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Humus-Handwerk mit goldenem Boden: Wie ein Steirer nach siebenjähriger Forschungsarbeit die „beste Erde unter der Sonne“ entwickelte und damit eine neue Offensive im Kampf gegen den Klimawandel einläuten will. Der bodenständige Visionär Gerald Dunst im Porträt.

Text: Woflgang Schober, Fotos: Oliver Wolf


Am auffälligsten ist der Geruch. Genauer gesagt: seine Abwesenheit. Das Betriebsgelände der Riedlingsdorfer Firma „Sonnenerde“ – eine olfaktorische Komfortzone. Ein Umstand, der erstaunt. Schließlich sind wir an einer Hochburg des Komposts und damit potenziell steten Fäulnisalarms. Tausende Tonnen an Abfällen werden hier zur Kompostierung aufbereitet, in langen parallel geführten Reihen sind Strauchschnitt, Klärschlämme & Co. zu Komposthaufen aufgeschüttet. „Wenn die Kompostierung richtig gemacht wird, dann stinkt es auch nicht“, bringt es der gut gelaunte Mann im grünen Sonnenerde-T-Shirt auf eine einfache Formel. Gerald Dunst ist in seinem Element, wenn er von seiner Arbeit spricht. Logisch, seine Arbeit ist ein Element: das Element Erde.

Humusreiche Erde steht am Ende des Produktionsprozesses auf dem drei Hektar großen Firmenareal, auf dem Radlader und Lkws für permanente Materialbewegungen sorgen. Häufchen hier und Haufen dort. Rohstoffe werden in Form von Bio-Abfällen angeliefert, das exakte Mischungsverhältnis und die regelmäßige Behandlung mittels Kompost-Umsetzern garantieren beste (geruchsfreie) Kompostqualität. Nach vier bis sechs Wochen wird dieser mit Sanden, Ziegelsplitt & Co. vermengt, das Material wandert auf größere Haufen, der Vererdungsprozess startet. Nach einem halben Jahr ist dieser vollendet, das Resultat buchstäblich greifbar: das Produkt Erde. Was bodenständig und simpel klingt, ist das Ergebnis komplexer mikrobiologischer Prozesse. Fachwissen und Know-how, das der Steirer Gerald Dunst, Boku-Absolvent und langjähriger Kompostberater im In- und Ausland, in über 30 Jahren erworben hat.

Mythos Terra Preta
Daher ist es nicht bloß irgendeine Erde, die in Riedlingsdorf bei Pinkafeld nahe der steirischen Grenze produziert wird. „Die beste Erde unter der Sonne“ verkündet das T-Shirt von Gerald Dunst selbstbewusst. Mit gutem Grund. Der 49-jährige Sebersdorfer, der sich im Jahr 1998 mit seiner Firma im Südburgenland niederließ, beschäftigt sich intensiv mit der Forschung und Entwicklung besonders humus- und nährstoffreicher Erden. Mit der marktfähigen Entwicklung der „Riedlingsdorfer Schwarzerde“ gelang ihm im Vorjahr ein Meilenstein. Diese Erde ist gleichsam ein Nachbau der Terra Preta, jener mythenumrankten Schwarzerde aus dem Amazonas-Gebiet, die als fruchtbarste Erde der Welt gilt und der indigenen Bevölkerung Südamerikas 8.000 Jahre lang reiche Ernten sicherte. Dunst war selbst vor Ort, um die Zusammensetzung dieser „Supererde“ zu analysieren. „Ein paar Handvoll habe ich zu Forschungszwecken sogar nach Österreich geschmuggelt“, erklärt er schelmisch. Das Geheimnis dieser mit vielen Nährstoffen angereicherten Erde liegt in einem besonderen Bestandteil: Pflanzenkohle. „Neben Speiseresten, Gartenabfällen und ähnlichem haben die Indios einst auch Reste der Holzkohleherstellung auf die Felder ausgebracht“, verrät Dunst. „Pflanzenkohle fungiert als stabiler und natürlicher Nährstoffspeicher, der dauerhafte Fruchtbarkeit garantiert. Regelmäßiger Düngereinsatz ist damit nicht mehr notwendig.“

Nach siebenjähriger Entwicklungszeit ist es Dunst nun gelungen, die Herstellung von Schwarzerde zu optimieren und in ihrer Qualität ganz nah an das Original aus dem Amazonas-Gebiet heranzuführen. „96 Prozent Übereinstimmung haben wir geschafft“, freut sich der Boden-Experte über seine Quasi-„Terra Preta“ aus dem Burgenland. Rund ein Viertel Pflanzenkohle wird dem Kompost dafür beigemengt. Das Besondere: Auch die Erzeugung der Pflanzenkohle übernimmt Gerald Dunst selbst. Dazu wurde eine eigene Anlage konzipiert und entwickelt, die die – üblicherweise CO2-intensive – Produktion höchst ökologisch und klimafreundlich durchführt. „Wir sind stolz darauf, Europas einzige kontinuierlich laufende Pflanzenkohle-Produktionsanlage in Betrieb zu haben“, so Dunst, der dafür 2012 auch mit dem Klimaschutzpreis ausgezeichnet wurde. Aus Zellulosefasern und Getreideresten werden täglich 1.500 kg hochwertige Pflanzenkohle erzeugt. Laufend wird die Anlage verbessert und adaptiert. „Das Ziel ist, die Technik weiter zu forcieren, dass künftig auch Landwirte mit ähnlichen Anlagen im kleinen Maßstab Pflanzenkohle erzeugen können.“

Welchen Nutzen hat nun die „Riedlingsdorfer Schwarzerde“? „Der wichtigste Vorteil aus Konsumentensicht: Der Gemüseertrag steigert sich signifikant.“ Auf bis zu 25 kg pro Quadratmeter, verrät der Unternehmer. Im Vergleich zu sechs bis sieben Kilogramm bei herkömmlicher Erde. „Durch den Nährstoffreichtum gedeihen die Pflanzen wesentlich besser, zudem spart man sich Düngemittel und ist besser gegen Schädlinge und Krankheiten geschützt. Denn der beste Dünger bzw. der beste Pflanzenschutz ist immer der richtige Boden. Das wird oft vergessen!“ Neben dem Verkauf ab Werk gelang es Dunst auch, seine Schwarzerde ins Sortiment der Gartencenter-Kette „Bellaflora“ zu bringen. „Der Verkauf im ersten Jahr verlief sehr vielsprechend.“

Torffreie Erde
Die „Riedlingsdorfer Schwarz­erde“ stellt nur ein Produkt eines 20 Sorten umfassenden Firmen-Portfolios dar: Zu den Top-Sellern des Unternehmens zählen etwa auch Rasenerde sowie Hochbeeterde. Im Sortiment finden sich auch Anzuchterde, Blumenerde oder Moorbeeterde. Jedes Produkt ist in seiner individuellen Zusammensetzung für seine entsprechende Anwendung optimiert. „Unsere Moorbeeterde ist komplett torffrei“, berichtet Dunst. „Schließlich zerstört der Torf­abbau Feuchtbiotope unwiederbringlich, und der im Torf gespeicherte Kohlenstoff wird als CO2 in die Atmosphäre freigesetzt, was den Klimawandel weiter anheizt.“

Neue Klima-Chance
Und gerade der Kampf gegen den Klimawandel ist dem Mitbegründer und Förderer der Ökoregion Kaindorf ein Riesenanliegen, mehr noch: Lebensaufgabe. Sein wichtigstes Mittel in diesem Kampf ist ein ebenso naheliegendes wie vielfach unterschätztes: der Boden. „Unser Böden haben die Möglichkeit, enorme Mengen CO2 in Form von Kohlenstoff zu speichern“, weiß Gerald Dunst, Autor des Buchs „Humusaufbau – Chance für Landwirtschaft und Klima“. Die Grundidee: Eine Landwirtschaft, die Humusaufbau betreibt, erhöht nicht nur die Bodenqualität und damit die Ernährungssicherheit, sondern trägt auch aktiv zum Klimaschutz bei. „Durch die industrielle Landwirtschaft der vergangenen Jahrzehnte sind die Böden weltweit in einem besorgniserregenden
Zustand. Immer mehr Dünger und Pflanzenschutz muss aufgewendet werden, um Ernten sicherzustellen. Höchste Zeit, dass wir endlich umdenken“, fordert Dunst. Humusaufbau sei daher das Gebot der Stunde, um die Ernährung unseres Planeten nachhaltig zu sichern. Winterbegrünung, der Verzicht auf Chemie sowie schonende Bodenbearbeitung sind die wichtigsten Maßnahmen für einen Aufbau der nährstoffreichen Humusschicht im Boden. Auch der Einsatz von Pflanzenkohle leistet einen positiven Beitrag. „Soeben haben wir einen Großauftrag aus Kalifornien zur Lieferung von Pflanzenkohle erhalten. Die Böden sind dort durch die Trockenheit in einem besonders schlimmen Zustand.“

Der positive Begleiteffekt: Das Klima wird geschützt. Denn Humusaufbau bindet – chemisch gesehen – CO2 aus der Atmosphäre und speichert ihn als Kohlenstoff im Boden, wo er wiederum das Pflanzenwachstum ankurbelt. „Der Boden ist der Ort, wo CO2 bzw. der Kohlenstoff hingehört! Die Bedeutung dieses Themas für Klima und Landwirtschaft wurde von der Politik leider noch nicht erkannt“, bedauert Dunst. „Das darin liegende Poten­zial für die Zukunft der Gesellschaft ist enorm.“ Aus diesem Grund arbeitet Dunst auch eng mit Universitäten und Forschungseinrichtungen zusammen. Der Steirer, der regelmäßig Humustage und Fachsymposien veranstaltet, ist auch Öster­reich-Vertreter in einem EU-Gremium zum Thema Pflanzenkohle. Immer wieder laufen Tests und Forschungsprojekte. Zuletzt forschte er an einer kostengünstigen Form eines Bodenaktivators, der zur Humusbildung im landwirtschaftlichen Einsatz beitragen sollte. Ein EU-Projekt in der Höhe von 60.000 Euro. „Leider wurde ich von der zuständigen Kontrollstelle wie ein Krimineller behandelt und wegen einer Abweichung von 1,50 Euro so lange gepiesackt, bis ich beschloss, das Projekt schweren Herzens aufzugeben“, beklagt der Unternehmer die unzulängliche Förderpolitik für heimische KMUs. „Das System gehört gründlich überdacht“, fordert Dunst. „Leider werden auch von Bankenseite derzeit kaum Finanzmittel freigegeben. Eine Katastrophe für Start-ups oder investitionswillige Unternehmer! Daher werde ich die nächsten Projekte wohl über Privatinvestoren finanzieren. Das Thema ist einfach zu wichtig und die Zukunftschancen sind riesig.“

 

Sonnenerde
Gegründet 1998 von Gerald Dunst. Der gebürtige Sebers­dorfer ist Absolvent der BOKU Wien, langjähriger Kompostberater im In- und Ausland, Mitbegründer der Ökoregion Kaindorf, Initiator des Kaindorfer „Humusprojekts“, Autor von Fachbüchern (siehe unten), Mitglied des COST-Komitees der EU zum Thema Pflanzenkohle, Preisträger des TRIGOS-Awards und des Klimaschutzpreises. Verheiratet, zwei Kinder.
Die Firma Sonnenerde – angesiedelt im burgenländischen Riedlingsdorf bei Pinkafeld – ist spezialisiert auf die Produktion von Qualitätserden. 20 unterschiedliche Sorten im Sortiment, darunter die „Riedlingsdorfer Schwarzerde“. 14 Mitarbeiter, Jahresproduktion 30.000 t Erde.
www.sonnenerde.at

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