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Fett im Öko-Business

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Biosprit & Ökospirit: Das oststeirische Unternehmen „Münzer Bioindustrie“ ist Österreichs Marktführer in der Biodieselproduktion und Europaspitze beim Recycling von Altspeisefetten. Wie aus einer „Spinnerei“ vor 25  Jahren eine Erfolgsstory wurde und warum Biodiesel zu Unrecht ein „fades Image“ genießt, erklärt Firmenchef Ewald-Marco Münzer.

Text: Wolfgang Schober, Fotos: Oliver Wolf, Marcin Robert Balc, Münzer Bioindustrie

 

Markant hebt sich die schwarz glänzende Fassade des Firmengebäudes von der grünen Landschaft ab und ist schon von der schmalen Zufahrtsstraße aus gut erkennbar. Hinter uns die A2 Südautobahn, ringsum blühende Mais- und Kürbisäcker. Highway und Botanik – der Sitz der Firma Münzer hat Symbolkraft. Nachwachsende Rohstoffe und der Anschluss ans internationale Business sind schließlich zwei Kernelemente des steirischen Familienunternehmens, einem buchstäblichen Hidden Champion der steirischen Green-Tech-Branche. Denn Münzer Bioindustrie ist der größte Biodieselproduzent Österreichs, zählt zu den Top 10 Europas und ist vor allem im Bereich abfallbasierter Kraftstoffproduktion absolute Europaspitze.

90 Prozent weniger Emissionen

Vor fünf Jahren übersiedelte das Unternehmen von Gleisdorf in den Gewerbepark Untergroßau bei Sinabelkirchen. „Wir sind am alten Standort bereits aus allen Nähten geplatzt und hierher auf die grüne Wiese gezogen“, erklärt Ewald-Marco Münzer, als er uns über das zwei Hektar große Betriebsgelände führt. Immer wieder rauschen schwere Spezialfahrzeuge im auffälligen Münzer-Design an uns vorbei. Selbstredend, dass Münzer für seinen Fuhrpark Biodiesel aus eigener Produktion einsetzt. So wie eine Vielzahl mitteleuropäischer Frächter, die ihre Lkws zu 100 Prozent mit pflanzlichen Kraftstoffen betanken. Ein Gutteil der Jahresproduktion von rund 200.000 Tonnen geht an Speditionsunternehmen in und außerhalb von Österreich, die für ihre Flotte auf eine Reinverwendung des Biosprits setzen. Der andere Teil wird an Großhändler bzw. Raffinerien geliefert, die den Biodiesel gemäß des gesetzlich vorgeschriebenen 7-Prozent-Anteils fossilen Treibstoffen beimengen. Eine Produktionsanlage sucht man auf dem Firmengelände vergebens. Die beiden Biodiesel-Werke finden sich im Ölhafen Lobau – in unmittelbarer Nachbarschaft der OMV – sowie in Gaishorn im Bezirk Liezen. In diesen Anlagen wird umweltfreundlicher Kraftstoff aus zweierlei Ausgangsmaterial hergestellt: einerseits aus technischen Pflanzenölen wie Raps oder Soja, andererseits aus entsorgten und gesammelten Altspeiseölen und -fetten. „Beide Varianten bewirken im Vergleich zu fossilen Quellen hohe CO2-Einsparungen“, betont der Firmenchef. „Bei der Produktion aus Altspeiseöl sind es sogar rund 90 Prozent weniger Emissionen.“ Ein Umstand, der Münzer besonders freut, schließlich ist der Anteil abfallbasierter Produktion in seinem Unternehmen überdurchschnittlich hoch. Und auch die Erfolgsgeschichte der Firma Münzer ist bis heute untrennbar mit der Sammlung alter Speiseöle verbunden.

Vor 25 Jahren gründete Ewald Münzer sen., der Vater der heutigen Geschäftsführer Ewald-Marco und Michael Münzer, die Firma und spezialisierte sich auf die Entsorgung flüssiger Abfälle. „Es war die Zeit, als die Umweltschutzvorschriften strenger wurden und Gewerbebetriebe wie Tankstellen oder Fleischereibetriebe verpflichtet wurden, Mineralöl- bzw. Fettabscheider zu installieren, um das Kanalnetz zu entlasten.“ Mit Spezialfahrzeugen sammelte und entsorgte Münzer diese Abfälle in den 90er-Jahren – darunter auch immer mehr Speiseöle und -fette. Zu dieser begannen steirische Pioniere rund um Universitätsprofessor Martin Mittelbach und der legendären SEEG-Gruppe in Mureck damit, Pflanzen- bzw. Altspeiseöle in Bio-Kraftstoffe umzuwandeln. Bald entstand die erste industrielle Großanlage des steirischen Biodiesel-Anlagenbauers BDI in Kärnten. „Da wir zu dieser Zeit bereits ein namhafter Sammler alter Speiseöle waren, wurden wir eingeladen, dieser Anlage unseren Rohstoff zu liefern“, so Münzer.

Erfolgsstory nach „Spinnerei“

„Es war eine hochspannende Zeit, in der auch mein Vater erkannte, dass die Zukunft seines Unternehmens nicht in der reinen Entsorgung, sondern in Re-use-Lösungen liegen würde.“ Auch die EU setzte Anfang des neuen Jahrtausends erste Signale, Alternativen zu fossilen Energieträgern künftig forcieren zu wollen. Vorzeichen, die Ewald Münzer sen. richtig deutete und ihn zu einer weitreichenden Entscheidung motivierten. Der Unternehmer beschloss, in den Bau einer eigenen Biodieselproduktionsanlage zu investieren und konnte schließlich 2006 das Werk im Ölhafen Lobau in Betrieb nehmen. „Rückblickend betrachtet eine extrem weitsichtige Entscheidung meines Vaters, da damals noch nicht klar war, welchen Weg die ganze Entwicklung nehmen würde. Vielen galt Spritgewinnung aus Pflanzen oder Abfällen zu jener Zeit noch als ziemliche Spinnerei“, betont Münzer.

Öko-Kreisläufe durch Altspeiseöl

Die „Spinnerei“ wurde zur Erfolgsstory. Und der First Mover zum Trendsetter – nicht zuletzt durch die Sicherstellung stabiler Rahmenbedingungen der Europäischen Union, die den verpflichtenden Anteil an der Beimengung zu fossilen Treibstoffen sukzessive erhöhte. Heute beträgt dieser bekanntlich sieben Prozent. „Was uns von Beginn an auszeichnete, war unser kompromissloses Bekenntnis zu höchster Qualität, die gerade in dem sensiblen Kraftstoffbereich entscheidend ist“, so Ewald-Marco Münzer, der seit 2006 im Unternehmen agiert und nach dem Ausscheiden des Vaters nahtlos an die positive Entwicklung anknüpfte. Im Jahr 2014 erwarb dieser mit dem Werk in Gaishorn im Paltental eine zweite Produktionsanlage. Mit dieser Anlage aus der Insolvenzmasse des früheren Betreibers sicherte der oststeirische Unternehmer nicht nur rund 30 Arbeitsplätze, sondern festigte auch seine Marktposition als Österreichs größter Biosprit-Produzent. Die jährliche Produktionskapazität könnte die Hälfte des österreichischen Biodieselbedarfs decken – zumindest in der Theorie. Praktisch liefert Münzer rund 60 Prozent seiner Menge ins benachbarte Ausland. „Unsere Aktivitäten erstrecken sich über einen Radius von 500 Kilometern. Das entspricht unserem regionalen Verständnis.“ In diesem Umkreis befinden sich die Abnehmer des Biodiesels, aber auch die Produzenten der Ölsaaten. Ebenfalls so regional wie möglich vollzieht sich die Sammlung der Altspeiseöle. Auch in dieser Sparte zählt Münzer seit einer jüngsten Übernahme zum größten Anbieter in Österreich. Rund 15.000 Tonnen Altspeiseöl werden jährlich von Hotellerie, Gastronomie und Gewerbe gesammelt und einer Wiederverwertung zugeführt. Darunter auch einer der größten heimischen Speiseölverwender, die Fastfood-Kette McDonald’s. „Wir sammeln deren Öl, verwandeln es in Biodiesel, stellen diesen dem Frächter von McDonald’s als Kraftstoff zur Verfügung, der wiederum auf umweltfreundliche Weise die Filialen in ganz Österreich beliefern kann – ein wunderschöner ökologischer Kreislauf“, erläutert Münzer. Auch der Großteil der Busse der Grazer Verkehrsbetriebe fährt mit Biokraftstoff des Marktführers.

Auch im Bereich der Sammlung zeigte Münzer hohe Innovationskraft: Dank neuartiger Kübelsysteme, die in puncto Hygiene, Hitzebeständigkeit und Praktikabilität überzeugen, konnte die gesammelte Menge bei Gewerbebetrieben in der Vergangenheit deutlich erhöht werden. Wermutstropfen bildet die Sammelmoral in privaten Haushalten. „Hier liegen die gesammelten Mengen deutlich unter den sammelbaren“, weiß Münzer, dessen Firma Privathaushalte freilich nicht direkt serviciert, sondern gesammelte Altöle der Bürger bei den Abfallwirtschaftsverbänden abholt. Münzers dringender Appell: „Wer im Privathaushalt Altöl sammelt, bringt der Kommune Geld und spart Kosten, weil er den Kanal entlastet – und darf sich darüber freuen, dass aus seinem Abfall Biokraftstoff wird.“

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Breites Portfolio

Ungetrübt ist hingegen die Entwicklung des Unternehmens selbst. Der Umsatz kletterte zuletzt auf 180 Mio. Euro, die Mitarbeiterzahl stieg auf 150. Das Geschäft brummt trotz niedrigem Rohölpreis. Dafür sorgen auch die anderen Geschäftsfelder des Unternehmens, das neben Biodieselproduktion und der Sammlung von Altspeiseölen auch in der Entsorgungswirtschaft tätig ist und innovative Dienstleistungen anbietet. Diese reichen von der Öltankreinigung und -demontage über die Wiederaufbereitung von Elektrokabeln bis zum Einsatz von Supersaugern bei der Entsorgung rieselfähiger Materialien. Ein breites Portfolio hoch spezialisierter Nischen.

Erfolgsmodell statt Hippness-Faktor

Alles happy-peppi also in Sinabelkirchen, alles im „grünen“ Bereich? Nicht ganz. Eine Sache stößt Ewald-Marco Münzer sauer auf. „Biodiesel ist gerade hierzulande eine Erfolgsgeschichte, die Steiermark ist in diesem Bereich absolutes Pionierland“, so der Unternehmer, „dennoch sind Image und Stellenwert von Biodiesel in der Öffentlichkeit nicht sehr hoch – und das ist schade.“ Das Land und auch die Politik können zu Recht sehr stolz auf das Erreichte sein. „Denn schließlich ist die Biodieseltechnologie eine absolut sinnreiche und grundvernünftige Möglichkeit ökologischer Energiegewinnung, die sich bestens bewährt hat und eine marktfähige Technologie darstellt, die ganz ohne Subventionen auskommt.“ Ganz abgesehen von den positiven volkswirtschaftlichen Auswirkungen dieser Energieform, wie auch eine Studie der Linzer Kepler-Universität bestätigt. Darin wird der österreichischen Biodiesel-Produktion eine Wertschöpfung von 870 Millionen Euro pro Jahr sowie Arbeitsmarkteffekte von mehr als 18.000 Beschäftigten zugeschrieben. „Biodiesel wirkt absolut positiv auf die regionale Wertschöpfung und leistet einen wichtigen Beitrag, die Abhängigkeit von fossilen Rohstoffimporten zu reduzieren“, betont Münzer. „Uns ist klar: Ein schnittiger Tesla mag hipper sein als ein Kübel Altspeiseöl, aber sowohl ökonomisch als auch ökologisch kann der heimische Biokraftstoff nicht hoch genug geschätzt werden“, so der Unternehmer, der Biodieseltechnologie freilich nicht für die einzig heilsbringende Lösung hält, aber überzeugt ist, dass es künftig ein Zusammenspiel vieler erneuerbarer Energiequellen braucht, um die Wende zu schaffen: „Es wird ein Mosaik unterschiedlicher Technologien sein, die sich nicht ersetzen, aber ergänzen. Elek-tromobilität wird ein wichtiger Faktor sein, aber auch Biodiesel wird aufgrund seiner vielen Vorteile noch lange eine große Rolle spielen.“ Die Gründe für manche Vorbehalte gegen Biokraftstoffe in der Vergangenheit seien längst obsolet. „Die Verwendung von Palmfett für Biokraftstoffe spielt in Österreich mit Sicherheit keine Rolle.“ Eine Diskussion, die dem Image der Branche geschadet hat – ebenso wie die Teller-Tank-Diskussion. „Ich sehe es positiv, dass diese Diskussion geführt wurde, aber das Thema spielt in der Praxis keine Rolle – in Europa werden keine Lebensmittel verspritet. In der EU braucht es für Biodiesel einen ,ökologischen Lieferschein‘ und damit ganz strenge Nachweise über die Herkunft der Rohstoffe“, bestätigt Münzer. „Zudem gibt es noch einen ganz praktischen Grund, warum das Teller-Tank-Thema in Europa nie ein echtes Problem war: Sieben Millionen Hektar Brachfläche zählt die EU derzeit. Von einer Knappheit kann man hier also sicher nicht sprechen.“

Münzer Bio­industrie GmbH
Gegründet im Jahr 1991 von Ewald Münzer, Vater des heutigen Firmenchefs. Start als Entsorgungsbetrieb für flüssige Abfälle. Seit 2006 Biodieselproduktion aus pflanzen- und abfallbasierten Ölen. Neben der Kraftstofferzeugung ­existieren zwei weitere Geschäfts­felder: die Sammlung von Alt-
fetten und -ölen (Marktführer in Österreich) sowie das Angebot von Entsorgungsdienstleistungen von gefährlichen und nicht gefährlichen Abfällen. Derzeit 150 Mitarbeiter, rund 180 Millionen Euro Umsatz.
www.muenzer.at

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