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Auf neuen Wegen

Die Baubranche auf dem Holzweg? Ja, aber nicht im sprichwörtlichen Sinn. Denn tatsächlich gewinnt das Bauen mit Holz nach einer längeren Phase der Stagnation ganz massiv an Bedeutung. Wohin führt die Reise und ist der Siegeszug des Holzbaus noch zu stoppen? Lokalaugenschein bei drei führenden steirischen Holzbauunternehmen.

 Text: Wolfgang Wildner, Fotos: Thomas Luef, Shutterstock

 

Vom Vorjahr auf heuer verzeichneten wir mit unseren Kielsteg-Elementen einen Zuwachs von 400 Prozent“, klingt Gernot Kulmer, geschäftsführender Gesellschafter des oststeirischen Bauunternehmens Kulmer Bau, das er gemeinsam mit seiner Schwester Hannelore Feichtinger führt, fast ein wenig euphorisch. „Kielsteg-Holzbauelemente“, erklärt er, „sind leichte, hochtragfähige und einachsig gespannte Flächentragsysteme. Dank ihrer innovativen Zellenbauweise verfügen sie über enorme Tragkraft und können stützenfrei Spannweiten von bis zu 27 Metern, bei Mehrfeldkonstruktionen sogar 35 Metern bewältigen. Sie kommen daher für weite Abstände überspannende und auskragende Dach- und Deckenkonstruktionen zum Einsatz, zuletzt etwa beim neuen Headquarter des Grazer Probiotika-Herstellers Allergosan.“ Jüngst erst überzeugte sich sogar ein japanischer Hochbaustatiker von den Qualitäten des Systems. 

Systematisierung bringt Schwung

Dem Kielsteg-Entwickler Stefan Krestel drohte bereits ein typisch österreichisches Erfinderschicksal, als Kulmer die Tragweite der Innovation erkannte und Produktion und Vertrieb des Systems in sein Unternehmen holte. Kulmer gilt als einer der Holzpioniere unter den steirischen Bauunternehmen – wohl nicht zuletzt wegen der beeindruckenden und kaum zu übersehenden Halle am Firmensitz in Hartl bei Pischelsdorf, die – abgesehen von Fundament und Betonstützen ganz aus Holz – dieses Thema auch nach außen trägt. Rund 12 Millionen Euro hat Kulmer im Jahr 2000 in die Errichtung investiert. 205 Meter lang ist das Objekt, auf 14.500 Quadratmetern wird produziert. Auf der einen Seite befindet sich die hochautomatisierte Kielsteg-Produktionsstrecke, auf der anderen werden Module für diverse Bauprojekte konstruiert. Derzeit werden hier auch die anspruchsvollen Bubble-Fensterelemente für den Zaha-Hadid-Bau in der Grazer Burggasse hergestellt: Schicht für Schicht CNC-gefräst. Handwerk, verschränkt mit Hightech und Automatisierung. 

38.000 Quadratmeter Kielsteg hat Kulmer 2017 in seiner Halle im Zweischichtbetrieb produziert, 40 Prozent gingen ins Ausland. Für 2018 verspreche die Auftragslage erneut Zuwächse, bis Norwegen reiche die Nachfrage. Bei Bedarf sei mit einer weiteren Produktionslinie in der bestehenden Halle eine Verdoppelung der Kapazitäten zu bewerkstelligen – Horizont 2020. Um sofort zu handeln, sei die Auftragsentwicklung noch nicht gleichmäßig genug. 

 Gernot Kulmerproduziert in der Kulmer-Bau-Holzbauhalle das Flächentragsystem „Kielsteg“  //  Kulmer Bau: Handwerk & Hightech – Kielsteg-Produktion. 

 

Hürden für Holzbau

Es habe einige Jahre der Hartnäckigkeit bedurft, um Kielsteg, ja, das Holzbausegment insgesamt, dorthin zu bringen, wo es heute stehe. Ohne das konventionelle Massivbaugeschäft hätte er sich, gibt Kulmer zu, seine Holzleidenschaft, insbesondere die doch recht weit auskragende Halleninvestition wohl nicht leisten können. Heute sei bereits ein Drittel seiner 240 Mitarbeiter im Holzbau tätig, ähnlich der Holzanteil am Umsatz. Nach wie vor, stellt Kulmer fest, mangle es jedoch vielerorts am Holzbau-Commitment. So seien etwa Ausschreibungen nach wie vor häufig auf Massivbau zugeschnitten. 

Beim in Weiz ansässigen Bauunternehmen „Strobl Bau – Holzbau“ mache, erklärt dessen geschäftsführender Gesellschafter Harald Strobl, der Erlös aus dem Holzbaugeschäft mittlerweile rund 40 Prozent der Umsätze aus – mit Tendenz Richtung 50 Prozent. Bereits jetzt sei etwa die Hälfte der 250 Mitarbeiter im Holzbau tätig. Vor 20 Jahren sei dieser Bereich noch ein absoluter Nebenschauplatz gewesen, erinnert sich der Unternehmer. „Holzbau wurde lange Zeit fast ausschließlich mit der Errichtung von Dachstühlen identifiziert. Die Leute waren eher verwundert, wenn wir ihnen erklärten, dass wir ganze Bauten aus Holz errichten, aber kaum Dachstühle.“ 

 

Kulmer Bau: Maßarbeit: Bubbles für den Grazer Zaha-Hadid-Bau. //  Kulmer Bau: Sparmarkt in Kaindorf an der Sulm. 

 

 

Kulmer Bau und Kielsteg, Ausgewählte Referenzprojekte:

• Wohnanlage Hummelkaserne, Graz
• Spar, Kaindorf an der Sulm
• Umweltkompetenzzentrum, Schäffern
• Allergosan-Headquarter, Graz
• Wohnanlage Liebenauer Hauptstraße, Graz
• Wohnanlage Sternäckerweg, Graz
• Kindergarten Haselbrunnerstraße, Wien
• Impulszentrum, Lebring

 

Holz boomt urban

Treiber der Entwicklung sei vor allem der Wiener Raum als rasant wachsender urbaner Ballungsraum mit starker Nachfrage nach neuem Wohnraum gewesen. Während es in der Steiermark nämlich der politischen Verordnung einer 20-prozentigen Holzquote bei geförderten Genossenschaftswohnbauprojekten bedurft hatte, um das Bauen mit Holz aus dem Dornröschenschlaf zu wecken, und der Holzbau bei Ausschreibungen häufig nach wie vor benachteiligt sei, hätten in Wien zahlreiche öffentliche und private Bauträger frühzeitig die Vorteile des Holzbaus erkannt: Von Fragen der Baubiologie, der Wohnqualität und der ökologischen Nachhaltigkeit einmal abgesehen, sind das zuvorderst die aus einem hohen Vorfertigungs- und Systematisierungsgrad resultierenden Effizienzgewinne und die damit einhergehenden deutlich geringeren Errichtungszeiten. Effizienzgewinne, die, wie Johann Harrer, Holzbau-Geschäftsführer bei Strobl Bau anmerkt, nicht nur bei Neubauten, sondern in hohem Maße auch bei Sanierungen, Erweiterungen und Aufstockungen zum Tragen kommen.

 

Lieb Bau Weiz: Volksschule Trieben. //  Lieb Bau Weiz: MIBA-Headquarter Laakirchen. 

 

Flexibilität und Effizienz

In der Tat resultieren der rasante Aufstieg und das beträchtliche Zukunftspotenzial des Holzbaus zu einem erheblichen Teil aus den Fortschritten bei der Entwicklung von Modulen und Industrieprodukten wie Holzriegelkonstruktionen oder Brettsperrholz-elementen, die – wetterunabhängig vorgefertigt und ohne Trocknungszeiten nutzbar – eine wesentlich raschere und effizientere Errichtung ermöglichen. „Bei den aktuell niedrigen Zinsen“, zeigt Harald Strobl zusätzliches Potenzial auf, „mag die Errichtungsdauer ja noch nicht so sehr ins Gewicht fallen, ziehen die Zinsen jedoch an, bekäme eine kurze Bauzeit noch mehr Relevanz.“ 

Schließlich hätten auch die Gesetzgebungen in den Bundesländern nach und nach reagiert und die Baunormen, vor allem im Hinblick auf den in den städtischen Ballungsräumen relevanten mehrgeschossigen Wohnungsbau – sprich: Hochhäuser – holzfreundlicher gestaltet. Damit sind langgehegte Vorurteile, Holzbauten seien weniger stabil oder brandgefährdeter als ihre massiven Mitbewerber, nun auch auf Ebene der Bauvorschriften wenigstens teilweise ausgeräumt. Allerdings würden österreichische Bauordnungen nach wie vor zu viele Restriktionen gegen Holz enthalten, mahnt nicht nur Josef Gasser, Architekt und geschäftsführender Gesellschafter der in Weiz ansässigen Unternehmensgruppe „Lieb Bau“, die rund 8 Prozent ihrer Umsätze, in absoluten Zahlen allerdings beträchtliche 30 Millionen Euro, aus dem Holzbau erwirtschaftet. „Die Abbrandgeschwindigkeit von Holz ist sehr berechenbar“, so Gasser, „dennoch sind leider die Bauvorschriften sehr streng ausgelegt, wodurch, etwa im Vergleich zu den skandinavischen Ländern, nach wie vor ein erheblicher Nachteil existiert.“ Verwunderlich, dass gerade ein Holzland wie Österreich diesem nachwachsenden Naturrohstoff solche Bürden auferlegt.

Lieb Bau Weiz: Deckenkonstruktion Einkaufscenter Liezen. //  Lieb Bau Weiz: Spar Oberwart. 

 

Lieb Bau, Ausgewählte Referenzprojekte:

NV Arena, Stadion, St. Pölten
Headquarter MIBA AG, Laakirchen, OÖ
Wohnanlage, St. Radegund
Spar, Oberwart
Sporthalle und Volksschule, Trieben
Einkaufszentrum, Liezen 

 

 

Paradigmenwechsel mit Holz

Innovative Technologien und veränderte Rahmenbe-dingungen eröffnen dem Holz-bau heute (beim Hochhausbau sogar im wortwörtlichen Sinne) nichtsdestotrotz neue Horizonte und bewirken auch einen Paradigmenwechsel in der Herangehensweise. „Durch die Möglichkeiten der Konstruktion und der Bearbeitung“, erklären Harald Strobl und Johann Harrer, „werden spannende, innovative Geometrien, größere Spannweiten und Kubaturen, aber auch beeindruckende Höhen möglich.“ In der Max-Mell-Allee in Graz errichtet Strobl Bau für die „ennstal“ z. B. gerade einen gemeinnützigen Wohnbau in Dreiecksform nach Plänen von Nussmüller Architekten. „In manchen Projekten gibt es so gut wie keinen rechten Winkel mehr.“ Das Projekt in der Max-Mell-Allee markiere auch insofern einen Paradigmenwechsel, als sich zum ersten Mal die betonierte Aufschließung mit Treppen und Lift gleichsam an die Holzkonstruktion anlehne und nicht umgekehrt. Aktuelle Projekte in Wien sowie im Grazer Neostadtteil Reininghaus würden auch die neuen Möglichkeiten, in die Höhe zu bauen, nützen.

Im Sog der neu gewonnenen Stärke des Baumaterials Holz kann sich nun auch das ökologische Gewissen entfalten. Eine Win-win-Situation sozusagen. Besonders bei der Errichtung von Schulen, Kindergärten und Pflegeheimen hätte sich der Mix aus zeitlicher Effizienz, ökologischer Nachhaltigkeit und atmosphärischer Qualität schon bislang als sehr zugkräftig erwiesen. Lieb-Bau-Chef Gasser verweist auf Studien, die Schülerinnen und Schülern im Holzambiente messbar größere Lernerfolge attestieren. Immer mehr seien allerdings auch ästhetische Motive für die Entscheidung, mit Holz zu bauen, verantwortlich. „Der Trend“, erklärt Stobl-Holzbau-Chef Johann Harrer, „geht jetzt immer mehr dahin, Holz außen wie innen nicht mehr zu verstecken, sondern auch in seiner Ästhetik wirken zu lassen.“ Thermobehandelte Holzoberflächen würden die Widerstandsfähigkeit nach außen erhöhen, ohne den natürlichen Feuchtigkeitsaustausch bzw. die Atmung zu unterbinden. 

Strobl Bau – Holzbau: Bildungscamp Algersdorf. //  Strobl Bau – Holzbau: Wohnanlage Max-Mell-Allee Graz. 

 

Technologisch weiter

Technologisch sei der Holzbau seinem massiven Widerpart heute überlegen, erklären Harald Strobl und Johann Harrer. Mit Holz zu arbeiten gestatte einen hohen Grad an Individualisierung und handwerklicher Flexibilität, erfordere allerdings, um konkurrenzfähig zu sein, gleichzeitig ein möglichst hohes Systematisierungs- und Automatisierungsniveau. Steigende Qualitäts-anforderungen, das Bestreben nach weiteren Bauzeitreduktionen sowie zunehmender Kostendruck würden, so Lieb-Bau-Chef Gasser, zu einer noch höheren Bedeutung vorgefertigter Module führen sowie deren Entwicklung vorantreiben. Das wiederum stelle, da sind sich die drei Mitbewerber einig, alle Beteiligten, von den Bauherren über die Planer bis zu den ausführenden Holzbauunternehmen und ihren Mitarbeitern, vor weitere Herausforderungen, bereite aber auf der anderen Seite wieder den Boden für Innovationen und technologischen Fortschritt. 

„Wir werden uns noch stärker in Richtung Vorfertigungskompetenz entwickeln“, erklären Strobl und Harrer. Noch mehr Know-how, prognostiziert auch Lieb-Bau-Weiz-Geschäftsführer Gasser, werde bereits während der Planungsphase in die Projekte einfließen – schon jetzt sei im Holzbau mit seinen spezifischen Anforderungen während des Planungs- bzw. Detailerarbeitungsprozesses zwischen Architekten, Planern und ausführenden Unternehmen eine viel engere Kooperation erforderlich als im klassischen Hochbau. Nicht zu unterschätzen, so Gasser, seien auch die Investitionen in Anlagen zur Vorfertigung mit einem höheren Automatisierungsgrad. Wer diese Prozesse – Planung, Vorproduktion, Logistik – im Griff habe, der werde sich, ist Gernot Kulmer überzeugt, über weitere Zuwächse in diesem Segment freuen dürfen. Schließlich, zeigt Gasser ein weiteres Zukunftsfenster auf, werde auch die Sanierung von Holzbauten immer mehr an Gewicht gewinnen.

 

Strobl Bau – Holzbau: Pflegeheim Andritz. //  Strobl Bau – Holzbau: Viktor-Kaplan-Volksschule Graz. 

 

Strobl Bau – Holzbau, Ausgewählte Referenzprojekte:

Bildungscamp Algersdorf, Graz
Urban Boxes, Energie Steiermark, Graz
Viktor-Kaplan-Schule Graz
Pflegeheim Andritz, Graz
Turnsaal Ursulinen, Graz
Wohnanlage Max-Mell-Allee, Graz
Helmut-Zilk-Park, Wien

 

Qualifikation ist Trumpf

Besondere Bedeutung komme zudem der Qualifikation der Mitarbeiter zu. Der Holzbau erfordere einen hohen Ausbildungsstand, zudem müsse in den Unternehmen viel Know-how und Erfahrung über den gesamten Errichtungszyklus hinweg abrufbar sein. „Fehlerhaft ausgeführte oder schlecht gelöste Details können zu Schäden und verkürzter Nutzungsdauer führen  – und damit auch das Image des Holzbaus insgesamt schädigen“, merkt Lieb-Bau-Chef Gasser an. Die entsprechende Qualität ist nur mit einem konstanten und gut hochqualifizierten Mitarbeiterstamm, häufig im Unternehmen selbst ausgebildet, zu schaffen. Auftragsvergaben an Subunternehmen oder gar Subsubvergaben seien, betont Gernot Kulmer, bei ihm daher ein Fremdwort. 

Kow-how- und Wert-schöpfungstiefe gehen im Holzbau somit Hand in Hand und bewegen sich dabei entlang einer in hohem Maße regionalen Wertschöpfungskette, die auch volkswirtschaftlich von besonderer Relevanz ist. Was die positiven Aussichten allerdings trüben könnte, warnen die drei führenden steirischen Holzbauunternehmer unabhängig voneinander, seien Engpässe, Verzögerungen oder teilweise auch sehr abrupte, nicht nachvollziehbare und noch weniger weitergebbare Preisschübe bei Brettschichtholz, Brettsperrholzplatten oder keilgezinktem Vollholz.

 

Schwerpunkt Thema

Ab jetzt steht der "BUSINESS Monat" nun jedes Mal unter einem umfassenden Schwerpunkt-Thema. Im Jänner: "Holz".

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