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Vom Bloch zum Almhaus

Der Weg vom frisch geschlagenen Baumstamm bis zum schmucken Almhaus: wie der Rohstoff traditionell verarbeitet und veredelt wird. Das Sägewerk Lecher in Teufenbach und Holzbau Hansmann in Oberwölz stehen mit ihrem Tun stellvertretend für die Holzregion Murau, den waldreichsten Bezirk des Bundeslandes. 

 

 

Text: Elke Jauk-Offner, Fotos: Marija Kanizaj

 

Hoch droben im Lachtal wurden sie in die reizvolle Landschaft gesetzt: 22 Almhäuser, die ein Hüttendorf direkt an der Schipiste bilden. Heuer werden weitere zehn Chalets von Holzbaumeister Reinhard Hansmann errichtet, die man als Ferienhaus erwerben kann. Ein Projekt, das ihn sehr stolz macht. Das Holz stammt aus der Region, die Häuser werden in seinem Betrieb in Oberwölz gefertigt. 

Hier im Bezirk Murau prägt der Wald das Land. „Rund 61 Prozent der Gesamtfläche sind von Wald bedeckt, das macht in Summe gut 84.000 Hektar“, sagt Harald Kraxner, Geschäftsführer der Holzwelt Murau, der die Regionalentwicklung im Fokus hat. Es sind vor allem Fichten und Lärchen, die ihre Äste landauf, landab ausbreiten, in höheren Lagen trifft man auf die Zirbe. Der Wald reicht bis in eine Seehöhe von 2.000 Metern. Da verwundert es kaum, dass Holz ein Schwerpunkt in der Region ist. Jeder Achte der arbeitenden Bevölkerung ist in diesem Bereich beruflich tätig. 

Die Bäume, die vor der Haustüre wachsen, werden auch im Sägewerk Lercher in Teufenbach verarbeitet. Hier stapelt sich Bloch über Bloch, die Gattersäge tut unaufhörlich und lautstark ihren Dienst, um das Rundholz für die Weiterverarbeitung aufzuschneiden. Die Mechanisierung hat Entlastung gebracht, die nach wie vor körperlich fordernde Arbeit im Freien bei jeder Witterung ist dennoch nicht jedermanns Sache. Die paar Minusgrade an diesem Tag können dem Team um Elisabeth Lercher allerdings wenig anhaben, sind sie doch nur ein dezenter Gruß des oft klirrend kalten Murauer Winters. „Krankenstände wegen Erkältungen kommen bei uns nicht vor, da sind wir abgehärtet“, schmunzelt sie. 


Die Bloche werden nach Qualitäten und Durchmessern sortiert und entsprechend den Aufträgen zugeschnitten.

 

Herausforderung

Der Betrieb besteht seit rund 100 Jahren, seit den 1960er-Jahren befindet er sich in Familienbesitz. Gab es damals noch an die 60 Sägewerke, so ist das Unternehmen mittlerweile das einzige in der Umgebung, „in den vergangenen Jahren haben die letzten Betriebe aus wirtschaftlichen Gründen aufgehört“, berichtet die Geschäftsführerin, die nach dem Wirtschaftsstudium wider andere Pläne ihrem Vater doch in die Branche folgte, weil sie die Selbstständigkeit reizte und ihr die Erhaltung des Familienunternehmens wichtig war. 

Die Konzentration auf Großsägewerke stimmt sie nachdenklich, „wir sind ja gewissermaßen auch ein Versorgungsunternehmen. Landwirte kaufen Säge-späne als Stallstreu ein, Dachdeckerbetriebe und Zimmereien beziehen kurzfris-tig Material, Gemeinden melden Bedarf an, etwa für einen Brückenpfeiler. Zuletzt hat ein Sturm das Gipfelkreuz auf der Frauenalpe geknickt, auch da konnten wir schnell aushelfen.“ 

Wenn Lercher über das Gelände geht, um Bloche mit Farbspray nach Qualitäten und Durchmessern zu kennzeichnen, sieht sie das Holz rein als Produktionsrohstoff. Es stammt zum Großteil von Bauern und Waldverbänden aus der Umgebung, das von Rundholzfrächtern angeliefert wird. Was folgt, ist die Sortierung nach Größenordnungen und Zustand, bevor die Verarbeitung zu Bauholz, Tischlerware, Holz für die Verpackungsindustrie und die Plattenproduktion erfolgt. Die nach Kundenwunsch erstellten Bretter werden dann frisch geliefert – kammergetrocknet beziehungsweise hitzebehandelt oder – für Qualitätsware – luftgetrocknet. Exportiert wird vor allem nach Deutschland, Italien und Frankreich.

Abfall? „Den gibt es in einem Sägewerk praktisch nicht, nur Nebenprodukte.“ Hinter der offenen Produktionshalle türmen sich Berge an Sägespänen und Hackgut – zur enden wollenden Begeisterung der Mutter waren sie für Elisabeth Lercher und ihre drei Schwestern ein äußerst beliebter Spielplatz in der Kindheit. Sie werden ohne Unterlass nachbestückt und finden viele Abnehmer: Heizwerke, Plattenproduzenten, bäuerliche Betriebe. 

23.000 Festmeter Holz und mehr werden pro Jahr vor Ort geschnitten, der Jahresumsatz beträgt drei Millionen Euro, 15 Mitarbeiter sind im Betrieb beschäftigt. Auch wenn der Region ihrer Ansicht nach eine gute Portion mehr Aufmerksamkeit und Selbstbewusstsein gut täte, sieht Elisabeth Lercher von Teufenbach aus optimistisch in die Zukunft. 

Der Winter ist für sie die Haupteinkaufszeit, da wird das meiste Holz geschlägert. Damit man sich die Menge, die man über das Jahr braucht, sichert, gilt es gut zu planen. Extremwetterereignisse, geplante Schlägerungsmengen, die nicht eingehalten werden können, und eine angespannte Preissituation können da schnell einen Strich durch die Rechnung machen. Der Rohstoff stammt eigentlich traditionell immer aus der Region und nicht einmal aus Nachbarbezirken, weil nicht zuletzt die Transportkosten relativ hoch sind. Dennoch hat Lercher auch bereits Einkäufe in Slowenien getätigt. Verfügbarkeit ist ein wesentliches Thema. 

Birgt die tägliche Auseinandersetzung mit Holz auch eine emotionale Komponente? Lercher winkt ab. „Es ist einfach das Material, mit dem ich arbeite.“ Obwohl: Die gewachsene Passion scheint dennoch tiefer verwurzelt, offenkundiges Indiz ist die Holzbrille made in Styria, die sie trägt. 


Elisabeth Lercher führt den Familienbetrieb in dritter Generation.

„Wir sind als Sägewerk auch ein Versorgungsunternehmen für die Menschen hier.“ 

Elisabeth Lercher, Sägewerk Lercher

 

Hand fürs Holz

Holz war für Reinhard Hansmann von Kindesbeinen an Spielwiese für Kreativität. „Als junger Bub habe ich schon Baumhäuser gebaut, das Interesse war immer da“, erzählt er am Standort seines Holzbauunternehmens in Oberwölz. Dass die Adresse hier, in der kleinsten Stadt der Steiermark, ausgerechnet „Vorstadt“ lautet, mutet recht selbstbewusst an. Das passt aber wiederum stimmig zu Hansmanns Ambitionen. 

Die Hand fürs Holz ließ ihn den Berufsweg zum Zimmerer einschlagen, die HTL für Bauhandwerker sollte das Wissen vertiefen, die Ausbildung zum landwirtschaftlichen Facharbeiter wappnete ihn für die Übernahme des elterlichen Bauernhofes in Pöllau am Greim. Seit 2005, nach dem frühen Tod des Vaters, führt er ihn im Nebenerwerb. Dort liegt auch die Wiege seines jüngsten Projekts, über das er lieber noch den Mantel des Schweigens hüllt, „es laufen derzeit Patentrecherchen und Prüfungen auf der Technischen Universität in Graz“. Energieeffizienz und ein zu Ende gedachter Produktkreislauf sind wesentliche Faktoren. 

Die maschinelle Ausstattung machte der Technologie-Affine sich von Anfang an zunutze, um alte Handwerkstechniken mit modernen Mitteln umzusetzen. Ein Schaustück steht in der Fertigungshalle des Meis-terwelten-Betriebs: Die Klingschrot-Verbindung. Während die Abbundmaschine nebenan Holzstück um Holzstück zuschneidet, erzählt Hansmann, was es damit auf sich hat. Früher wurden die formschönen Holz-Verbindungen an den Ecken der Almhütten eingesetzt. Weil die Handarbeit zu aufwendig und teuer wurde, kam das immer seltener vor. Mit der maschinellen Unterstützung hat er die Klingschrot-Verbindung CNC-gefertigt neu zum Leben erweckt, weil sie so kostengünstiger hergestellt werden kann. „Die Verbindung kommt aus dem Blockbau. Durch den Druck zieht sich alles optimal über die Ecken zusammen und der optische Effekt punktet.“ Ähnliches gilt für Zapfen- und Schwalbenschwanz-verbindungen.

Der Bau von Almhütten macht Hansmann besondere Freude. Zum Arbeitsfeld gehören auch Fertighäuser in verschiedenen Ausbaustufen, Dach- und Wandkonstruktionen, Stallungen, Stiegen, Garagen. Umgesetzt wurden schon Hollywoodschaukeln und Kapellen, aus seiner Hand stammten auch die Start- und Ziel-Gates für die Snowboard-WM am Kreischberg.

So ein Almhaus, wie es hoch droben im Lachtal steht, wurde im hinteren Teil der Fertigungshalle für die Finalisierung am Berg vorbereitet. Auf einer kompakten Arbeitsfläche entstehen Wandelemente mit einer maximalen Länge von 12,5 und einer Höhe von 3,3 Metern. Sie werden von Hand zusammengesetzt – Riegel mit Kopf- und Fußschwelle, Säulen, Beplankungen, Dämmmaterial, Holzschalung. Pro Tag können so vier bis fünf Wände als Rohbauelement produziert werden.


Holzbaumeister aus Leidenschaft: Reinhard Hansmann //  Die Klingschrot-Verbindung hat er mit maschineller Unterstützung und damit verbundener Kostenersparnis neu belebt. Die Messung gibt Aufschluss darüber, ob die Holzfeuchte optimal ist.

  

Größerer Plan

Dass Hansmann seine eigene Zimmerei hat, war ursprünglich gar nicht so geplant. Am Anfang stand die Idee der Gründung eines Abbundzentrums zum wirtschaftlichen Zuschneiden von Bauholz, sie verdichtete sich nach dem Konkurs seines Lehrbetriebs zu einem größeren Plan: Hansmann kaufte selbigen auf, die Meisterprüfung hatte er da bereits in der Tasche.

Seine Heimat ist Hansmann in jeder Hinsicht wichtig, „ich denke regional und es ist mir wichtig, dass die Wertschöpfung in der Region bleibt“. 

Belebung

4.500 Festmeter Holz verarbeitet er im Jahr. Sein Team ist von 12 auf 21 itarbeiter angewachsen. Das Abbundzentrum für den Zuschnitt von Dachkonstruk-tionen und Co. ist unter seinen Mitbewerbern auf weniger Resonanz als gedacht gestoßen. „Es gibt zwar viele Zimmereien im Bezirk, diese wollen ihre Leute aber selbst auslasten und entscheiden sich daher oft für den Handabbund im eigenen Haus. Darüber hinaus spielt auch der Gedanke, dass man ja gewissermaßen zu mir als Konkurrenz gehen würde, doch eine größere Rolle.“ Allerdings will Hansmann auch hier zur Belebung in Kürze an ein paar Schrauben drehen. Allem voran geht es ihm aber um den innovativen Umgang mit dem natürlichen Rohstoff Holz. 


Im Abbundzentrum erfolgt das wirtschaftliche Zuschneiden von Bauholz. Die Maschine kann in allen Holzbausparten eingesetzt werden. Der Feinschliff erfolgt mit der Hand.

 

Schwerpunkt Thema

Ab jetzt steht der "BUSINESS Monat" nun jedes Mal unter einem umfassenden Schwerpunkt-Thema. Im Jänner: "Holz".

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