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Biogenial ins Netz!

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Zwei, die ihre (Bio-)Netze auswerfen: Mit kompostierbaren Netzschläuchen schafften die Öko-Innovatorinnen Susanne Meininger und Bettina Reichl vom Verpackungszentrum Graz den großen Marktdurchbruch. Jetzt steht eine Expansion in internationale Märkte an.

Text: Wolfgang Schober, Fotos: Eva-Maria Repolusk, Marija Kanizaj, beigestellt

Sie sind im Stress und gleichzeitig völlig entspannt. Ein Paradoxon, das Susanne Meininger und Bettina Reichl spielerisch lösen. Der Vorbereitungsstress auf die anstehende Fruit Logistica in Berlin, der wichtigsten Branchenmesse für frisches Obst und Gemüse in Berlin, hält die beiden Schwestern bei unserem Besuch am Anton-Mell-Weg in Graz-Straßgang auf Trab, gleichzeitig regieren Gelassenheit und Vorfreude. Kein Wunder, schließlich liegt das Unternehmen voll auf Kurs, alle Pfeile zeigen nach langer, achterbahnreicher ­Firmengeschichte in eine Richtung: nach oben! Seit rund 30 Jahren gilt das Verpackungszentrum Graz als pulsierende Innovationsschmiede im Bereich ökologischer Verpackungen und sorgte immer wieder mit spektakulären Forschungsarbeiten für Begeisterung und große Anerkennung. Ob kompostierbarer Schaumstoff aus Algen oder Bio-Kunststoff aus nachwachsenden Rohstoffen – die Gunst der nachhaltig denkenden Konsumenten war den Unternehmerinnen gewiss, allein der ganz große Markterfolg blieb vorerst aus, das Verpackungszentrum finan­zierte sich aus Erlösen des Verpackungsgroßhandels. Die Wende erfolgte im Jahr 2012. Nach zweijähriger Entwicklungszeit schaffte ein neues Produkt die Marktreife und den rasanten Durchmarsch bis in Österreichs Supermärk­te. Das Produkt, gleichzeitig Weltneuheit am Markt: kompostierbare Netzschläuche aus Buchenholz-Zellulose. Der Bio-Verpackung gingen Erdäpfel, Zwiebel und Rote Rüben der Bio-Linie „Ja, natürlich“ des Rewe-Konzerns ins Netz. Später folgten Rettich und Zitrusfrüchte sowie mit dem Diskonter Hofer ein weiterer großer Player im Lebensmittelhandel, der für seine Marken „Zurück zum Ursprung“ und „Natur aktiv“ auf die smarte Lösung aus Graz umstellte. „Diese Netzschläuche waren zuvor zu 100 Prozent aus Plastik“, erklärt Susanne Meininger. „Durch die Umstellung können allein bei Rewe Österreich 10 Tonnen Plastik jährlich eingespart werden.“ 5,5 Millionen Laufmeter Netzschlauch wurden bisher eingesetzt. Nicht nur die Umwelt, auch der Konsument profitiert: Die Netzschläuche sind feuchtigkeitsregulierend und atmungsaktiv, Obst und Gemüse bleiben länger frisch. Das Netz ist kompostierbar und kann im Falle des Falles gemeinsam mit seinem Füllgut entsorgt werden.

„Natürlich sind diese Netzschläuche in der Produktion teurer“, verrät Bettina Reichl, Forschungsleiterin im Verpackungszentrum, „aber der Druck der Konsumenten, gerade durch Social Media, wird immer größer und der Imagegewinn macht die Mehrkosten für die Supermärkte mehr als wett. Der Umsatz ist dadurch, wie man hört, sogar um ein Drittel gestiegen.“ Gleichzeitig wird die Produktion der Netzschläuche laufend optimiert, gemeinsam mit den Partnern, der Lenzing AG, die die Naturfaser CO2-neutral aus Buchenholz herstellt, und dem oststeirischen Textilproduzenten Borckenstein, der das Garn fertigt. „Die Alleinstellung mit diesem Produkt konnten wir nur durch die enge Kooperation aller Partner erreichen“, so Meininger. Auch die Erzeugerorganisation Marchfeldgemüse als Abpackbetrieb ist Teil dieses Know-how-Netzwerks. „Aus diesem Grund ist das Produkt auch nicht so einfach zu kopieren“, erläutert Reichl. „Denn für den Entwicklungsprozess bedarf es einer Reihe komplexer Faktoren von der Gestaltung der Faser und dem Umbau der Häkelmaschinen bis zur Justierung der Abpackanlage.“ Ein Prozess, der für das dynamische Geschwisterpaar noch lange nicht abgeschlossen ist. Gleich an mehreren Weiterentwicklungen wird intensiv geforscht. Etwa an einer innovativen Methode, die Netze künftig rein pflanzlich zu färben. „Dazu besteht ein Forschungsprojekt mit dem Institut für Textilchemie und Textilphysik der Universität Innsbruck“, so Reischl und legt ein Bündel bunter Netzproben auf den Tisch. „Das ist ein weiterer großer Schritt, das Produkt noch nachhaltiger zu machen.“ Weiters laufen auch Bemühungen, künftig auf die Metallklammer zum Verschließen des Netzschlauchs zu verzichten und es durch eine spezielle Knüpftechnik zu ersetzen. Und schließlich soll die Technologie hinter den Netzschläuchen künftig auch auf die größer dimensionierten Netzsäcke angewandt werden. Diese werden vor allem von Bio-Bauern und Direktvermarktern eingesetzt. Entsprechend groß sind die Erwartungen an den Auftritt auf der Fruit Logistica. „Schon im Vorjahr gab es viele Gespräche und Kontakte. Händler aus der ganzen Welt zeigten sich interessiert, das ging bis nach Australien und Mexiko.“ Am konkretesten seien aber Anfragen aus der Schweiz und Spanien, so die Unternehmerinnen. „Konkretes dürfen wir noch nicht verraten, aber in einem Fall betrifft es eine Schweizer Supermarktkette, und zum Zweiten sind wir mit einem spanischen Abfüller, der einen deutschen Handelskonzern beliefert, im Gespräch.“

Das Potenzial sei jedenfalls enorm, sind sich Meininger und Reichl einig. „Dennoch werden wir das Wachstum nicht auf Teufel komm raus forcieren, sondern wollen die Produktion schrittweise ausbauen. Eine sprunghafte Expansion ist derzeit ohnehin nicht das Thema, da das Thema Bio international ja auch erst allmählich Fahrt aufnimmt. In Österreich sind wir sicher Vorreiter.“ Dennoch reagierte auch in Österreich nicht jeder verzückt auf die Innovation aus Graz. „Klar, gab es zu Beginn einen Aufschrei am Markt, die Kunststoffindustrie ist logischerweise nicht begeistert, wenn sie um Marktanteile fürchten muss“, weiß Meinin­ger. Aber gerade der ökologische Aspekt war schließlich stets der Antrieb der beiden Innovatorinnen. Beginnend in den 80er-Jahren, als die grassierende Algenpest in der Adria und die wachsenden Müllberge in der Heimat ihr Öko-Engagement befeuerten. Das Algen-Projekt – Schaumstoffproduktion auf Algen-Basis – ist zwar mittlerweile auf Eis gelegt, Potenzial sieht Reichl mit diesem Verfahren dennoch im Dämmstoff-Bereich für die Baubranche.

„Wer weiß, was daraus noch entstehen kann? Vielleicht waren wir damals unserer Zeit einfach auch voraus“, betont Reichl. Meininger: „Wir haben bewiesen, dass wir einen langen Atem haben bei der Durchsetzung unserer Ziele.“ Und der Idealismus ist in den letzten Jahren auch nicht gerade abgeflaut. Im Gegenteil: Filme wie „Plastic Planet“ oder die Entdeckung ganzer schwimmender Plastikmüll-Kontinente in den Weltmeeren, siehe den Great Pacific Garbage Patch in der Größe Deutschlands, versorgen den Innovationsmotor der beiden Grazerinnen auch weiterhin mit ausreichend Brennstoff. Bereits seit Jahren setzt das Verpackungszentrum daher auf biogene Verpackungen aller Art: die Palette reicht von Holzschliffschalen für Erdbeeren & Co., Pulpeverpackungen, Schalen aus Zuckerrohrbagasse, Einweggeschirr aus Bio-Plastik oder Tragetaschen aus Industriekartoffeln, die sogenannten Bioplast-Sackerln. Diese sind vollständig biologisch abbaubar und kompostierbar und waren eine Zeit lang auch auf Grazer Bauernmärkten im Einsatz. Eine Wiederaufnahme wird gerade angedacht. Ist eine Zukunft ohne das Plastiksackerl möglich? „Auf jeden Fall“, sind Meininger und Reichl überzeugt. „Ob Verbote der einzig zielführende Weg dorthin sind, wird sich aber noch zeigen. Aber ich bin überzeugt, dass sich die Revolution nicht aufhalten lässt. In zehn Jahren werden biogene Verpackungen ihren großen Durchbruch geschafft haben.“

VerpackunGszentrum Graz
Gegründet 1982 vom Vater Susanne Meiningers. Diese übernahm im Jahr 1989 und spezialisierte den Verpackungsgroßhandelsbetrieb zunehmend auf Entwicklung und Vertrieb kompostierbarer Materialien. Im Sortiment befinden sich 600 Produkte, der Großteil davon biogen. Fünf große Forschungs- und Entwicklungsprojekte mit Universitäten und Forschungseinrichtungen. Viele Auszeichnungen und Awards: darunter der renommierte „Green Packaging Star Award“ und der internationale A Design Award (Silber in Sustainable Design). Der Umsatz betrug zuletzt 2,2 Mio. Euro. Derzeit sieben Mitarbeiter.
www.vpz.at

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