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Treibstoff für Raketen

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Three, two, one – Grow! Zwei junge Deutschlandsberger sind angetreten, Crowdinvesting am europäischen Markt zu etablieren. Ihre Plattform „Green Rocket“ hat in Österreich bereits gezündet, als nächstes steht Deutschland auf dem (Raketen-)Programm. Ihre Pläne verrieten Peter Garber (23) und Wolfgang Deutschmann (23) dem BUSINESS Monat.

Text: Wolfgang Schober, Fotos: Oliver Wolf, Kubiza, KK


Die Abschussrampe befindet sich im 2.  Stock. Das Cape Caneveral der heimischen Start-up-Finanzierung residiert in einem unauffälligen Büro im Impulszentrum Graz-West in der Reininghausstraße. Wolfgang Deutschmann und Peter Garber sitzen am Laptop ihres Besprechungstisches und nicken zufrieden. Soeben hat „Perception Park“ die 150.000 Euro-Schwelle überschritten. Das heißt, mit dieser Summe hat eine Crowd aus Einzelinvestoren den Grazer Spezialisten für hyperspektrale Kameras bis zu diesem Tag bereits kapitalisiert. Treibstoff für wirtschaftliche Höhenflüge. Ermöglicht durch eine Plattform, die die beiden steirischen Jungunternehmer Deutschmann und Garber vor eineinhalb Jahren unter einem programmatischen Titel gelauncht haben: Green Rocket – Österreichs erste Crowdinvesting-Plattform für nachhaltige Projekte.

Dass es sich dabei um alles andere als eine Raketenwissenschaft handelt, sondern um die intelligente Form eines Lückenschlusses, wird im Gespräch mit den beiden Gründern deutlich. „Nicht nur eine Rakete braucht am Start die meiste Kraft, auch bei Unternehmen ist das so“, erklärt Wolfgang Deutschmann. „Gerade in der risikoreichen Start- und Wachstumsphase ist es für Unternehmen besonders schwierig, an Finanzierungen zu kommen. Gleichzeitig gibt es am Markt eine hohe Investitionsbereitschaft gerade für nachhaltige Projekte. Unsere Idee war also, eine Schnittstelle zu schaffen zwischen Unternehmen in der Start-Phase und risikobereiten Klein-Investoren.“ Eine Idee, die vom Markt offensichtlich angenommen wird, wie die 15 bislang auf der Plattform abgewickelten Projekte beweisen. Bis auf eine Ausnahme haben alle die vorab definierte Funding-Schwelle überschritten, jedes dritte Projekt konnte sogar das vom Gesetz vorgegebene Finanzierungslimit von 250.000 Euro voll ausschöpfen und darf sich mit dem Prädikat „ausverkauft“ schmücken. Unter den Top-Sellern: das modulare Öko-Eigenheim „Commod Haus“, der innovative Fischleiter-Anbieter für Wasserkraftwerke „Hydroconnect“ oder der revolutionäre PV-Nanobeschichter „Quantum Voltaics“. „Den Rekord hält Omi’s Apfelstrudel, das bereits nach 32 Stunden das Limit erreichte“, verrät Peter Garber. „Am nächsten Tag gab es sogar böse Anrufe, warum wir keine Investoren mehr annehmen.“

Alleinstellung
Was den Projekten allesamt gemein ist: Es handelt sich um Unternehmen, die sich schwerpunktmäßig dem Bereich Nachhaltigkeit und Ökologie zurechnen lassen. „Wir konzentrieren uns auf die Sparten Energie, Umwelt, Mobilität, Gesundheit bzw. gesunde Lebensmittel – allesamt Zukunftsfelder der Wirtschaft“, fasst Deutschmann zusammen. „Mit dieser Spezialisierung haben wir europaweit ein Alleinstellungsmerkmal.“ Zufrieden sind die Plattformbetreiber sowohl mit der Nachfrage von Unternehmen als auch jener der Investoren. „Es gelang uns, innerhalb kürzester Zeit eine sehr aktive Community zu schaffen“, so Garber. „Sie ist im Vergleich zu anderen Plattformen sehr engagiert und bringt sich stark ein – ein gutes Zeichen.“ Ebenso lebhaft ist der Markt der Kapital suchenden Firmen. „Wir bekommen viele Anfragen, bereits über 300 Unternehmen haben sich bei uns gemeldet. Wir selektieren nach Qualität und Erfolgswahrscheinlichkeit und greifen dabei auf ein Experten-Netzwerk zurück. Schließlich wollen wir keine Rohrkrepierer“, verrät Wolfgang Deutschmann. „Wir nehmen nur Firmen auf die Plattform, in die wir auch selbst investieren würden.“ Dennoch: Erfolgsgarantie gibt es freilich keine. Ein Totalverlust des investierten Beitrags ist natürlich möglich – wie zuletzt auch im Fall der Pleite des obersteirischen Start-ups Wooderoo, das ebenfalls über eine Crowdinvesting-Plattform (1000 x 1000) finanziert wurde. „Es handelt sich stets um Start-ups. Statistisch gesehen gibt es dabei eine hohe Ausfallsquote. Das muss jedem Investor bewusst sein“, geben Garber und Deutschmann offen zu. „Auf der anderes Seite kann sich der Wert der Anteile auch vervielfachen, wenn das Geschäfts­modell aufgeht bzw. das Unternehmen von einem Konzern übernommen wird.“ Der Investor partizipiert sowohl am jährlichen Gewinn als auch an der Wertsteigerung.

 

Green Rocket
Gegründet 2013 von Wolfgang Deutschmann und Peter ­Garber, Absolventen der ­HTBLA-Kaindorf für Mecha­tronik und Automatisierung. ­Mit 18 Gründung der ersten Firma INEX, spezialisiert auf Wirtschaftslichkeitsberechnungen für PV-Projekte. Green Rocket ist die erste Crowdinvesting-Plattform Europas, die sich auf nachhaltige Projekte spezialisierte. Bislang 15 Projekte abgewickelt und 2,3 Millionen Euro von der Crowd eingesammelt. 4.400 Investoren sind registriert. Mit Home-Rocket launchten die Unternehmer heuer auch eine Crowdinvesting-Plattform für Immobilien.
www.greenrocket.comwww.homerocket.com

 

Vision Europa
Rückenwind für ihre Plattform erhoffen sich die Unternehmer auch durch das neue Alternativfinanzierungs­gesetz, das die österreichische Bundesregierung derzeit vorbereitet. „Bislang war Crowd­invest als Querschnittsmaterie in unterschiedlichen Gesetzen geregelt. Künftig sorgt ein eigenes Gesetz für noch mehr Klarheit und Transparenz“, freut sich Deutschmann. Beachtlich: Der Grenzwert für die teure Prospektpflicht wird von 250.000 Euro auf 1,5 Millionen Euro angehoben. „Damit werden künftig auch größere Projekte finanzierbar und Crowdinvesting auch für bereits etablierte Unternehmen interessant“, ist Deutschmann überzeugt. „Wobei wir uns sicher nicht als Gegner der Banken verstehen“, ergänzt Garber. „Wir sehen uns als Ergänzung und als Teil des Finanzierungsmix. Alle Finanzierungsarten haben ihre Vor- und Nachteile.“ Ein Vorteil von Crowd­investing: schnelles Lukrieren von Risikokapital ohne Besicherungen. Sowie die Steigerung des Bekanntheitsgrads der Firma durch den Launch auf der Plattform und die mediale Begleitung. Garber: „Jeder Investor wird zum Markenbotschafter des Unternehmens.“ Ins Crowdinvest-Business kamen die jungen Deutschlandsberger über Bürgerbeteiligungsprojekte für Photovoltaikanlagen. „Unsere erste Firma INEX gründeten wir bereits mit 18, ein Jahr vor der Matura“, erzählt Deutschmann, ebenso wie Garber Absolvent der HTBLA Kaindorf. Über 30 PV-Projekte hat INEX in Österreich beratend begleitet. Danach hatten sie die Idee zu Green Rocket. Mithilfe von zwei Investoren – den steirischen Unternehmern Johannes Fürpass und Harald Koch – startete die grüne Rakete im Herbst 2013 in den steirischen Wirtschaftsorbit. Seither wurden 2,3 Mio. Euro über die Crowd eingesammelt, Green Rocket gilt damit als Marktführer in Österreich.

Aufgrund des großen Erfolgs sind Raketenstarts auch in anderen Ländern sowie anderen Branchen geplant. „Unsere Vision ist, die Plattform in möglichst vielen europäischen Ländern anzubieten“, erklären die beiden. Erster Auslandsmarkt ist Deutschland. „Wir setzen gerade Maßnahmen, um auch dem deutschen Kleinanlegerschutzgesetz zu entsprechen.“ Am deutschen Markt soll auch die zweite bereits aus der Taufe gehobene Rakete gezündet werden: Home Rocket, eine Crowdinvesting-Plattform für Immobilienprojekte, die gemeinsam mit der Grazer Immobilienfirma C&P gegründet wurde. Zwei Immo-Projekte sind bereits in Planung. Laufzeit des Investments: 36 Monate. In Aussicht gestellt wird eine Verzinsung von 8 Prozent.

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Schwerpunkt Thema

Ab jetzt steht der "BUSINESS Monat" nun jedes Mal unter einem umfassenden Schwerpunkt-Thema. Im September: "Zukunft".

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