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Top 20 Green Innovationen

Fassaden-Innovationen, Licht-Revolutionen Turbo-Lader für E-Autos oder faltbare Solar-Kraftwerke: Der BUSINESS Monat präsentiert 20 steirische Entwicklungen, die ökologische Durchbrüche mit Markterfolgen in Einklang bringen.

Text: Wolfgang Schober, Fotos: Helmut Jokesch, BDI, William Kelly/Binder+Co, CTP, Cubox, Bernhard Monschein, Ecocan, Energie Steiermark, Ensowa, iTech, Joanneum Research, Neovoltaic, NRG-X, Robert Frankl/Perception Park, Robert Sommerauer/Saubermacher, Sissi Furgler/Winterface, Leitner Tom/Zellstoff Pöls, beigestellt, Oliver Wolf, Sunny Bag

 

Fingerzeig in Richtung Zukunft

Noch fehlt der Glitzer-Mantel und der konisch in den Himmel ragende Stumpf wirkt etwas nackt. Doch schon bald wird sich der Science Tower in der Grazer Waagner-Biro-Straße seine Hightech-Schale überwerfen und damit seiner ihm im Vorfeld zugedachten Leuchtturm-Rolle – erst einmal optisch – voll gerecht werden. Daran, dass der 60 Meter hohe Turm des steirischen Leitunternehmens SFL technologies diese Rolle auch inhaltlich ausfüllen wird, zweifelt ohnehin niemand. Leitprojekt der Smart City Graz, städtebauliches Wahrzeichen und weithin strahlender Leuchttturm der potenten steirischen Green-Tech-Szene. Dafür sorgen nicht weniger als 20 wegweisende Energietechnologien, die im Gebäude zum Einsaz kommen. Diese reichen von der Nutzung einer Energieglas-Fassade (Grätzelzelle) bis zu Urban Farming im Biosphere-Kleinklima am Dach. Bereits mit Beginn des Jahres werden die ersten Mieter einziehen, die offizielle Eröffnung ist für Frühjahr geplant. Unter den Mietern befinden sich unter anderem der Green-Tech-Cluster Steiermark, das Zentrum für Klima, Energie und Gesellschaft der Joanneum Research und der Crowdfunding-Spezialist Green Rocket. Die Firma SFL selbst wird die 12. Etage – direkt unter dem Urban Garden – nutzen. Für SFL-Geschäftsführer Mario Müller geht damit ein Traum in Erfüllung: „Es ist die Vollendung von zehn Jahren Arbeit! So lang gibt es bereits die Idee, ein Kompetenzzentrum für die Entwicklung zukunftsweisender, urbaner Technologien zur Verbesserung der Situation in Städten zu schaffen – eine wesentliche Grundlage für künftige Smart Citys auf unserem gemeinsamen Raumschiff Erde. Mit dem Science Tower wird anschaulich gezeigt, dass die Integration von Technologien wie dem Energieglass funktioniert – denn Menschen glauben nur wirklich, was sie funktionell sehen, angreifen und damit verstehen können. Generell sollte der Science Tower nicht als Objekt an sich, sondern als Botschaft mit dem Fingerzeig in Richtung Zukunft verstanden werden.“


Hightech-Heizfolie für E-Autos

Das Reichweitenproblem ist auch ein Heizproblem. Bei Elektroautos zwingt die mangelnde Abwärme eines Verbrennungsmotors zum Betrieb eines stromfressenden Heizsystems, will man im Winter nicht frieren. Ein Komfort, der auf Kosten der Reichweite des E-Mobils geht. Abhilfe schaffen könnte eine Entwicklung des steirischen Start-ups ATT mit Sitz in Dobl. Das junge Unternehmen rund um Peter Oberauer (Bild l.) und Christian Kussmann (r.) entwickelte mit dem ATT-Powerfilm eine Hightech-Folie, die sich in die Innenverkleidung von Autos integrieren lässt und dort für wohlige und energieeffiziente Wärme sorgt. „Ob Türenverkleidung, Sonnenblende oder Armaturenbrett – unsere Folie lässt sich passgenau und für den Nutzer unsichtbar in verschiedenste Elemente einbauen. Gegenüber herkömmlichen Heizsystemen sind damit Energieeinsparungen von bis zu 20 Prozent möglich“, erklärt Peter Oberauer, der zuletzt einen Mercedes G zu Testzwecken mit dem Powerfilm ausstattete. Längst bestehen Kooperationen mit der deutschen Automobilindustrie, die die steirische Technologie für ihre E-Mobility-Entwicklungen testen. Auch eine zweite Anwendung der Powerfolie verspricht hohes Potenzial in der E-Mobilität. Oberauer: „Der Powerfilm eignet sich auch dafür, die Batterie thermisch zu konditionieren – das heißt vorzuwärmen oder abzukühlen – und damit die Ladeleistung zu verbessern“. Der Clou an unserer Entwicklung, verrät der Firmengründer, besteht in der spezifischen Materialzusammensetzung. „Es sind leistungsfähige Polymere, die ganz ohne Drähte auskommen, aber ein optimales Strahlungsverhalten aufweisen.“


Thermischer „Maßanzug“ für Gebäude

Automatisiert und maßgeschneidert – eine Revolution in der thermischen Sanierung von Gebäuden verspricht eine Entwicklung des Grazer Start-ups wInterface. Das Unternehmen erzeugt thermische „Maßanzüge“ für Immobilien – mithilfe industrieller Methoden sowie modernster Digitalisierungstechnik. Das Prinzip: Hochauflösende Kameras vermessen Gebäude digital und liefern Daten für ein 3D-Modell der Fassadenoberfläche. Auf Basis dieses Modells produziert eine Fertigungsanlage automatisiert individuelle Fassadenmodule, die auch Mauerkanten und Fensterleibungen exakt berücksichtigen. Die Module werden schließlich auf die Baustelle geliefert, wo ein patentiertes Schienensystem eine einfache und schnelle Montage ermöglicht. „Statt mehrerer Wochen wie sonst üblich ist die Montage damit in nur wenigen Tagen abgeschlossen“, erklären die wInterface-Gründer Wolfgang Winter (Bild) und Ingo C. Riemenschneider. „Nicht nur ein großer Zeitgewinn, sondern auch eine erhebliche Entlastung für die Anrainer.“ Abgesehen vom ökologischen Mehrwert. Für die Wärmedämmung stehen künftig vermehrt Hanf- und Holzfaserdämmplatten – neben EPS und Mineralwolle – zur Verfügung. „Jedes unserer Fassadenelemente kann rückstandsfrei demontiert, sortenrein getrennt und recycelt werden“, betont Winter. Und auch einen ästhetischen Zusatznutzen bietet das Unternehmen, das in Brodersdorf eine Produktionsanlage betreibt: Unter dem Titel „digital fresco“ ist es möglich, die Fassaden mit digitalen Bildern zu versehen. Das Potenzial für seine Anwendung hält Wolfgang Winter für enorm. „Die Hälfte der EU-Bevölkerung lebt in Plattenbauten aus den 50er- bis 80er-Jahren. Entsprechend groß ist der Sanierungsbedarf sowie die Nachfrage nach industriellen Lösungen.“


 

Es werde Öko-Licht

LED-Leuchten erobern seit Jahren die Welt des Lichts und bringen mehr Effizienz in unser Leben. Wie man eine ohnehin bereits umweltfreundliche Technologie noch effizienter macht, beweist die Entwicklung des Leobener Unternehmens EcoCan, das mit einem LED-Booster für Furore sorgt. Dieser Booster schafft es dank ausgeklügelter Kombination von LED-Leuchtmittel, Reflektoren und einer speziell entwickelten optischen Folien, den Output der Leuchten wesentlich zu steigern. „Der Clou besteht in einer optimierten Art der Lichtlenkung, die Energieeinsparungen von bis zu 70 Prozent ermöglicht. Auch die Lichtqualität wird positiv beeinflusst – wir schaffen somit Balsam für die Augen“, erklärt Werner Färber, Gründer des Unternehmens, das dafür heuer auch mit dem „Fast Forward Award“ ausgezeichnet wurde. Vor allem im Industrie- und Gewerbebereich sind die Lösungen aus Leoben gefragt. Großbetriebe wie Magna, Böhler und voestalpine haben bereits Industriehallen mit LED-Boostern ausgerüstet. Auch eine Tennishalle in Bruck erstrahlt nach dem Upgrade durch EcoCan in neuem, bestem – und umweltfreundlichem – Licht. Entsprechend ambitioniert ist auch der Businessplan von Walter Färber. Demnach soll die Firma, die derzeit 1,2 Mio. Euro Umsatz erzielt, im Jahr 2020 bereits die 5-Mio.-Euro-Umsatzgrenze knacken. „Das Marktpotenzial ist riesig. Entscheidend wird sein, inwieweit die Folienindustrie, vor allem in den USA, dieses Potenzial erkennt und auf den Zug aufspringt.“


All-in-one für Energieautarkie

Komplettlösungen aus einer Hand – zur Steigerung der Energieautonomie in privaten Haushalten. Damit will das Hartberger Unternehmen neovoltaic die Zukunft der dezentralen Energieversorgung im Privatbereich entscheidend mitgestalten. Im Zentrum steht ein System, das Strom, Wärme, Energiespeicher, aber auch Ladelösungen für E-Mobility sowie Smart-Home-Steuerungen auf einer Plattform kombiniert. „Der Kunde will weder verschiedene Anbieter noch verschiedene Apps, sondern Lösungen aus einer Hand, die mit einer App zu steuern sind“, erklärt Werner Posch, Gründer und Geschäftsführer von neovoltaic den Nutzen einer All-in-one-Lösung. Zur Grundausstattung Photovoltaik plus Stromspeicher – einer leistungsstarken Lithium-Eisen-Phosphat-Batterie – kann der Kunde je nach Bedarf zusätzliche Module wie Ladelösungen für E-Autos wählen. Als Beispiel optimierter Vernetzung nennt Posch innovative Infrarot-Panele, die von der Photovoltaik-Anlage mit Überschussenergie gespeist werden und somit vor allem in der Übergangszeit ressourceneffizient als Wärmespeicher dienen. „Das Potenzial für unser Produkt am Markt ist riesig, neben Österreich zielen wir auch auf Deutschland und die Schweiz.“ Zur Finanzierung der Expansionsstrategie sowie der weiteren Produktentwicklung holte sich das Unternehmen auf der Crowdinvesting-Plattform Conda nun frisches Kapital.


Innovationslust für reine Luft

Ein „Hidden Champion“ der steirischen Green-Tech-Branche findet sich in der Grazer Schmiedlstraße. Hier gibt es nicht nur Luft für Ideen, sondern vor allem Ideen für die Luft – und zwar reine Luft in aller Welt. Die CTP Chemisch Ther­­mische Prozesstechnik GmbH entwickelt maßgeschneiderte Abluftreinigungssysteme für Industrieunternehmen, ihre Innovationen kommen in Produktionsbetrieben rund um die Erde zum Einsatz. Rund 95 Prozent beträgt der aktuelle Exportanteil von CTP, einem der weltweiten Marktführer im Bereich industrieller Abluftreinigung. „Um die weltweit jeweils spezifischen Emissionsnormen für Luftschadstoffe einhalten zu können, kommen Verfahren der Oxidation, Reduktion, Absorption, Adsorption und Filtration zum Einsatz“, erklärt Michael Klimisch, CEO des vor 30 Jahren gegründeten Grazer Familienunternehmens. Aktuell konnten neue Entwicklungen für die Zementindustrie realisiert werden, zudem wurde die größte Abgasreinigungsanlage für ein Zementwerk in die USA geliefert. „Eine besondere Herausforderung stellen die enormen Abluftvolumenströme in Zementwerken dar, die bei möglichst minimalem Energieeinsatz behandelt werden sollen“, so Klimisch. „Um maßgeschneiderte Lösungen zu entwickeln, kommen neueste Simulationswerkzeuge zum Einsatz, um bereits in der Designphase optimale Systeme bezüglich der Gesamtgeometrie und der Anordnung der Einzelkomponenten finden zu können.“


Wenn Bakterien Öl fressen

Das erste Projekt in China geriet gleich zur Punktlandung. Ein großes Gelände einer ehemaligen Dieselmotorenfabrik in Dalian in Ostchina war von Mineralölen schwer kontaminiert. Eine Sanierung war dringend geboten. Normalerweise werden Probleme dieser Art mit Baggern und einem Abtragen großer Erdmassen gelöst. Im Gegensatz dazu steht das schonende Verfahren des oststeirischen Unternehmers Karl Putz (Bild, M.). Dessen innovative Lösung basiert auf dem Einsatz von Mikroorgansimen, die eine „in-situ Sanierung“ von kontaminiertem Boden und Grundwasser an Ort und Stelle kostengünstig und umweltfreundlich bewerkstelligen. Kurz gesagt: Bakterien fressen das Öl auf. „Innerhalb von sechs Monaten konnte das Grundstück in Dalian auf diese Weise saniert werden“, freut sich Karl Putz über den Exporterfolg von steirischem Know-how. Dazu schloss seine Firma ensowa, angesiedelt im Umweltkompetenzzentrum Wechselland-Schäffern, wo das Verfahren auch entwickelt wurde, einen Lizentvertrag mit einem großen chinesischen Partner ab. Weitere Lizenzpartner für Europa werden derzeit gesucht. Hier sieht Putz vor allem im Bereich ehemaliger Tankstellen, Raffinerien, Flughäfen oder Militäranlagen großes Potenzial. Auch Partner für Beteiligungen kann sich der Ziviltechniker vorstellen. „Schließlich wollen wir weiter in die Forschung & Entwicklung investieren und an der weiteren Optimierung unserer Methode arbeiten.“


Recycling-Hightech-Augen

Eine Technologie, die Chemie sichtbar macht und damit ökologische Prozesse ermöglicht. Das Grazer Start-up Perception Park entwickelte ein innovatives Verfahren zur hyperspektralen Bildverarbeitung, das es erlaubt, Daten über die molekulare Zusammensetzung von Materialien in einem einfachen Farbformat darzustellen. Die Innovation verleiht Kameras damit die Fähigkeit, unterschiedliche Stoffe – je nach chemischer Struktur – in Farbe zu sehen. Der Nutzen: Im industriellen Prozess können dadurch Stör- und Fremdstoffe in Echtzeit erfasst und ausgeschieden werden. Das macht die Technologie vor allem in der Recycling-Industrie gefragt, etwa, wenn es darum geht, PVC von anderen Kunststoffen zu trennen. Anwendungen gibt es aber auch in der Lebensmittel- und Pharmabranche. „Zu unseren Kunden zählt etwa der weltgrößte Sortiermaschinenbauer“, freuen sich Perception-Park-Gründer Markus Burgstaller und Manfred Pail, die an der weiteren Entwicklung ihres Produkts arbeiten. 2016 wurde dieses von deutschen Fachmagazin „InVision“ zur Top-Innovation des Jahres gekürt, auch ein Innovationsaward eines US-Magazins ging an die Grazer, die sich auch für die Vernetzung innerhalb der Branche stark machen. Im Juni 2017 findet bereits die 2. Auflage einer Konferenz zum Thema „Hyperspectral Imaging“ in Graz statt.


Ladetechnik für E-Autos

Problem erkannt, Problem gebannt. Da Dietmar Niederl mit herkömmlichen Ladestationen für sein privates Elektroauto unglücklich war, entwickelte der langjährige Entwicklungstechniker für Hochvoltbatterien von E-Fahrzeugen kurzerhand sein eigenes System. Die mobile Ladeeinheit NRGkick gilt seither als kompakteste Ladelösung auf dem Markt und wurde bereits in 16 Länder exportiert. Der Clou an dem Gerät: NRGkick kann sowohl im Fahrzeug mitgeführt als auch zuhause anstelle einer handelsüblichen Wallbox verwendet werden. „Unser System ermöglicht das schnelle und sichere Laden einer E-Auto-Batterie an jeder gewöhnlichen Steckdose – egal, ob Starkstrom, Schuko, 1- oder 3-phasig“, erklärt Niederl, Gründer der DiniTech GmbH. „Darüber hinaus sorgt ein ausgeklügelter, integrierter Fehlerstromschutz für höchste Sicherheit beim Laden.“ NRGkick lässt sich auch über das Smartphone steuern, relevante Daten wie Ladeleistung oder geladene Energiemengen können bequem via App angezeigt werden. Auch Ladekosten und CO2-Ersparnis lassen sich darstellen. „Die Ladeleistung ist während der Ladung stufenlos bis 22 kW verstellbar und kann etwa der Leistung einer Photovoltaik-Anlage angepasst werden.“ Entwickelt und produziert wird NRGkick in St. Stefan im Rosental. „Das garantiert höchste Qualität in der Ausführung“, betont Niederl.


Eine Solarbox für viele Fälle

Am Luxusstrand von Dubai, am Trainingsgelände des BVB Dortmund und schon bald vor der Grazer List-Halle. Die Aufstellorte der Cubox sind so vielfältig wie ihre Einsatzmöglichkeiten. Die „Cubox“ – eine steirische Entwicklung aus dem Hause HBT Energietechnik in Judenburg – ist ein solarbetriebener Multifunktionsstand, der wahlweise als Bar, Eissalon, Infostand, Game-Station und vieles mehr betrieben werden kann. Eines ist allen Konfigurationen gemein: die stylische, würfelförmige Box ist mobil, modular und robust und erzeugt dank High-Performance-Photovoltaik-Modulen Energie, die in leistungsstarken Batterien für eine hohe Autonomie gespeichert werden kann. Firmengründer und Öko-Visionär Heinz Bartelmuss: „Hauptmärkte für die Cubox derzeit sind Österreich, Deutschland, Südeuropa und der Arabische Raum, aber auch in Südafrika, den USA und Teilen Asiens sehe ich gute Chancen.“


Bestens sortiert für den Weltmarkt

Begonnen hat alles in den späten 80er-Jahren, als der Gleisdorfer Maschinenbauer Binder+Co erste Sortiergeräte für die Altglasaufbereitung entwickelte. Diese konnten Glasscherben von Fremdstoffen wie Keramik, Steine und Porzellan befreien. Heute gelingt es mit dem Sortiergerät „Clarity“ nicht nur Störstoffe abzutrennen, sondern gleichzeitig auch nach Farben und Materialarten zu sortieren – und das in unterschiedlichsten Varianten. Das macht das Sortiersystem für Aufgabenstellungen aus der ganzen Welt einsatzfähig. Mit über 1.700 verkauften Maschinen, die zur Sortierung von Abfällen wie Verpackungsmüll, Elektronikschrott, Bauschutt und Altglas verwendet werden, ist Binder+Co ein bedeutender Vertreter der Green-Tech-Industrie aus der Steiermark und Weltmarktführer in den Bereichen Siebtechnik und Glasrecycling. Für Karl Grabner, Vorstand von Binder+Co, liegen die Herausforderungen für steirische Green-Tech-Unternehmen darin „unseren technologischen Vorsprung weiter auszubauen. So ist es besonders wichtig, beständig an Produktverbesserungen zu arbeiten und auch völlig neue Denkansätze zu fördern“. Daher hat Binder+Co mit BUBLON im Jahr 2012 eine Technologie zur Herstellung von mineralischen Leichtstoffgranulaten entwickelt, um etwa Mikroplastik durch einen natürlich vorkommenden und leicht recycelbaren Rohstoff zu ersetzen.


Schnelles Laden mit Komfort

Die E-Revolution läuft zwar noch nicht auf Hochtouren, aber holt langsam Schwung. Mit ihr steigt auch die Nachfrage nach optimierten Ladelösungen. Einen spannenden neuen Ansatz dazu liefert das Grazer Start-up NRG-X. Dessen Technologie setzt auf vollautomatisches, weitgehend kabelloses Laden, ohne den Effizienzverlust eines induktiven – auf Magnetfeldern basierenden – Systems in Kauf nehmen zu müssen. „NRG-X bietet ein Mehr an Komfort bei sehr hohen Ladeleistungen. Damit verbinden wir die Vorteile beider bestehenden Systeme – kabelgebunden und induktiv – ohne deren jeweilige Nachteile“, erklärt Christian Flechl, Gründer von NRG-X. Sein System besteht aus einer dünnen Platte, das am Fahrzeugboden montiert wird und einem Kontaktierungsmodell, das auf dem Parkplatz zum Einsatz kommt. Stellt man das Fahrzeug ab, dockt das Modul am Auto an und der Ladevorgang startet automatisch. „Das System soll für die meisten E-Car-Modelle nachrüstbar sein“, betont Flechl, der mit einer weiteren Entwicklungszeit von 18 Monaten bis zur Marktreife rechnet. „Unsere Technologie eröffnet auch ganz neue Möglichkeiten für das autonome Fahren“, so Flechl. Aber auch die Potenziale künftiger Smart Grids, die E-Auto-Batterien als Stromspeicher nutzen, werden von NRG-X ideal unterstützt.


„Smart Mining“ auf Steirisch

Ein starkes Signal im Bereich Kreislaufwirtschaft setzt der steirische Entsorgungsriese Saubermacher. In Zeiten zunehmender Rohstoffknappheit kommt der Rückgewinnung von Materialien aus Altgeräten eine immer größere Bedeutung zu. Mit der jüngst erfolgten Inbetriebnahme einer Aufbereitungsanlage für Elektroaltgeräte trägt Saubermacher diesem Trend Rechnung. In einer Halle im verkehrsgünstig gelegenen St. Michael werden künftig Elektrokleingeräte wie Handys, Toaster, Kaffeemaschinen & Co. sortiert, zerkleinert und sortenrein getrennt, ehe sie als werthaltige Sekundärrohstoffe zurück in den Kreislauf geführt werden. Bis zu 20.000 Tonnen gebrauchter oder kaputter Elektrokleingeräte sollen jährlich auf diese Weise verwertet werden. Wertvolle Rohstoffe wie Eisen, Zink, Kupfer oder Kunststoffe lassen sich in 10 bis 15 Behandlungsschritten aus dem Geräteabfall gewinnen. Im Schnitt werden etwa 85 % des Inputmaterials stofflich und etwa 10 % thermisch verwertet. Schadstoffhaltige Bauteile wie Kondensatoren oder Batterien werden entfernt und ordnungsgemäß entsorgt bzw. über spezielle Verfahren recycelt. Eine Million Euro investierte Saubermacher in die Anlage, für die Nutzung besteht eine Kooperation mit dem obersteirischen Entsorgungsunternehmen Anton Mayer.


Wertstoff-Produktion „per Zufall“

Der Effekt ist in der Wissenschaftsgeschichte nicht unbekannt: Man sucht nach einer Lösung für Problem A, findet stattdessen aber die Lösung von Problem B. Die Entdeckung der Röntgenstrahlung geht ebenso auf diese Art „Zufall“ zurück wie die Entwicklung des Penicillins. So auch im Falle des steirischen Biodieselanlagenbauers BDI – BioEnergy International AG. Das Grambacher Unternehmen startete vor einigen Jahren mit einem Forschungsprojekt, um Biodiesel aus Algenöl zu produzieren. Das Ergebnis: technisch möglich, jedoch wirtschaftlich nicht darstellbar. Im Zuge dessen wurde aber auch herausgefunden, dass Algen wahre Hochleistungsreaktoren sind. Daraufhin entwickelte BDI ein neuartiges, geschlossenes Algenzuchtsystem. Dieses garantiert eine konstante und wirtschaftliche Produktion von hochqualitativen Algenwertstoffen, die zunehmend als Rohstoffe in der Nahrungsergänzungsmittel- und Kosmetikindustrie Verwendung finden. Nach erfolgreichen Tests in einer Pilotanlage gelang es, diese Technologie auf Industriemaßstab auszuweiten. Dazu wurde ein eigenes Unternehmen, die „BDI – BioLife Science GmbH“, gegründet. Noch in diesem Jahr startet der Bau einer Produktionsanlage für Algenwertstoffe im Ökopark in Hartberg. BDI-Vorstandsmitglied Edgar Ahn: „Wir sind stolz darauf, dass wir unsere Stärke im Bereich Forschung und Entwicklung erneut unter Beweis stellen konnten. Es ist uns gelungen, eine innovative Eigentechnologie zur Industriereife zu bringen und damit die Möglichkeit für den Eintritt in ein neues, erfolgsversprechendes Geschäftsfeld zu generieren.“


100.000 Tonnen weniger CO2

Papierindustrie und Umweltschutz? In der Vergangenheit oftmals eine Problembeziehung, beweist die obersteirische Zellstoff Pöls AG heute dank innovativer Umweltschutzmaßnahmen hohe Öko-Verträglichkeit. So setzt der größte Hersteller von hochwertigem, elementar chlorfrei gebleichtem Langfaser-Sulfatzellstoff in Mittel- und Südosteuropa vorwiegend auf Durchforstungsholz aus heimischen Wäldern und achtet darauf, den wertvollen Rohstoff bestmöglich zu nutzen: Holz wird einerseits stofflich verwertet und andererseits für die Gewinnung von Energie verwendet. Die bei der Zellstoffproduktion entstehende Wärmeenergie versorgt nicht nur die Fabrik selbst, sondern darüber hinaus mehr als 15.000 Haushalte in der Region mit Fernwärme. Auch der bei der Produktion entstehende Dampf wird mit einer Dampfturbine zu elektrischer Energie umgewandelt, mit der rund 20.000 Haushalte mit Strom versorgt werden. Um die Emissionen so gering wie möglich zu halten, wird das Abwasser aus der Produktion in einer biologischen Abwasserreinigungsanlage gereinigt. Die installierte Reinigungsleistung entspricht einer kommunalen Kläranlage für eine mittlere Großstadt von 200.000 Einwohnern. Durch die Herstellung und Lieferung von Fernwärme und Ökostrom sowie der anfallenden Nebenprodukte Tallöl und Terpentin können jährlich mehr als 100.000 Tonnen an fossilem CO2 eingespart werden. Daraus ergibt sich für den Standort unterm Strich eine positive CO2-Bilanz!


Solares Instant-Kraftwerk

Das Stainzer Technologie- und Entwicklungsunternehmen i-Tec Styria – bekannt geworden durch die Entwicklung innovativer Elektrofahrzeuge wie dem „Jet-Flyer“ – sorgt mit der Entwicklung eines Off-grid-PV-Systems für Aufsehen. Das faltbare Photovoltaik-System rund um einen mobilen Container eignet sich ideal für die schnelle Stromversorgung dislozierter Gegenden – ob in Entwicklungsländern oder bei der Katastrophenhilfe. „Die Nennleistung von 80 bzw. 40 kWp reicht aus, um kleine Dörfer binnen Stunden mit Strom grundzuversorgen“, erklärt Geschäftsführer Gernot Hiebler den Nutzen der kleinen Instant-Kraftwerke. Die ersten Container wurden bereits ausgeliefert.


Forschung gibt „grünes“ Licht

Um das „Werkzeug Licht“ künftig nachhaltiger und ressourceneffizienter zu nutzen, forscht ein Expertenteam von „Materials“, dem Institut für Oberflächentechnologien und Photonik der Joanneum Research, am Projekt „Green Photonics“. Im Zentrum steht dabei das Thema Lichtlenkung. „Das heißt, wir designen – also berechnen – Strukturen, die das Licht in die gewünschte Richtung lenken sollen“, erläutert Projektleiter Christian Sommer. Diese Designs werden dann für die gewünschte Anwendung maßgeschneidert und mittels optischer Simulationen überprüft, also virtuell getestet. Damit kann den Anwendern vorab eine gute Einschätzung der Einsparungspotenziale geliefert werden.


Erstes Solar-Hybridpanel zum Tragen

Das steirische Start-up SunnyBag, seit Jahren führender Anbieter bei Taschen und Rucksäcken mit integrierten Solarpanelen, launcht seine neueste Innovation: Bei „SunnyBag LEAF+“ werden erstmals zwei unterschiedliche, weltweit führende Solartechnologien in einem Produkt vereint. Zusätzlich zum flexiblen Solarpanel in der Mitte kommen nun zwei hocheffiziente Sunpower-Zellen am Rand hinzu. Die Kombination dieser Technologien ermöglicht es, ein breiteres Spektrum an Sonnenlicht mit einer Ausgangsleistung von insgesamt 6,2 Watt in Strom umzuwandeln. Für dieses erste Solar-Hybridpanel wurde nun auch eine Crowdfunding-Kampagne auf Kickstarter gestartet.


Steirische Win-Wind-Situation

Startschuss für ein neues steirisches Großprojekt in Sachen Erneuerbare Energie: Auf der Handalm im Bezirk Deutschlandsberg errichtet die Energie Steiermark das größte Windparkprojekt im Süden Österreichs. 13 Windräder werden ab 2017 jährlich 76 Gigawattstunden Ökostrom produzieren und mehr als 21.000 Haushalte mit grünem Ökostrom versorgen. Der Ökostrom aus den Anlagen wird direkt in das Umspannwerk Deutschlandsberg eingespeist, also vor Ort verbraucht. Die Gesamtleistung liegt bei 39 Megawatt. Die Investitionssumme beträgt 58 Millionen Euro.


Vitale Wasser-Ideen

Seit der Entwicklung des ersten Boxsystems Mitte der 90er-Jahre gilt Alois Mochart, Gründer der mhs in Stainz, als Vorreiter für nachhaltige und sichere Installationstechnik. Zuletzt sorgte der Öko-Visionär mit seinem mhs-Vitalsystem für Aufsehen. Dieses revolutioniert die Rohrführung der Wasserleitung im Haushalt und erlaubt das freie Fließen des Wassers im Gesamtsystem ohne bakterienfördernde Totleitungen. Somit bleibt das Wasser frisch, vital und keimfrei. Wissenswertes rund ums Thema Wasser – praktische Infos sowie faszinierende Erkenntnisse – vermittelt nun die jüngst eröffnete „Lebenswelt Wasser“ am Standort der mhs in Stainz. Ein Strom voller Ideen: alles fließt!

Schwerpunkt Thema

Ab jetzt steht der "BUSINESS Monat" nun jedes Mal unter einem umfassenden Schwerpunkt-Thema. Im September: "Zukunft".

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