Online Ausgabe

Abonnement

Jahresabo
um € 20,00 

 

Schicken Sie eine E-Mail an:
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! , ein Fax an 0316/84 12 12-709 oder bestellen Sie telefonisch unter 0316/84 12 12-0.

Sonderprodukt

Sonderprodukt:
LUST AUF STEIERMARK

Die schönsten Seiten der Steiermark gibt's hier!

Vom Vorstadtbäcker zum Bio-Pionier

 

Schon als „Vorstadtbäcker“ konnte sich im 18. Jahrhundert der Firmengründer der heutigen Bäckerei Sorger gegen die Konkurrenz durchsetzen. Der Mitbewerb in der „Bäckerhauptstadt“ Graz ist heute noch immer groß. Vorne mit dabei ist nach wie vor das Unternehmen Sorger rund um die Eigentümerfamilie Sorger-Domenigg.

Text: Eva Enders, Sarah Christina Kropf, Anna Zebinger Überarbeitung: Heidemarie Guggenbichler-Brunner, Walter Iber  Fotos: Marisa Vranjes, beigestellt

 

 


Im Mittelalter hieß es in Graz für alle Bäcker: Wer keine gute Qualität liefert, wird getunkt! Bis in das Jahr 1778 wurden Bäcker, die sich nicht an die Gewichtsvorgaben hielten, beim „Bäckerschupfen“ zum Gaudium der Zuseher in einen Korb gesperrt und in die Mur getaucht. Nur einem Bäcker soll es gelungen sein, sich unter Wasser zu befreien: dem gebürtigen Augsburger Josef Seel, einem Vorfahren der Unternehmerfamilie Sorger-Domenigg.
Bis zum Jahr 1709 durften nur die Grazer „Stadtbäcker“ ihr Brot in den Brotläden am Hauptplatz verkaufen. 1729 erwarb Seel die Bäckerei „Zum Weinrebenbäck“ am Murplatz (heute Südtirolerplatz) außerhalb der Stadtmauern und galt somit „nur“ als Vorstadtbäcker. Er durfte aber seine Waren von der Murvorstadt aus feilbieten und konnte sich trotz des Wettbewerbsnachteils rasch einen guten Namen machen.
Gemeinsam mit anderen Grazer Bäckern gründete Seel das sogenannte Bäckermühlen-Konsortium, um sich von den Müllern unabhängig zu machen und mehr Einfluss auf die Qualität des Mehls zu gewinnen. Nach dem Tod des letzten Seel ging der Betrieb 1839 an den verwandten Anton Domenigg über. Dieser vermachte die Bäckerei seinem Adoptivsohn Albin Sorger-Domenigg. Sämtliche Generationen nach Seel traten dem Bäckerkonsortium bei, das bis zum Ende des 20. Jahrhunderts bestand.

Ehemalige Zentrale am Südtirolerplatz.

Bäckerhauptstadt

Nirgends konnten derart viele kleinbetriebliche Bäckerbetriebe überleben als in der „Bäckerhauptstadt“ Graz. Der Wettbewerb lief nicht über den Preis, vielmehr spornte man sich gegenseitig durch Qualität und ständig neue Produktideen an. Das ermöglichte es vielen Bäckern, auch ökonomische Krisen zu durchtauchen, wie die Inflation nach dem Ersten Weltkrieg, als ein Laib Brot plötzlich mehr als 12.000 Mal so teuer war als noch vor dem Krieg, oder das Elend der Nachkriegszeit, als es allerorts an Mehl und Getreide mangelte und der Schwarzmarkt boomte. Für die hohe Kontinuität im Grazer Bäckerwesen steht Sorger geradezu symbolhaft. Ein Zeichen für die wertorientierte Haltung des Unternehmens ist die Weitergabe des Vornamens Albin an den erstgeborenen Sohn. Der heutige Geschäftsführer, Albin Sorger-Domenigg IV., ist 1956 geboren und im ehemaligen Stammhaus am Südtirolerplatz aufgewachsen. Mit Albin Sorger-Domenigg junior, seiner Schwester Nina, seiner Cousine Anna und Cousin Paul ist bei Sorger bereits die fünfte Generation in der Bäckerei. Ab den 1950er-Jahren ging es unter Albin Sorger-Domenigg III. steil bergauf: Neben der Verlegung der Hauptproduktionsstätte in die Annenstraße wurden weitere Filialen, etwa in der Sporgasse, eröffnet und die Produktion um Zuckerbackwaren erweitert. Mit dem Angebot von Mittagsmenüs konnte das Unternehmen sein Produktportfolio ab 1970 erneut vergrößern. Somit ist Sorger heute nicht nur Bäcker, sondern auch in der Eisproduktion, Kaffeerösterei und Gastronomie tätig.

Bio-Vorreiter

Seit 1954 ist die Zahl der Sorger-Filialen von zwei auf 24 gestiegen, die Mitarbeiterzahl hat sich seither von 30 auf 310 erhöht. Statt nur 30 Produkten werden heute 180 angeboten. Eine Vorreiterrolle nimmt die Bäckerei Sorger in Bezug auf Qualität und biologische Produkte ein. Heute zählt das Unternehmen zu den Bio-Pionieren (erste Bio-Produkte führte Sorger schon in den 1970er-Jahren ein) und stellt seine Brote ausschließlich nach traditionellem Handwerk mit echtem Sauerteig her. Mittlerweile tragen 60 Prozent der Sorgerprodukte das Bio-Siegel.

 

TIMELINE

 1729

 1839

 ab 1950

 ab 1970

 1993

 August Seel erwirbt die
Bäckerei „Zum Weinrebenbäck“
 Anton Domenigg I. über­nimmt das Unternehmen  Umstrukturierungen und Neuausrichtung unter Albin Sorger-Domenigg III.  Sortimenterweiterung
und erste Bio-Produkte
 Die 4. Generation übernimmt: Albin Sorger-Domenigg
und Arthur Sorger-Domenigg

Schwerpunkt Thema

Ab jetzt steht der "BUSINESS Monat" nun jedes Mal unter einem umfassenden Schwerpunkt-Thema. Im März: "Investitionsland Steiermark".

Partner

Ihr Partner für Webmarketing und -entwicklung, Netzwerklösungen, IT Security: