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Hightech bis zur Faser

Der steirische Wald ist die Existenzgrundlage für viele Betriebe. Potenzial für eine intensivere Nutzung ist da, betont proHolz-Steiermark-Obmann Franz Titschenbacher. Er will das Bewusstsein für eine aktive, nachhaltige Waldbewirtschaftung noch schärfen.

 

Text: Elke Jauk-Offner, Foto: Thomas Luef

 

Die Erfolgsgeschichte der steirischen Erfindung Brettsperrholz mit seiner außergewöhnlichen Statik bei geringem Gewicht, Holzfasern und Zellulose als Basis für Textilien, Kunststoffe und sogar Glas: Holz dringt als High-tech-Werkstoff in immer neue Bereiche vor und die Steirer mischen hier kräftig mit, wie Landwirtschaftskammer-Präsident und proHolz-Steiermark-Obmann Franz Titschenbacher berichten kann. Im Kompetenzzentrum WoodC.A.R werden derzeit die Möglichkeiten von Holz als Strukturkomponente in der Fahrzeugindustrie ausgelotet, Materialverhalten und Produktionstechnologien erforscht. Verstärk-tes Interesse zeigt auch die Pharmaindustrie. Cellulose kann als Verdickungs-, Trenn- oder Überzugsmittel verwendet werden. 

Starkes Wachstum

Da trifft es sich gut, dass die Steiermark mit einer Waldfläche von mehr als einer Million Hektar im Bundesland-Ranking führt. 61,4 Prozent der Landesfläche sind bewaldet. Und: Der Rohstoff wächst und wächst. In der Steiermark kommt alle vier Sekunden ein Kubikmeter Holz dazu. Jährlich macht das eine Fläche von 5.500 Fußballfeldern aus, in Summe rund 8,2 Millionen Kubikmeter. Aktive Waldbewirtschaftung heißt das Zauberwort, um die Ressource entsprechend zu nutzen. Sie muss, so steht es im Forstgesetz geschrieben, nachhaltig sein. „Jährlich wächst wesentlich mehr Holz nach, als dem Wald entnommen wird“, betont Titschenbacher.

Die heimischen Waldbesitzer ernten pro Jahr rund fünf Millionen Festmeter an Sägerund-, Industrie- und Energieholz. „Hier ist durchaus Potenzial nach oben gegeben“, sagt Titschenbacher, „das mittelfristige Ziel liegt bei Einschlagsmengen von 6,5 Millionen Kubikmetern.“ Dafür müssen aber nicht nur die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen stimmen, damit das Holz auf dem Markt entsprechende Abnehmer findet, es gilt auch, Bewusstseinsbildung zu betreiben. Mehr als die Hälfte des heimischen Waldes gehört Familienbetrieben und Kleinwaldbesitzern. „Ein Strukturwandel ist spürbar, die Anzahl der hoffernen Waldbesitzer nimmt zu. Als Erben sind sie oftmals beruflich in anderen Bereichen und auch nicht vor Ort tätig, da ist das Bewusstsein für eine aktive Waldbewirtschaftung nicht immer gegeben. Mit unserer Beratungstätigkeit forcieren wir das.“

Bioökonomie

Den Wald sich selbst zu überlassen, findet Titschenbacher nicht zielführend, von einer Außernutzungsstellung für spezielle Flächen hält er wenig. „Die CO2-Bindung durch den Wald ist enorm wichtig. Die Verarbeitung von Holz zu Bau- und Werkstoff entzieht der Atmosphäre dauerhaft Treibgas.“ Das Konzept der Bioökonomie beschreibt den Wandel hin zu einer Wirtschaft, in der fossile Ressourcen durch nachwachsende Rohstoffe ersetzt werden. „Die Verwendung von Holz hat dabei einen zentralen Stellenwert.“

Zu den Herausforderungen der Zukunft zählen aber auch Extremwetterereignisse mit Stürmen, hohen Niederschlagsmengen, aber auch großer Trockenheit und Borkenkäferbefall. „In den letzten beiden Jahren war vor allem der Norden Österreichs, punktuell die Steiermark betroffen. Die Auswirkungen haben wir auch insofern gespürt, als der Preis durch viel Schadholz unter Druck geraten ist“, sagt Titschenbacher.

Generationenaufgabe

Um sich für die Zukunft zu wappnen, werden trockenheitsresistente Arten wie Tanne, Lärche und Fichte auf Basis der Klimaanpassungsstrategie gefördert. „Dabei darf man nicht vergessen: Im Ackerbau sind es einjährige Kulturen, in der Forstwirtschaft geht es um 80 bis 100 Jahre. Der Wald ist eine generationenübergreifende Aufgabe.“ Seine Multifunktionalität, die Schutz und Wohlfahrt beinhaltet, gelte es zu wahren, „das Bewusstsein für die aktive Waldbewirtschaftung muss dennoch geschärft werden, damit eine Wertschöpfung für bäuerliche, gewerbliche und industrielle Betriebe gewährleistet bleibt und Jobs gesichert werden können“. 55.000 Menschen gibt die Holz- und Forstwirtschaft in der Steiermark Arbeit. In schulischen Schwerpunkten werden kommende Generationen an das Thema herangeführt. Auch für die bauliche Nutzung müssen, so Titschenbacher, rechtliche Rahmenbedingungen und Wohnbauförderungen kontinuierlich weiterentwickelt werden, „die Steiermark hat da durchaus eine Vorreiterrolle“.

Schwerpunkt Thema

Ab jetzt steht der "BUSINESS Monat" nun jedes Mal unter einem umfassenden Schwerpunkt-Thema. Im Jänner: "Holz".

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