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Zerfall des Waldes – Es gibt kein Zurück

 

Wenn der Wald erst zerfällt, kann man die Zeit nicht zurückdrehen.“ Nur durch Bewirtschaftung gelingt es, den Wald gesund zu halten. Mangelnde Zeit mancher Kleinwald-Besitzer, eine zu starke Emotionalisierung des Themas Wald und sogar Unwissen, wo der eigene Wald überhaupt steht, sind Stolpersteine auf dem Weg dahin.

 

Text: Andreas Kolb, Fotos: Thomas Luef, Shutterstock

 

Das Thema Wald ist hochgradig emotional besetzt – und das hat nicht nur positive Auswirkungen. So wünschenswert ein völlig naturbelassener Wald auf den ersten Blick scheint, so schädlich können die Auswirkungen sein, wenn ein Wald zu lange nicht bewirtschaftet und gepflegt wird. Diese Ansicht vertritt Bernd Poinsitt, Geschäftsführer des Waldverbandes Steiermark, einem Zusammenschluss von rund 16.000 steirischen Waldbesitzern.

„Viele Menschen haben eine besondere Beziehung zum Wald. Sie sind schon als Kind mit dem Opa hinein gegangen, die Erinnerungen daran sind schön. Menschen wollen im Grund genommen keine Veränderungen, sie möchten den schönen Wald ihrer Kindheit“, schildert Poinsitt die Beziehung vieler Menschen zum Wald. „Dazu kommt eine gewisse Vermenschlichung, das sprechende Schweinderl aus der Werbung ist da nur die Spitze des Eisbergs, tendenziell trifft das auch auf das Thema Wald zu.“

Langfristig droht Zerfall

Wälder brauchen aber Veränderungen, erklärt Poinsitt. „Es muss Struktur in den Baumbestand gebracht werden, Licht muss auf den Boden kommen, damit junge Bäume nachwachsen können.“ Anfangs passiere nicht sehr viel, wenn ein Wald nicht bewirtschaftet wird. Langfristig könne ein Wald aber in die Zerfallsphase kommen, Totholz begünstige die Vermehrung von Schadinsekten, irgendwann werde auch der gesunde Baumbestand irreparabel geschädigt. „Man kann die Zeit dann nicht zurückdrehen“, sagt der Waldverbands-Geschäftsführer. Das sei auch der große Unterschied der Forst- zur Landwirtschaft: „Wenn ich Mais anbaue, fange ich im nächsten Jahr wieder bei Null an. Wenn ich Bäume schneide, habe ich ein Thema für Jahrzehnte.“

Leider fehle es manchmal am Bewusstsein, dass es eine Verantwortung sei, einen Wald zu besitzen, kritisiert Poinsitt. „Manchmal braucht es viel Zeit, um zu erklären, dass und warum Bäume fällen notwendig ist. Es ist ja nicht zuletzt auch eine Haftungsfrage, wenn ein morscher Baum auf jemanden fällt. Abgesehen davon ist das Schneiden eines Baumes immer auch ein Neuanfang.“

 

„Wir sind manchmal echte UFO-Jäger – auf der Suche nach dem Unknown Forest Owner.“ 

Bernd Poinsitt
GF Waldverband Steiermark

 

Das Problem mit der Zeit

Problematisch sei, dass viele Waldbesitzer die Forstwirtschaft nur nebenbei betreiben können. Poinsitt: „Wenn jemand arbeitet und unter Umständen daneben auch noch ein bisschen Landwirtschaft betreibt, hat er für den Wald keine Zeit mehr.“ Dennoch würden rund 70 Prozent der Waldverbands-Mitglieder ihren Forst selbst bewirtschaften. Immerhin 30 Prozent nehmen dafür Fremdleistungen in Anspruch. „Das wird auf Wunsch auch von uns als Waldverband organisiert.“

Ein Phänomen, das der eher klein strukturierten steirischen Forstwirtschaft geschuldet ist, schildert Stefan Zwettler, Leiter der Abteilung Forstwirtschaft der Steirischen Landwirtschaftskammer: „Wir sind manchmal echte UFO-Jäger – auf der Suche nach dem Unknown Forest Owner.“ Es gebe Menschen, die einen Wald erben, aber nicht einmal wissen, wo dieser genau liegt. „Unsere Aufgabe für die nächsten Jahre wird es sein, diese Waldbesitzer zu finden und sie für die Forstwirtschaft zu begeis-tern.“ Dadurch könnten in der Steiermark pro Jahr künftig sechs statt der derzeit rund fünf Millionen Festmeter Holz genutzt werden.

Regional ist die Durchschnittsgröße des einzelnen Waldbesitzes übrigens höchst unterschiedlich. Laut Waldverband liegt sie in der Südoststeiermark, Hartberg und Weiz bei rund 34 Hektar, im Mur- und Mürztal beim Doppelten. Im Bezirk Liezen seien die Waldflächen tendenziell noch größer. 56 Prozent der steirischen Waldfläche besteht aus sogenanntem Kleinwald, 35 Prozent gehören verschiedenen Forstbetrieben und neun Prozent stehen im Besitz der Bundesforste.

Die Jagd ist notwendig, damit Wald nachwachsen kann.

 

Jagd hält den Wald gesund

Ein weiteres oft unterschätztes Problem ist laut Poinsitt die Jagd. „Die ist notwendig, damit überhaupt ein Wald nachwachsen kann. Der Wildbestand muss angepasst werden, um den Wald langfristig zu erhalten. Das muss das Ziel der Jagd sein – ich bin absolut gegen eine reine Trophäen-Jagd.“ Die generelle Öffnung der Wälder für die Allgemeinheit und die Jagd vertragen sich allerdings nicht immer, weiß Poinsitt. „Ich möchte in einem stark frequentierten Wald kein Jäger sein“, gibt der Waldverbands-Geschäftsführer freimütig zu.

Zwettler wiederum verweist auf die vielfältige Nutzung des Waldes: Erholung, Sport und Wirtschaft gehören seiner Ansicht nach zu den Grundfunktionen. Aber auch dabei gelte: „Nur ein bewirtschafteter Wald ist ein gesunder Wald.“

Sowohl Zwettler als auch Poinsitt sprechen sich gegen eine verstärkte „Stilllegung“ von Wäldern aus. „Das Motto muss Integration statt Segregation, also statt einer Nicht-Nutzung des Waldes, sein“, ist Zwettler überzeugt. Unbewirtschaftete Waldgebiete gebe es bereits genug, etwa in den Nationalparks oder Naturreservaten. Poinsitt wiederum hält wenig davon, „90 Prozent der Wälder intensiv zu nutzen und zehn Prozent zum Reservat zu machen“. Denn der Wald werde „ohnehin nicht weniger, im Gegenteil“.

 

Rat und Hilfe rund um den Wald

Wer einen Kleinwald besitzt,verfügt nicht automatisch über das nötige Wissen oder auch die Zeit, um ihn sinnvoll zu bewirtschaften und gut zu pflegen. Hilfe ganz ohne „Pflanzerei“ gibt es aber: Eine umfassende Fachberatung erhalten Waldbesitzer bei der Landwirtschaftskammer Steiermark, Fachabteilung Forstwirtschaft. Telefonisch erreichbar ist die Fachabteilung unter 0316/80 50-12 69

Nicht nur Information, sondern auch tatkräftige Hilfe bei der Waldbewirtschaftung bietet der Waldverband Steiermark an. Telefon: 0316/83 35-30

Natürlich gibt es auch zahlreiche Firmen, die sich auf die Auftragsbewirtschaftung von Kleinwäldern spezialisiert haben. Infos erteilt die Wirtschaftskammer Steiermark, Telefon: 0316/601

 

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