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Wärmeres Klima wandelt den Wald

Der Klimawandel verändert den steirischen Wald. Bestimmte Baumarten werden weniger werden, andere sind dafür im Vormarsch. Klar ist, dass Wald künftig in größeren Höhen als bisher wachsen wird – eine Herausforderung für Almwirtschaft und Tourismus.

 

Text: Andreas Kolb, Fotos: Mia‘s Photoart, Shutterstock

 

Der Wald ist einerseits ein Betroffener des Klimawandels, andererseits ist er auch Teil der Lösung des Problems“, ist Stefan Zwettler, Leiter der Abteilung Forstwirtschaft der Steirischen Landwirtschaftskammer, überzeugt. Denn der Wald sei ein Kohlenstoffspeicher, er gewinne aus dem CO2 in der Luft und dem Sonnenlicht über die Photosynthese seine Energie. Deshalb, so Zwettler, sei es wünschenswert, den Einsatz von Holz vor allem als Baustoff zu verdoppeln. Derzeit würden in der Steiermark pro Kopf und Jahr 1,3 Festmeter Holz verwendet. „Wenn es uns gelingt, diesen Wert zu verdoppeln, schaffen wir praktisch einen zweiten Wald, in dem Kohlenstoff dauerhaft gespeichert ist.“ Die Kammer unterstütze daher wissenschaftliche Arbeiten, die untersuchen, wie man Holz besser verwerten und verarbeiten und gleichzeitig einen besseren Preis dafür erzielen kann.

Voraussetzung, um den Klimawandel in der Forstwirtschaft zu bewältigen, sei auf jeden Fall eine nachhaltige und gute Bewirtschaftung der Wälder. Dennoch stehe man vor einer Mammutaufgabe, so Zwettler: „Es geht einerseits um Prävention, andererseits um rechtzeitige Adaption. Anhand der standörtlichen Gegebenheiten müssen wir herausfinden, welche Baumarten wir in problematischen Gebieten pflanzen können.“ Entscheidend für ein gesundes Wachstum seien die richtigen Mengen an Licht, Wasser und Nährstoffen sowie die Temperatur.

„Wir sehen, dass die Hitzetage zunehmen. Das große Problem sind aber extreme Wetterereignisse. So sind zum Beispiel im August 2016 rund 1.600 Hektar Wald bei St. Veit bei Vogau durch Hagel schwer geschädigt worden, der Baumbestand an Kiefern ist praktisch vernichtet worden. Die Eiskörner haben die Äste verwundet, es sah aus, als hätte jemand mit dem Gewehr darauf geschossen. Der Wald muss dort komplett erneuert werden.“


Stefan Zwettler rechnet damit, dass die Anpassung der steirischen Wälder an den Klimawandel bis zu 150 Jahre dauern wird.

 

Stressfaktor Trockenheit

Einer der größten Stressfaktoren für den Wald sind lange Trockenperioden, erklärt der Forstwirt Kurt Ramskogler. „Höhere Temperaturen an sich sind noch nicht so tragisch. Aber wenn es zwei Monate lang nicht regnet, bekommt besonders die Fichte ein massives Problem.“ Schädlich sei auch die durch die Erwärmung verlängerte Vegetationszeit: „Im Frühjahr folgen auf den Austrieb noch Spät-fröste, die dann die jungen Triebe beschädigen. Im Herbst fehlen die Frühfröste, dadurch wird die Verholzungsphase immer kürzer“, schildert Ramskogler. Auch Bernd Poinsitt, Geschäftsführer des steirischen Waldverbandes, sieht vor allem in ausbleibenden Niederschlägen das Hauptproblem. „Wärmer heißt nicht unbedingt schlechter. Aber wenn ich zwei, drei Monate keinen Regen habe, habe ich ein Problem.“ 

Natürlich, so Zwettler, gibt es Baumarten, die Trockenperioden besser wegstecken als andere. „Stieleiche, Traubeneiche, Edelkastanie und Walnuss, aber auch die Weißtanne und die Douglas-Tanne und Kiefer sind einigermaßen resistent gegen Trockenheit. Die beiden Tannenarten reagieren sensibel auf Wildverbiss, die Douglasie verträgt keine dichten Böden. Trotzdem müssen wir uns bemühen, die trockenresistenten Baumarten verstärkt in unsere Wälder zu bekommen.“

„Wir müssen uns bemühen, die trocken­resistenten Baumarten verstärkt in unsere Wälder zu bekommen.“ 

Stefan Zwettler, Abteilungsleiter Forstwirtschaft LWK

 

Umstellung dauert 150 Jahre

Die Umstellung ist jedenfalls nichts, was sich im Handumdrehen erledigen lässt. Zwettler: „Das wird 80 bis 150 Jahre dauern. Was wir heute tun, wird erst unseren Urenkeln etwas nutzen.“ Poinsitt geht sogar davon aus, dass massive Veränderungen im Wald erst in 200 bis 300 Jahren sichtbar sein werden. „Dann wird es deutlich mehr Laubbäume geben als heute. Die Waldgrenze wird sich stark nach oben bewegen – eine Herausforderung für die Almbewirtschaftung und vor allem den Tourismus der Zukunft.“ Auch Zwettler ist sicher, dass die Waldgrenze steigen wird: „Die Buche drängt vehement nach oben. Insgesamt wird es durch die Klimaerwärmung viel mehr Mischwald geben als heute.“

Bereits jetzt sei es wichtig, den bestehenden Wald auszulichten, erklärt Zwettler. „Wir müssen für genug Licht für die Jungbäume sorgen, ein Baum ist im Grunde ja eine Art Photovoltaik-Anlage – nur dass das Licht nicht in elektrischen Strom, sondern in Zucker umgewandelt wird.“ Würden bei einer Aufforstung noch rund 2.800 Bäume pro Hektar gesetzt, verbleiben im „erwachsenen“ Wald dann nur mehr 300 Exemplare je Hektar. Die überzähligen Pflanzen sind aber keineswegs verloren, versichert Zwettler: „Sie werden periodisch als Sägeholz, Schleifholz oder für die Papiererzeugung verwendet oder auch energetisch verwertet.“

Risikofaktor Borkenkäfer

Von Bedeutung ist für Zwettler auch die Entfernung von Bäumen, die von Borkenkäfern befallen sind. Ein gewisses Maß Totholz sei zwar für die Biodiversität – also den Erhalt einer großen Artenvielfalt – wichtig, zuviel begünstige aber eine Massenvermehrung und die Ausbreitung der gefürchteten Schädlinge. „In Niederösterreich war der Borkenkäferbefall 2017 zum Beispiel extrem, weil eine lange Trockenperiode viele Fichten hat absterben lassen. Wir sind in der Steiermark jedenfalls sehr auf eine gute Waldhygiene bedacht.“ Zusätzlich gebe es auch einige Tricks, wie sogenannte Fangbäume: Diese sind mit Lockstoffen versehen, die den Borkenkäfer zur Eiablage anlocken. Wenn sich die Käfer im Larvenstadium befinden, werden die Fangbäume dann entrindet und die Käferlarven so unschädlich gemacht.

Ein Faktor, der die Umstellung des Waldes auf ein wärmeres Klima behindern kann, sind laut Zwettler zu hohe Wildbestände. Hier sei der Zustand der Vegetation ein guter Indikator, ob der Wildbestand passe oder nicht. „Als dienlicher Indikator bieten sich sogenannte Kontrollzäune an. Mit diesen wird ein kleiner Teil des Waldes wildsicher eingezäunt – der dient dann als eine Art Sensor, an dem man sieht, wie sich die Bäume ohne Wildeinfluss entwickeln.“ Eine generelle Einzäunung von Waldgebieten kommt für Zwettler nicht infrage: „Wir wollen schließlich keine Gefängnis-Forstwirtschaft.“

Erschwert wird eine natürliche Verjüngung des Waldes auch durch Neophyten, also eingeschleppte Pflanzenarten. Konkret ist es z. B. die Kermesbeere, die ein Aufkommen von Jungbäumen verhindert. Ursprünglich war die krautige, ein bis zwei Meter hoch werdende Kermesbeere in Mitteleuropa nicht heimisch. Bedeckt sie hierzulande erst einmal den Waldboden, kann sich nicht einmal die ansonsten äußerst durchsetzungskräftige Buche gegen den Neophyten behaupten.


Zuviel Totholz begünstigt die Ausbreitung von Schädlingen – Waldhygiene ist daher sehr wichtig.

 

Digitaler Waldatlas

Ein wichtiger Schritt in der Vorbereitung des Waldes auf den Klimawandel ist für Zwettler die Bestandserfassung. „Wir wollen eine digitalisierte Standortklassifikation. Dazu erfassen wir möglichst kleinräumig das Klima, den Boden, die Niederschläge. Mit diesen Daten können wir dann Szenarien modellieren, die zeigen, in welchen Gebieten der Steiermark es für den bestehenden Wald kritisch werden kann.“ In Deutschland sei eine solche Datensammlung bereits teilweise vorhanden, etwa in Baden-Württemberg, sagt Zwettler.

Idealerweise würde die Datensammlung bis auf Betriebs-ebene heruntergebrochen. „Wir bieten ein digitales Waldbauhandbuch, anhand dessen jeder Waldbesitzer erkennen kann, welche Maßnahmen im jeweiligen Waldgebiet optimal wären.“ In Problemgebieten könnten so rechtzeitig Baumarten ausgepflanzt werden, die mit den geänderten Umweltbedingungen besser zurechtkommen.

 

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