export. Hauptabnehmerländer sind Deutschland, die USA, Italien und China. Stärk­ste Branche ist der Maschinen- und Fahrzeugbau, der 23.817 Mitarbeiter beschäftigt, gefolgt von der Metallerzeugung und -bearbeitung mit 22.288 Beschäftigten und der Elektrotechnik und Elektronik mit 12.146 Mitarbeitern. Absolute Spitze ist auch die Forschungs- und Entwicklungsquote. Sie beträgt seit Jahren stabil 4,8 Prozent des Bruttoregionalproduktes und ist damit der zweithöchste Wert in allen Regionen der EU. Nur in Baden-Württemberg ist die F&E-Quote um eine Spur höher. Die Industrie gibt jährlich rund 1,5 Milliarden Euro für diesen Bereich aus.

„2017 ist ein gutes Jahr“

Für den Präsidenten der steirischen Industriellenvereinigung, Georg Knill, ist die Industrie gut aufgestellt: „2017 wird ein gutes Jahr für die Industrie. Schon Anfang dieses Jahres haben unsere Erhebungen ergeben, dass Auftragseingang, Auftragsstand und Auslastung durchwegs gut sind. Man sieht auch an den stetig sinkenden Arbeitslosenzahlen, dass der Motor der steirischen Industrie wieder auf Touren gekommen ist.“ Derzeit, so Knill, würden alle Prognosen ein Wirtschaftswachstum von mehr als zwei Prozent voraussagen. Dies sei vor allem der Exportstärke der Industrie zu verdanken. „Es gibt Märkte, die um vier Prozent oder noch mehr zulegen – und in allen diesen Märkten sind wir Steirer gut vertreten.“

Nicht alles Sonnenschein

Dennoch sei nicht alles eitel Sonnenschein, sagt Knill. Besonders unzufrieden ist der IV-Präsident mit der Sozialpartnerschaft, die es nicht geschafft habe, in Sachen Arbeitszeitflexibilisierung zu einer dringend benötigten Lösung zu kommen. Knill: „Unsere schlimmsten Befürchtungen sind eingetroffen, es werden nur noch Funktionärs- und Partikularinteressen wahrgenommen. Für uns als IV ist die Sozialpartnerschaft passé, sie will und kann offenbar keine Lösungen für die Menschen finden. Wir brauchen dringend Interessenvertretungen, die im 21. Jahrhundert angekommen sind.“ Knill hofft nun, dass die Regierung ihr Versprechen wahr macht, in Sachen Arbeitszeit Regelungen zu treffen, sollten es die Sozialpartner nicht zustande bringen. Ob das aber noch vor der Neuwahl klappe, sei ungewiss.

Biotechnologie ist eine Zukunftschance für die Steiermark.

Große Chancen

Für die Zukunft sieht der IV-Präsident große Chancen unter anderem in der Mikroelektronik. Dieser Tage fällt ja die Entscheidung, wo der österreichische Mikroelektronikcluster Silicon Austria angesiedelt wird. Infrastrukturminister Jörg Leichtfried räumte vor Kurzem der Steiermark und Kärnten große Chancen ein. Bereits jetzt, so Knill, seien die beiden südlichen Bundesländer stark im Bereich Mikroelektronik verankert – sowohl was Produktion als auch was Forschung angehe. „Mit unserer Initiative Silicon Alps sind wir bestens auf Silicon Austria vorbereitet.“ Der Bereich Mikroelektronik, so Knill, führe direkt zum Thema Digitalisierung, das derzeit die steirische Industrie als Gesamtheit umtreibe. Es sei eine antiquierte Vorstellung, dass die Einführung von Robotern und Digitalisierung Arbeitsplätze vernichte, versucht der IV-Präsident Ängste zu zerstreuen. Als Beispiel nennt Knill Magna, wo man voll digitalisiert sei und gerade 4.000 Mitarbeiter ­einstelle, aber auch sein eigenes Unternehmen, die Knill Gruppe: „Wir stellen gerade 60 Menschen ein, nicht trotz, sondern wegen der Digitalisierung. Die Angst, dass bald nur noch Roboter in den Fabrikshallen stehen werden, ist unbegründet.“ Die neuen Jobs im Gefolge von Robotern und Computern seien zudem besser qualifiziert, was automatisch höhere Gehälter bedinge. Eine noch stärkere Rolle als derzeit werden nach Ansicht des IV-Präsidenten in Zukunft die Bereiche Automobil, Holz und Papier, Lebensmittel, Anlagenbau und Metallverarbeitung spielen. „Genau hier ist die Steiermark schon jetzt hervorragend aufgestellt.“

F&E Um und Auf

Forschung und Entwicklung sind für Knill das Um und Auf für eine zukunftssichere Industrie. „Innovation ist Zukunft. F&E zu haben ist für den Standort Steiermark fast wichtiger als Headquarters. Zumal F&E fast zwangsläufig mit Produktion gekoppelt ist, da es wenig Sinn macht, diese beiden Bereiche geografisch zu trennen.“ Umso wichtiger sei es gewesen, dass es die Regierung noch vor den Wahlen geschafft habe, die Forschungsprämie kräftig aufzustocken.

Zukunft Biotech

Eine Chance für den Wirtschaftsstandort Steiermark ist auch die Biotechnologie und die Medizintechnik. In den vergangenen Jahren hat sich hier vor allem auf dem Forschungs- und dem Ausbildungssektor einiges getan. So ist das Austrian Research Centre of Industrial Biotechnology ACIB in Graz dazu da, die Expertise der besten Wissenschaftler aus sieben österreichischen Universitäten auf dem Gebiet der industriellen Biotechnologie zu bündeln. Mit dem Hauptaugenmerk auf Biokatalyse, Enzyme und pharmazeutische Proteinproduktion möchte das Zentrum der bevorzugte Partner sein, wenn es um vorwettbewerbliche Forschung im Bereich der industriellen Biotechnologie geht. Mit dem Research Center Pharmaceutical Engineering steht der Steiermark ein starkes Instrument für die pharmazeutische Produkt- und Prozessentwicklung zur Verfügung. Mit rund 40 Partnern will die außeruniversitäre Forschungseinrichtung die Steiermark im Bereich Medikamentenentwicklung und -herstellung international etablieren. Immer stärker im Fokus ist dabei die personalisierte Medizin, die unter anderem auf für den jeweiligen Patienten maßgeschneiderte Medikamente setzt.

INFO: Allein in den fünf größten Industriebranchen in der Steiermark sind rund 80.000 Menschen beschäftigt. Die meisten Mitarbeiter (23.817) sind im Maschinen- und Fahrzeugbau tätig, gefolgt von der Metallerzeugung und -bearbeitung, die 22.288 Menschen beschäftigt. Platz 3 belegt die Branche Elektrotechnik und Elektronik mit 12.146 Beschäftigten. 9.941 Mitarbeiter hat die Nahrungs- und Genussmittelerzeugung, 9.665 arbeiten in der Holz- und Papierindustrie.

Industrieroboter – wie hier bei Magna – sind inzwischen fast überall im Einsatz. Sie vernichten keine Jobs, sondern schaffen andere.

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Ab jetzt steht der "BUSINESS Monat" nun jedes Mal unter einem umfassenden Schwerpunkt-Thema. Im November: "History".

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