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Investor im Unruhestand

Der Industrielle Christian Trierenberg zieht sich heuer aus dem operativen Geschäft seiner Tann Group in Traun zurück. Die frei werdende Zeit wird er überwiegend in der Steiermark verbringen, dort besitzt er das Weingut Georgiberg und hält Anteile bei Vulcano. Er hat viele Pläne, ein Ruhestand wird es nicht werden. 

Text: Daniela Müller, Fotos: Marija Kanizaj

Christian Trierenberg produziert in seinem Unternehmen in Traun/Oberösterreich Spezialpapier und ist mit Tipping-Papier für die Tabakindustrie einer der ganz großen Player auf dem Weltmarkt. 

Wie geht es Ihnen mit der aktuellen Raucherdebatte?
Trierenberg (winkt ab): Lassen wir das lieber aus. Erkennbar ist, dass Rauchen überall rückläufig ist. Das wird sich auch in den nächsten Jahren nicht ändern. 

Womit machen Sie dann Geschäfte?
Wir haben in den letzten zehn Jahren mit der Diversifikation begonnen und setzen unter anderem auf Selbst-klebeetiketten und Verpackung.

Ihre Tochter Catharina ist schon in der Geschäftsführung. Wie lange wollen Sie noch bleiben?
Ich werde mich dieses Jahr operativ komplett zurückziehen und nur mehr in der Holding bzw. im Aufsichtsrat aktiv sein. 

War das eine schwere Entscheidung?
Irgendwann muss man aufhören.

Tun Sie das wirklich?
Ich möchte mich mehr um mein Weingut Georgiberg kümmern. 

Mit welcher Idee muss man zu Ihnen kommen, um Sie als Investor zu gewinnen?
Bei Vulcano hat es so funktioniert, dass wir über das Genussregal der Familie Polz Herrn Habel kennenlernten. An seinem Unternehmen (Vulcano, Anm.) habe ich mich beteiligt, weil mir das Produkt gut gefallen hat. Ich finde es wichtig, hochwertige Produkte hochzuhalten. Schlechte Qualität gibt es ohnehin genug. 

Planen Sie neue Investitionen?
Nein! Meine beiden (Georgiberg und Vulcano, Anm.) reichen mir völlig.

Wie oft fragt man bei Ihnen an?
Zwei bis drei Mal im Jahr.

Denken Sie darüber nach?
Nein, ich bleibe bei meinen beiden Investitionen. Wenn man sich zurückziehen will, muss man mitdenken. Es bleibt ja nicht beim Investieren, da kommt auch Arbeit dazu. Es gilt, Ideen und Know-how einzubringen. Nur Geld zu geben ist mir zu wenig. 

 

„Ich finde es wichtig, hochwertige Produkte hochzuhalten. Schlechte Qualität gibt es ohnehin genug.“ 

Christian Trierenberg
Industrieller und Investor

 

Haben Sie für Georgiberg eine neue Strategie? 
Zum Wein bin ich gekommen, weil ich eine Liegenschaft in der Südsteiermark erworben hatte, welche Weingärten enthielt. Für mich war es Neuland; ich kann zwar viel zur kommerziellen Entwicklung beitragen, beim Produkt eher weniger. Hier muss ich mich auf meine Mitarbeiter verlassen. Ich habe nur eine klare Vorstellung davon, wie der Wein schmecken soll (schmunzelt). 

Wie weit kann man sich bei solchen Investments Bauchgefühl leisten?
Beim Weingut war mehr Emotion als sonst involviert. Mittlerweile hat es eine Größenordnung angenommen, bei der Emotion alleine zu wenig ist. 

Können Sie sich an eine Fehlinvestition erinnern?
Wenn ich meine ganzen 42 Jahre nehme, in denen ich gearbeitet habe, kann ich sagen: Man kann nie alles richtig machen. Aber zu 85 Prozent ist es gut gegangen. 

Wie gingen Sie mit den 15 Prozent um?
Die muss man mitnehmen. Daraus lernen und schauen, dass man es besser macht. 

Was würden Sie – rück-blickend betrachtet – ganz anders machen?
(lacht) Da würden wir morgen noch dasitzen!

Was macht für
Sie den Reiz des Unternehmerseins aus?
Das ist für mich, etwas Positives zu schaffen und weiterzuentwickeln. Als ich von Kolumbien zurückgekommen war, machte die Tann rund 400 Millionen Schilling Umsatz. Ich sagte zu einem Partner, dass mein Ziel wäre, eine Milliarde zu machen. Dieser meinte, das sei unmöglich. Heute macht Tann 250 Mio. Euro Umsatz. 

Und wie lange dauerte es, bis Sie „Ihre“ Milliarde hatten?
Etwa fünf bis sechs Jahre. 


Christian Trierenberg hat mit Georgiberg noch viel vor.

 

 

Als international auf-gestelltes Unternehmen sehen Sie die Globalisierung vermutlich positiv. Wie war das – in Vor-EU-Zeiten?
Die EU hat wirtschaftlich sehr viel gebracht. Wir haben bereits in den 1980er-Jahren vor dem EU-Beitritt zirka 100 Länder von Österreich aus beliefert. Die Internationalisierung hat 1978 begonnen mit der Neugründung von Tochterunternehmen auf drei Kontinenten, um näher am Kunden zu sein. 

Sie als Person haben die Internationalisierung vorangetrieben, wie war das, rückblickend betrachtet?
Die Internationalisierung war für mich nie ein Problem. Unseren ersten Auslandsbetrieb hatten wir in Kolumbien, dort lebte ich neun Jahre, in Medellin, um genau zu sein. 

Die Drogenhochburg! Wie war das? Sind Sie Pablo Escobar begegnet?
Wir bekamen den Drogenkrieg ziemlich mit. Man musste natürlich gut aufpassen und wissen, wie man sich bewegt. Dann war es relativ ungefährlich. Escobar wohnte in etwa 500 Metern Luftlinie von mir. Ich habe ihn hin und wieder aus der Ferne, bei den legendären Pferdeauktionen in unserem Ort, gesehen. 

Es gibt kaum Interviews mit Ihnen, über Geld reden Sie gar nicht gern. 
Das habe ich immer versucht, zu vermeiden. Unser Unternehmen hatte immer einen Exportanteil zwischen 96 und 99 Prozent und daher war es auch nicht so wichtig, mit der heimischen Presse zu reden. Mir war und ist offen gesagt relativ wurscht, was man in Österreich über mich denkt. Und was Geld betrifft: In Österreich nehmen die Leute den Umsatz, multiplizieren ihn mit zwei und glauben, das liegt auf der Bank. Wenn man einen Betrieb hat, heißt es nicht automatisch, dass man auch Geld hat. Dieses Thema schürt nur die Neiddebatte. Ich würde lieber über Georgiberg reden.

Dann tun wir das. Haben Sie das Gefühl, hier angekommen zu sein? 
Ja, zu 80 Prozent gehöre ich sicher dazu. Wir produzieren guten Wein und erhalten pro Jahr 10, 12 Auszeichnungen. Unser Bekanntheitsgrad ist noch nicht der, den wir uns wünschen würden, aber das ist klar. Denn die arrivierten Weinbauern der Gegend sind ja schon seit 50, 60 Jahren im Geschäft. Das aufzuholen ist herausfordernd. 

Was ist Ihre Strategie? Hochpreisige Terroir-Weine?
Wir haben Terroir-Weine, deren Lagen zu den besten in der Südsteiermark gehören. Das Problem ist ein anderes: 95 Prozent aller Weine, die in Österreich verkauft werden, kosten im Geschäft unter fünf Euro. Da bleibt für den Produzenten nicht viel übrig. Die Herausforderung ist, die anderen fünf Prozent über die richtigen Kanäle zu vertreiben. 

Wie kann man sich hier positionieren?
Qualität geht über Quantität. 80 bis 90 Prozent arbeiten nach dem gleichen Schema. Man muss versuchen, andere Wege zu finden – andere Verpackungen beispielsweise, um auf sich aufmerksam zu machen. Ähnlich läuft es bei Vulcano. Damit erreichen wir auch nur 10, 15 Prozent der Bevölkerung. Hier ist Luft nach oben. 

Steht für Georgiberg ein Rebranding an?
Für gewisse Bereiche sicher. Man muss eine Marke etablieren und Aktionen setzen, die Aufmerksamkeit erregen. Das betrifft das ganze Areal, und es ist uns recht gut gelungen. Im Moment sind wir sicher eines der schönsten Weingüter der Region. Auch das Restaurant hat sich gut etabliert. 

Denken Sie auch an Zimmer?
Nein. Wenn eine Auslastung von 90 Prozent über das Jahr möglich wäre, dann ja. 

Haben Sie einen Wunsch an die Politik?
Die sollen endlich die Sektsteuer abschaffen! Denn was ist die Alternative zu Sekt? Prosecco! Und für Prosecco fällt in Österreich keine Sektsteuer an. Darüber hinaus liegen die Einnahmen durch die Sektsteuer bei „nur“ 25 Millionen Euro, verursachen aber einen irrsinnigen Aufwand. Bei uns wird etwa Monat für Monat nachgezählt, ob wir da nicht eine Flasche ohne Steuer verkauft haben. 
Ein Wahnsinn ist generell die Bürokratie. Die kostet sehr viel Geld und behindert Betriebe. Dabei sind sie es, die Steuern zahlen und Arbeitsplätze schaffen.

 

Mit Wein hatte Christian Trierenberg anfangs nicht viel am Hut.
Sein Hobby wuchs zur Arbeit aus – der er sich künftig noch mehr stellen wird.

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