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Kein Feigenblatt

Immer mehr Bürgermeister bekennen sich zu Holz. Nicht nur, weil sie die Qualität des Werkstoffes schätzen, sondern weil der Wald in ihren Regionen Lebensader, Wirtschaftsgrundlage und Arbeitgeber ist. Vier Gespräche mit Entscheidungsträgern über Visionen, Pläne und finanzielle Machbarkeit. 

 

 

Text: Daniela Müller, Fotos: Marija Kanizaj

 

Herr Bürgermeister, Holzbau in Graz: Feigenblatt oder Hoffnungsträger? 

Nagl: Natürlich gelebte Hoffnung (lacht). In nahezu jedem stadteigenen Neubauobjekt wird derzeit Holz verstärkt eingesetzt. Der Raum, der uns umgibt, verändert uns und die Menschen in unserem Umfeld. Holz beeinflusst uns positiv! Die hohen Qualitätsanforderungen der Gebäudenutzer haben uns vor einigen Jahren den Rohstoff Holz wiederentdecken lassen. 

Was zeichnet Graz in puncto Holzbau im öffentlichen Bereich aus? Welches sind für Sie die Prestigebauten der Stadt und warum?

Holz wirkt eben positiv auf uns. Die Kinderkrippen, Kindergärten und Schulen, die in den letzten Jahren als Holzbauten von uns errichtet worden sind, zeigen bereits, dass die Kinder ruhiger und konzentrierter sind, sie fühlen sich merklich wohler. Aber auch bei der Versorgung unserer älteren Bürgerinnen und Bürger in stadteigenen Seniorenheimen sehen wir die positiven Auswirkungen des Materials Holz.

Was sind mittel- und langfristige Ziele und Schwerpunkte in Sachen Holzbau in Graz?

Die Vorteile des Rohstoffs Holz für den Gebäudebau liegen auf der Hand, neben der positiven CO2-Bilanz verbleibt ein Großteil der wirtschaftlichen Wertschöpfung in der Region, es ist eine „Win-win“ Situation. Als Stadt gehen wir mit positivem Beispiel voran und die ersten Wohnbauträger folgen uns bereits. Es ist aber noch einiges an Luft nach oben!

Wo liegen die Grenzen des Werkstoffes Holz, wo könnte noch weitergedacht bzw. geplant werden?

In Österreich wächst jedes Jahr mehr Holz nach, als von den Forstwirten geerntet wird, somit ist die Grenze nicht der nachwachsende Rohstoff selbst. Auch in Graz bestehen 25 % der Gesamtfläche (127 km²) aus Wald und jährlich wachsen 22.000 Festmeter nach. Durch die enge Kooperation mit der Grazer Uni und der neu geschaffenen Professur für Holzbau kann ich, glaube ich, heute schon behaupten, dass dem Bauen mit Holz keine Grenzen gesetzt sind.

Gibt es von Seiten der Stadt Graz Projekte, die mit der neuen Stiftungsprofessur Kaden umgesetzt werden sollen?

In den zwei neuen Stadtteilen in Reininghaus und Smart City planen wir die Schulgebäude der Zukunft. Natürlich werden die Gebäude in Holz ausgeführt. Hier werden wir die neu geschaffene Holzprofessur neben anderen Holzbauexperten einbinden.

 Siegfried Nagl möchte in Graz das Bauen mit Holz forcieren. Im neuen Stadtteil Reininghaus sieht er dafür Platz und Gelegenheiten. In Planung sind zwei Schulen aus Holz, eine davon in der Smart City. 

  


Die Wohnbaugruppe Ennstal ist Vorreiterin in Sachen Holzbau. Für ihr Studentenheim in Leoben bekam sie zuletzt den Holzbaupreis, in Graz errichtete das Unternehmen unter anderem einen sechsgeschoßigen Holzbau. Vorstandsdirektor Wolfram Sacherer über Holz als optimalen Baustoff und ein großes Aber. 

Herr Sacherer, Holz im öffentlichen Wohnbau – Feigenblatt oder Hoffnungsträger?

Sacherer: Hoffnungsträger! Über den Werkstoff Holz brauchen wir in puncto Nachhaltigkeit und CO2-Einsparung nicht reden. Die Frage lautet: Wie können wir ihn uns leis-ten? Immerhin ist Holz teurer als der normale Massivbau. Beim Bauen mit Holz lässt sich zwar bei guter Planung der Grad der Vorfertigung erhöhen und somit Zeit und Geld sparen, doch die Zahl an Firmen, die mehrgeschoßigen Holzbau anbieten, lässt sich in der Steiermark auf zwei Händen abzählen. 

Kann man es sich als Wohnbau-genossenschaft leisten, eine Gebäudebilanz über den gesamten Lebenszyklus durchzukalkulieren, wo vermutlich der Holzbau besser abschneiden würde als der Massivbau? 

Durch das Förderungssystem gibt es Höchstgrenzen bei den Gesamtbaukos-ten. Auf dieser Basis müssen wir aufgrund der Gesetzesvorgaben die Mieten kalkulieren, und das kostendeckend. Nicht einkalkuliert sind dabei Sanierungen nach erfolgter Ausfinanzierung. Ich glaube auch, dass ein Holzhaus eine sehr gute Gebäudebilanz hat und auf Dauer einfacher zu bewirtschaften ist als viele andere Systeme im Massivbau. Für uns ist aber entscheidend, wie wir günstigen Wohnraum schaffen können und den mit der Förderung in Einklang bringen. 

Was müsste sich ändern? 

Ändern müsste sich das Fördersystem. Eine Finanzierung läuft zwischen 25 und 30 Jahre, danach sind meist Sanierungen notwendig. Ein weiterer Punkt ist, dass das Baugesetz nun geändert wurde, sodass auch mehrgeschoßige Holzbauten errichtet werden können. Auch den hohen Anforderungen des Brandschutzes wurde mit neuen Verordnungen Rechnung getragen. Problematisch sind im Holzbau nach wie vor die Schallschutzbestimmungen. Bei der Kostenplanung darf auf die steigenden Grundstückspreise nicht vergessen werden. Normaler leistbarer Wohnbau in Eigentum oder als Mietkauf wird so in der Stadt immer schwieriger. Hier gilt es, zu verdichten, wo es geht. 

Was ist machbar in Holz, was weniger?

Die Frage ist immer, wie man Holz einsetzen kann und ob das gesamte Objekt in Holz errichtet werden muss. Besonderes Augenmerk ist hier auf die Nassbereiche einer Wohnung zu richten. Das Bewohnen einer Wohnung aus Holz ist auch an gewisse Regeln gebunden, die eingehalten werden müssen. Entscheidend ist hier das richtige Nutzerverhalten, um Schäden hintanzuhalten. 

Wo sehen Sie Grenzen?

Nachdem schon 16-geschoßige Gebäude aus Holz geplant wurden, denke ich nicht, dass es irgendwelche Grenzen gibt. Holz ist auch im Bereich der Sanierung gut verwendbar. Wir haben im Rahmen eines Forschungsprojektes ein Haus aus den 1960er-Jahren mit zum Teil noch alten Kohleöfen mit Holzelemente saniert, in die wir die neue Haustechnik installiert haben, und es so zu einem Energie-Plus-Haus gemacht. Auch hier sehen wir bei gewissen Verbesserungsmaßnahmen entsprechende Potenziale bei der Sanierung von Altbeständen. 

Braucht es mehr Erfahrungswerte? 

Die haben wir. Es geht vielmehr um die Frage, wie man den Holzbau günstiger machen kann – also standardisieren, die Planung darauf abstimmen, dass ein hoher Vorfertigungsgrad erreicht werden kann. In unserem sechsgeschoßigen Holzbauprojekt „Hummelkaserne“ (Graz, Maria-Pachleitner-Straße) war es durch den hohen Vorfertigungsgrad möglich, in nur vier Tagen ein Geschoß zu errichten. 

Wolfram Sacherer ist Vorstand der Wohnbaugruppe Ennstal, der Vorreiterin im Holzbau. Das Unternehmen errichtet am Reininghausgelände in Graz aktuell 211 Wohnungen in Holzbauweise.


   


 

Wenn öffentliche Gebäude aus Holz gebaut werden, steckt in der Regel ein ambitionierter Bürgermeister dahinter. Frohnleiten hat mit Johannes Wagner so jemanden. Der Stadtchef sieht sich aus naheliegenden Gründen dem Baustoff verbunden: Immerhin ist Frohnleiten zu 80 Prozent bewaldet, die Gemeinde hat mit Zimmereibetrieben wie Zarnhofer oder Ortis starke Branchenplayer und nicht zuletzt hat der große Arbeitgeber der Region, die Kartonfabrik Mayr-Melnhof, seinen Sitz in der Stadt an der Mur. 
Zuletzt ließ die Gemeinde um 980.000 Euro den Kindergarten am Murweg mit Holz vergrößern, demnächst beginnt der Bau für rund 50 Wohneinheiten, die die Enns-taler Wohnbaugruppe in Holzmischbauweise errichten wird. 2019 wird vermutlich ein Supermarkt aus Holz seine Pforten öffnen und der neue Bahnhofsvorplatz wird eine Holz-Stahl-Glas-Konstruktion bekommen. 

Eltern sind Multiplikatoren

Wagner würde gern mehr Holz in seiner Stadt sehen, auch im privaten Hausbau: „Als Gemeinde können wir lediglich einen Anreiz schaffen, was Holz leisten kann. Das positive Wohnklima im Kindergarten nehmen auch die Eltern war, die letztlich die Multiplikatoren sind und vielleicht selbst auch mit Holz bauen wollen“, betont Wagner. Recht viel teurer als ein Massivbau sei der Holzzubau beim Kindergarten übrigens nicht gewesen. Ein weiterer Vorteil: Fast 90 Prozent der beteiligten Firmen waren aus Frohnleiten. „Es wäre widersinnig, wenn wir diese Nachhaltigkeit, auch was die Wirtschaft betrifft, nicht forcierten.“ 

Bürgermeister Wagner sieht in seinem Ort noch viele Einsatzmöglichkeiten für Holz. Grün zu denken ist für Frohnleiten als Teil der Klima- und Energiemodellregion GU Nord auch Programm. In der Gemeinde wird etwa die Abwärme der MM Karton genutzt und ins Fernwärmenetz der Siedlung angeschlossen. 

Planung ist massgeblich

Beim Kindergartenzubau jedenfalls zeigten sich die Vorteile des Baustoffes auch bei der Bauzeit. Im März starteten die Umbauarbeiten, im September war alles erledigt. Man müsse jedenfalls mehr in die Planung investieren, denn nachträglich lasse die Holzbauweise nur wenige Veränderungen zu, betont Wagner. Was der Bürgermeister während der Bauphase wohlwollend feststellte, war die positive Haltung der beteiligten Firmen und eine sehr hohe Bereitschaft, auch außerhalb der regulären Arbeitszeiten mitzuwirken. 

Letztlich ist die eigene Arbeit auch ein Aushängeschild. Und wenn man wie der bauausführende Unternehmer Zarnhofer sein Enkerl selbst in den Kindergarten bringt, möchte man mit Sicherheit eines: keine Beschwerden hören. 

Für Johannes Wagner, Bürgermeister in Frohnleiten, ist Holz mehr als ein Werkstoff, der in Fülle in der Region erhältlich ist. Es ist auch ein Wirtschaftsfaktor, der unterstützt gehörte.

 


 

Sechs dreigeschoßige Bauten aus Holz geben in der Johann-Strauß-Gasse in Judenburg rund 100 Parteien Wohnraum. Die Wohnungen zwischen 52 und 90 Quadratmeter verfügen über eine Terrasse oder einen Balkon sowie teilweise eigene Gartenanteile und sind barrierefrei zu erreichen. Die Siedlungsgenossenschaft Ennstal, als Vorreiterin im energieeffizienten Wohnbau, setzte bei diesem Projekt auf die nachhaltige Nutzung des Baustoffes Holz sowie auf eine ökologische Heizung und Warmwasseraufbereitung mittels Fernwärme. Die Pläne stammen von den Architekturbüros Freiraum, Polier- und Detailplanung SG „ennstal“, als Generalunternehmer fungierte der Weizer Holzbauprofi Strobl. „Die Ennstaler suchten damals einen Standort für ein Referenzprojekt und fanden es bei uns in Judenburg. Wir sind für so etwas immer offen“, sagt Bürgermeister Hannes Dolleschall, der schon in den 1990ern über die Wohnbaugenossenschaft WAG ein Holzhaus bauen ließ und noch heute davon überzeugt ist. Gern hätte er mehr Holzbauprojekte in seiner Stadt, „immerhin ist der Werkstoff Holz in unserer Region beheimatet“. 

Problem Abwanderung

Doch Dolleschall hat eine andere Herausforderung zu stemmen, die Abwanderung. Weil die meisten Menschen am liebsten in Einfamilienhäusern leben wollten, die Grundstücke in angrenzenden Gemeinden aber billiger seien als in Judenburg, würden viele Menschen wegziehen aus der Stadt. Den Ausweg sieht der Bürgermeister darin, diesen Bürgern entgegenzukommen und Grundstücke billiger anzubieten. Um welche Summen es dabei geht, muss erst durchkalkuliert werden. Bei besagtem Areal geht es um ein Waldgrundstück, das einem Sturm zum Opfer gefallen ist und sozusagen von Mutter Natur gerodet wurde. Womit dort gebaut wird, ist dem Stadtherrn aber nicht egal. Die Stadt selbst wird als Sprecherin für den Holzbau eintreten. „Wir werden den Bauherren natürlich vorschlagen, ob für sie auch der Baustoff Holz infrage käme“, sagt Dolleschall. Wobei er bei seinen Bürgern ohnehin eine hohe Bereitschaft erkennt, Fertigteilhäuser in Holzbauweise zu errichten. 

Offen für Trends

Kommunale Holzbauten im historischen Stadtkern von Judenburg wird es künftig eher nicht geben. Doch sollte das alte Veranstaltungszentrum einmal ausgedient haben, sähe Dolleschall den Ersatz sehr wohl in Holz- und Stahlbauweise – passend zur Region – auf der Grünen Wiese. „In Sachen Holztrends halte ich stets meine Augen offen“, schmunzelt der Bürger-meister. 

Hannes Dolleschall, Bürgermeister in Judenburg, ist bei Wohnbaugruppen bekannt für seine Aufgeschlossenheit, was Holz betrifft. Seine Bürger will er auch im privaten Wohnbau von Holz überzeugen.

 

 

 

Schwerpunkt Thema

Ab jetzt steht der "BUSINESS Monat" nun jedes Mal unter einem umfassenden Schwerpunkt-Thema. Im Jänner: "Holz".

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