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Knapp AG, Der Innovationsmotor

Von einem kleinen Spezialmaschinenhersteller zum weltweit tätigen Logistikanbieter mit 3.700 Mitarbeitern und 700 Millionen Euro Umsatz: Die Geschichte der Knapp AG ist eine Geschichte der Innovationen, die die Logistikbranche revolutioniert und entscheidend geprägt haben. Trotz des globalen Erfolges ist man dem Standort Steiermark treu geblieben und will es auch weiterhin sein.

 

 

Text: Andreas Kolb, Fotos: Thomas Luef

Begonnen hat alles im Jahr 1952. -Damals gab Ing. Günter Knapp – ein begnadeter Erfinder und Tüftler – seine leitende Position bei einem Energieunternehmen auf und machte sich selbstständig. Mit einem einzigen Mitarbeiter tüftelte er in seiner Garage an der technischen Lösung für Aufgabenstellungen, die an ihn herangetragen wurden. Knapps erstes Patent betraf verbesserte Ölbrennerdüsen, aber auch elektrisch beheizte Fußmatten für die Standler am Grazer Hauptplatz oder eine Krapfenbefüllmaschine, mit der die Marmelade in das süße Gebäck gespritzt werden konnte, waren unter seinen Erfindungen.
„Die ersten Jahre wurde versucht, mit den damals vorhandenen technischen Möglichkeiten Dinge zu vereinfachen und zu verbessern“, erzählt Knapp-CFO Chris-tian Grabner, „entwickelt wurde auf Anforderung.“ Der Umschwung, der Knapp vom eher kleinen Hersteller von Spezialmaschinen zu einem der weltweit führenden Logistikkomplettanbieter machen sollte, kam Anfang der 1980er-Jahre. „Schon in den 1970er-Jahren hat sich Günter Knapp als einer der ersten überhaupt mit der elektronischen Steuerung von Maschinen beschäftigt. Er entwickelte einen Kommissionierautomaten, der aber nicht vermarktet werden konnte. Die Zeit war noch nicht reif dafür. Jahre später kamen mit dem Boom der Pharmabranche die Anfragen und Günter Knapp holte seine Pläne aus der Schublade, die nun Anklang fanden“, erzählt Grabner.

Software ergänzt das Leistungsangebot

„In den frühen 1980ern beschließt Günter Knapp, neben Mechanik, Elektrik und Hardware auch Software zu liefern und zu integrieren“, erzählt Grabner. Eine Entscheidung, die zum schnellen Ausbau der Kompetenzen in der Systemsteuerung führte und die gewaltige Expansion der Knapp AG überhaupt erst möglich machte.
Bis heute zählt der Pharmabereich zu den wichtigsten Branchen. Natürlich veränderte sich trotzdem viel. Grabner: „Die Automatisierung wurde breiter. War früher Logistik vor allem ein Thema für den Großhandel gewesen, erfasste sie nun auch Produzenten, Apotheken oder Krankenhäuser.“ Unser in Apotheken eingesetzter Apostore ist ein klassisches Beispiel für diese Erweiterungen: Das Logistiksystem stellt im Hintergrund die Medikamente zusammen, die der Kunde benötigt, und liefert diese direkt zum Apothekermitarbeiter. „Der Mitarbeiter kann, anstatt die Arzneien zu holen, die Zeit besser für Beratungsgespräche nützen“, erläutert Grabner.

Neue Geschäftsfelder

In den vergangenen zehn Jahren hat die Knapp AG sukzessive neue Geschäftsfelder erschlossen und ist damit sehr rasch expandiert. „Wir haben in diesem Zeitraum unseren Umsatz mehr als vervierfacht“, freut sich Grabner. Im laufenden -Geschäftsjahr wird die Gruppe rund 700 Millionen Euro umsetzen – mit rund 3.700 Mitarbeitern an weltweit 35 Standorten. Aus dem Bereich Pharma – heute Healthcare – kommen dabei rund 200 Millionen Euro, -Fashion steuert ebenso viel bei, jeweils rund 100 Millionen Euro Umsatz werden in den Bereichen General Retail und Food Retail sowie dem jüngsten Kind der Knapp-Gruppe, der Industrielogistik, erwirtschaftet.
Knapp hat im Laufe der Zeit eine -ganze Reihe technologischer Meilen-steine -gesetzt, die die Logistikbranche entscheidend geprägt haben. Das schnelle OSR Shuttlesystem zum Beispiel hat die ganze Branche revolutioniert. „Der Mitarbeiter geht nicht mehr zur Ware, die Ware kommt zu ihm, und das genau in der optimalen Sequenz für die Weiterbearbeitung“, umreißt Grabner diesen Technologiesprung. „Es war anfangs – wie so oft bei Innovationen – gar nicht so einfach, den Markt davon zu überzeugen. Der Kunde will ja ein sicher funktionierendes Logistiksystem und sich nicht auf Experimente einlassen. Es dauert, bis der Mehrwert von Neuerungen vom Markt erkannt wird.“


Die automatischen Lagersysteme von Knapp haben die Logistikbranche revolutioniert und geprägt.


Mit Innovation zum Erfolg

Innovation ist dennoch oder gerade deswegen ein entscheidender Punkt, der zum Erfolg von Knapp beiträgt. Am Standort der Knapp-Zentrale in Hart bei Graz findet konsequenterweise dieser Tage der Spatenstich für das neue Innovationszentrum statt. Ein kombiniertes Show- und Prototypenzentrum ist dabei mit 470 Entwicklungsarbeitsplätzen verbunden. Gleichzeitig werden die Fertigungs- und Assemblierungsflächen in Hart um 12.000 Quadratmeter erweitert, auch der Standort Leoben wird aufgestockt, um 150 zusätzlichen Mitarbeitern Platz zu bieten. Die Gesamtkosten dieses Erweiterungsprogramms in der Steiermark liegen bei rund 40 Millionen Euro.

Bekenntnis zur Steiermark

Bei Knapp bekennt man sich zum Standort Steiermark, an dem rund 2.500 der 3.700 Mitarbeiter beschäftigt sind. „Die Steiermark ist und bleibt das Herz des Unternehmens, auch wenn wir das Fachkräftepotenzial global nutzen müssen, um am Markt bestehen zu können“, versichert Ingo Spörk, Head of Human Resources bei Knapp. Eine gewisse Internationalisierung sei aber schon allein deshalb notwendig, um dem Facharbeiter- und Technikermangel begegnen zu können. „Das ist auch ein kulturelles Thema“, erklärt Spörk, „ein Spanier wird mit einem spanischen Kunden leichter über ein komplexes technisches Thema sprechen können.“ Deshalb rekrutiere man bei Knapp auf der ganzen Welt Mitarbeiter, die in der Steiermark aus- und weitergebildet werden und international zum Einsatz kommen.
Grabner spricht ebenfalls von einer bewussten Entscheidung für die Steiermark: „Die Familie Knapp und das Management sind tief in diesem Land verwurzelt. Wir schaffen daher ganz bewusst Arbeitsplätze in der Steiermark. Es gibt dank des sehr guten Bildungs-systems eine ganze Reihe von gut ausgebildeten und hochmotivierten Menschen, die wir gerne als Mitarbeiter bei uns haben.“ An den Rahmenbedingungen in Österreich, die nicht immer die einfachsten seien, könne und müsse allerdings etwas geändert werden. Auch Spörk lobt das österreichische Ausbildungssystem: „Das duale Ausbildungssystem in der Lehre und die HTL sind echte Erfolgsmodelle. Das gibt es in dieser Form nur bei uns. Anderswo bedeutet Techniker immer gleich Akademiker.“


Im neuen Innovationszentrum, das bei Knapp entsteht, werden 470 Entwicklungsarbeitsplätze angesiedelt sein.

 

Wettbewerb um Mitarbeiter

Die ständig wachsende Nachfrage nach Technikern macht auch der Knapp AG zu schaffen. Spörk: „Es gibt zwar Techniker, aber wir stehen in zunehmendem Wettbewerb um sie. In den vergangenen Jahren der mäßigen Wirtschaftsentwicklung hatten wir jedoch das Glück, azyklisch zu wachsen, und konnten so ausreichend qualifizierte Mitarbeiter für uns gewinnen.“
Der Anbieter von Logistiklösungen ist derzeit der größte steirische Arbeitgeber im IT-Bereich. „Der Markt für IT-Fachkräfte ist leider besonders umkämpft, weil immer mehr technische Lösungen immer stärker auf Elektronik und der entsprechenden Software beruhen“, schildert Spörk. Eine der Maßnahmen, um schon junge Menschen für Knapp zu interessieren, ist der Coding Contest, der vor zwei Wochen bereits zum siebten Mal stattfand. Dabei müssen angehende IT-Experten ein Software-Modul entwickeln und ein konkretes Logistikproblem -lösen. „Beim Programmierwettbewerb, zu dem sich heuer 160 Teilnehmer angemeldet haben, können wir zeigen, dass wir bei Knapp mit modernster Technologie arbeiten und es spannend ist, -Lösungen für internationale Top-Kunden zu entwickeln“, ergänzt der Human-Resources-Chef.
Eine natürliche Grenze, was die Integration neuer Mitarbeiter ins Unternehmen angeht, sieht Grabner. „Das ist eine Herausforderung, vor der wir ständig stehen. Im Vorjahr haben wir zum Beispiel jeweils rund 150 Mitarbeiter in der Steiermark und im Ausland neu aufgenommen, das ist ungefähr das Maximum.“ Neben der Verfügbarkeit von Mitarbeitern ist auch die Infrastruktur eine Herausforderung.
„Das fängt schon bei den Parkplätzen an“, schildert Grabner. In diesem Bereich versucht Knapp, -Alternativlösungen anzubieten. So werden in einem Pilotversuch unter bestimmten Voraussetzungen die Kosten für das Öffi-Ticket demnächst vom Unternehmen übernommen, Shuttle-Busse eingerichtet und sogar Elektroautos im Car-Sharing-Prinzip zur Verfügung gestellt.

Unternehmenskultur begeistert

Mitarbeiter für Knapp zu begeistern, sei nicht zuletzt eine Frage der Unternehmenskultur, sind Grabner und Spörk überzeugt. „Wir leben unsere Werte wie Wertschätzung, Vertrauen und Zuverlässigkeit. Wir geben unseren Mitarbeitern auch Freiraum, was bedeutet, gegenüber Fehlern tolerant zu sein, nur so entsteht der Mut, neue Wege zu gehen“, betont Grabner. Diese Werte und diese Kultur seien ein entscheidender Erfolgsfaktor und würden auch über die Steiermark hinaus in die internationalen Standorte getragen. „So bleiben unsere Mitarbeiter entscheidungsfreudig und brennen für die Sache.“
In der näheren und mittleren Zukunft will Knapp seine Position als eines der führenden Technologieunternehmen ausbauen. Dafür sollen die bereits erwähnten Infrastrukturmaßnahmen ebenso dienen wie eine zielgerichtete Forschung und Entwicklung. „Wir haben eine klare Roadmap für unsere Innovationen“, sagt Grabner. Damit reagiere man auf ein geändertes Konsumverhalten, aber auch auf Trends und Technologien wie Industrie 4.0 oder das Internet der Dinge. „Und dann haben wir erfreulicherweise auch eine gute Auftragslage, jetzt gilt es, diese Aufträge erfolgreich abzuwickeln“, so Grabner abschließend.

Knapp Finanzvorstand Christian Grabner (r.) und Head of Human Resources Ingo Spörk
sind überzeugt davon, dass die Unternehmenskultur potenzielle neue Mitarbeiter begeistert.

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