Online Ausgabe

Abonnement

Jahresabo
um € 20,00 

 

Schicken Sie eine E-Mail an:
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! , ein Fax an 0316/84 12 12-709 oder bestellen Sie telefonisch unter 0316/84 12 12-0.

Sonderprodukt

Sonderprodukt:
LUST AUF STEIERMARK


Die schönsten Seiten der Steiermark gibt's hier!

Fehler
  • [sigplus] Kritischer Fehler: Es ist zwingend erforderlich, daß der Bildordner im relativen Pfad in Bezug zum Stammordner für Bilder liegt.

Handwerk und Hightech

[sigplus] Kritischer Fehler: Es ist zwingend erforderlich, daß der Bildordner im relativen Pfad in Bezug zum Stammordner für Bilder liegt.

Eine Reise durchs steirische Handwerk: Lebkuchen für Hongkong, Heizkessel mit Öl-Phobie und Textilien aus Loden-Haltung. Tradition und Innovationsgeist reichen sich in heimischen Gewerbebetrieben die Hände. Der BUSINESS Monat blickte hinter die Kulissen des heimischen Handwerks und erfuhr dabei auch, wo den Meisterinnen und Meistern der Schuh drückt.

Text: Wolfgang Schober, Fotos: Shutterstock, beigestellt, Oliver Wolf, KANIZAJ MARIJA-M., HARRY STUHLHOFER, Robert Sommerauer, Tom Lamm, REGNER MICHAEL, Foto Fischer

 

Man kann auch aus den falschen Gründen das Richtige zum Thema machen. Das beweist die Diskussion um die Reform der Gewerbeordnung. Sie rückte eine Gruppe in den Fokus, die sonst kaum mediale Aufmerksamkeit genießt: heimische Handwerks- und Gewerbebetriebe. Viel war zuletzt von Reglementierungen, Teilgewerben und Nebenrechten die Rede, viel von Friedhofsgärtnern und Wäschebüglern sowie bunten Skurrilitätsblüten zwischen Paragrafen und Bestimmungen. Diskussionen, die sich lohnen, aber nicht den Blick verstellen dürfen auf die reale Lebenswelt des steirischen Handwerks. Eine Realität, die allein durch seine Quantität beeindruckt. So stellen die knapp 35.000 Handwerks- und Gewerbetriebe mit mehr als 110.000 Beschäftigten und fast 7.000 Lehrlingen hierzulande eine beachtliche Wirtschaftsmacht dar. Und malen das viel zitierte Bild vom Rückgrat der steirischen Wirtschaft in leuchtenden Farben. Haarrisse in diesem Bild entdeckt, wer einen vertiefenden Blick auf einzelne Bereiche wagt. Die Problemzonen sind nicht neu, umso mehr setzen die sich verschlechternden Rahmenbedingungen dem heimischen Handwerk zu. Allen voran der demografische Wandel und der damit einhergehende Fachkräftemangel sowie der bürokratische Auflagen-Overkill, der nicht so sehr die Gründung eines Unternehmens behindert, aber seinen erfolgreichen Fortbestand bedroht. Ungeachtet dessen ist die hohe Qualität der steirischen Handwerks- und Gewerbebetriebe unbestritten. Als Gütesiegel genießt steirisches Handwerk über die Landesgrenzen hinaus hohe Anerkennung. Eine Vielzahl von Highend-Produkten entsteht, wenn geschickte Hände buchstäblich Hand anlegen. Einen Denkfehler macht allerdings, wer Handwerk ausschließlich als Handarbeit definiert. Digitale Prozesse und moderne Maschinen haben längst in die Werkstätten Einzug gehalten und unterstützen menschliche Maßarbeit. Dem handwerklichen Geist der Betriebe tut dies freilich keinen Abbruch.

„Das G’spür für den Stoff“

Maschinen – wenn auch nicht Hightechanlagen – finden sich etwa in der Lodenwalke Ramsau in der steirischen Dachsteinregion. Hier, im ältesten Gewerbebetrieb der Steiermark, wird seit dem Jahr 1434 hochwertiger Loden aus Schafwolle hergestellt. Eine Walk-Tradition mit fast 600-jähriger Geschichte. „16 Arbeitsgänge“, erklärt Jörg Steiner im grünen Lodengilet, „sind nötig, um die Rohwolle in Loden zu verwandeln. Wolfen, Krempeln, Spinnen, Walken, Färben, Rauhen und Blatteln nennen sich einige davon – Begriffe aus einer scheinbar versunkenen Welt. In Rössing bei Ramsau quicklebendige Realität. „Klar, werden die meisten Arbeitsschritte heute längst von Maschinen unterstützt, etwa beim Weben oder Spinnen, aber die handwerkliche Arbeit dominiert“, betont Steiner. „Man braucht das besondere G’spür für den Stoff, besonders beim Walken muss man den Loden mit eigenen Augen prüfen und mit Händen begreifen, um die Qualität bei der Verarbeitung einschätzen zu können. Einfach nur auf ein Knopferl zu drücken und alles läuft von alleine – das spielt es nicht“, schmunzelt der Unternehmer, dessen Familie bereits in 9. Generation die Lodenwalke betreibt. Auch die weitere Verarbeitung des produzierten Lodens, dem man in seiner kompaktesten Form sogar Schussfestigkeit unterstellt, erfolgt handwerklich. Schneiderinnen in der Steiermark verarbeiten den Loden zu unterschiedlichen Kleidungsstücken. Dutzende textile Produkte – von Outdoor-Mode bis zu Trachtenstücken – finden sich auf dem 500 m2 großen Verkaufsraum direkt im Haus der Lodenwalke. „Der Direktverkauf hilft uns auch, unsere höheren Produktionskosten etwas auszugleichen, weil wir so die Händlermargen einsparen können“, erklärt Steiner sein Erfolgsrezept.

 

Lebkuchen nach Hongkong

Die Frage des Vertriebs ist auch bei einem anderen obersteirischen Handwerksbetrieb von großer Bedeutung. Die Konditorei Regner aus Seckau setzt dabei auf eine Doppelstrategie. Konditoreiwaren wie Torten, Kuchen & Co. werden ausschließlich direkt im Seckauer Betrieb, der Café-Konditorei Regner, vertrieben. Länger haltbare Süßwaren wie der legendäre Seckauer Lebkuchen oder Schokolade verkauft das Genussunternehmen mittlerweile fast rund um den Erdball. Ein moderner Web­shop öffnet Regner das Tor zur Welt. „Das Zuckerbäckerhandwerk ist sehr traditionell geprägt“, so Michael Regner, in vierter Generation im Betrieb, „gleichzeitig muss man stets etwas Neues und Innovatives bieten. Der Kunde verlangt nach Abwechslung.“ Daher experimentiert Regner stets mit neuen Zutaten und schafft extravagante Kreationen und bedient sich auch digitaler Vitrinen wie seiner Facebook-Seite, um die Kunden in (zartschmelzende) Versuchung zu führen. Reinste Zutaten und echtes Handwerk sind für ihn Ehrensache. „Bei uns wird in der Konditorei kein Fertigpulver angerührt, ebenso wenig läuft die Lebkuchenproduktion vollautomatisch ab.“ Diese wird freilich maschinell – etwa von Knetmaschinen – unterstützt, aber das Handwerkliche ist in der Backstube weiterhin maßgeblich für die Qualität der Verarbeitung. Das erklärt auch den enormen Arbeitskräfteeinsatz von 38 Mitarbeitern – für eine Konditorei eine beachtliche Größe. „Durch den enormen Erfolg unseres Lebkuchens haben wir uns in den vergangenen vier Jahren nahezu verdoppelt, sowohl bei Umsatz als auch Personal“, freut sich Regner. Die feinen Lebzelten finden vor allem in Österreich, Deutschland und Südtirol reißenden Absatz. Aber auch in London und sogar im fernen Hongkong gibt es Vertriebspartner. Süße Erfolge, die auch manch Bitternis im Beruf vergessen lassen. „Die Verbürokratisierung des Gewerbes nimmt den Unternehmern die Luft zum Atmen, es gibt immer mehr Auflagen und Gesetze – wirklich schlimm!“ Und auch der akute Nachwuchsmangel macht Michael und Sohn Gregor Regner, der ebenso im Betrieb arbeitet, zu schaffen. „Es ist beinahe unmöglich geworden, Lehrlinge zu finden. Wie wir das in Zukunft schaffen sollen und das Handwerk retten können, ist mir derzeit schleierhaft.“

„Zeitlos schönes Handwerk“

„Geeignete Fachkräfte zu bekommen ist ganz schwer und wird immer schwieriger“, gibt sich auch Matthias Prödl von der Tischlerei Prödl in Kirchberg/Raab keinen Illusionen hin. „Vielfach die einzige Chance besteht darin, selber welche auszubilden. Das beginnt bereits in der Schule, wo wir versuchen, junge Menschen vermehrt mit dem Tischlerberuf in Berührung zu bringen. Schließlich haben wir sehr viele gute Tischlereien in der Steiermark, aber durchwegs alle haben das Problem, genügend Fachkräfte fürs Handwerk zu finden.“ Daher habe auch die Lehrlingsausbildung bei Prödl einen hohen Stellenwert. An der Diskussion über eine Reform der Gewerbeordnung will sich Matthias Prödl, der das Unternehmen gemeinsam mit seinem Vater Josef führt, nicht beteiligen. „Aber die Wertigkeit des Meisters sollte keinesfalls geschmälert werden. Im Gegenteil – man muss diesen Wert hervorheben, damit auch wieder mehr Leute die Lehre machen.“ Buchstäblich meisterhaft bewältigte das Unternehmen in den vergangenen Jahren auch den Übergang vom traditionellen Handwerksbetrieb hin zu einem modernen Interieur-Spezialisten mit hoher Design-Kompetenz. Ein Spannungsfeld zwischen altem Handwerk und modernem Maschineneinsatz sieht Prödl aber nicht. „Ich bin überzeugt, dass auch moderne maschinelle Fertigungstechniken nur dann funktionieren, wenn sie mit traditionellen Handwerkstechniken im Einklang stehen. Nur dann ist höchste Qualität erzielbar“, so Prödl. „Das Schöne ist, dass Handwerk nie komplett digitalisiert und damit der Tischler auch nicht maschinell ersetzt werden kann. Tischler ist für mich mehr als ein Beruf. Man kann das Handwerk wirklich mit Kunst vergleichen, da der Beruf und die Werkstücke zeitlos sind.“

Die Sprache der Klassik

Er verkörpert handwerkliche Perfektion ebenso wie kreative Experimentierfreude: der Interieur-Experte und Künstler Michael Schranzer vom Wohnstudio Schranzer am Grazer Mariahilferplatz. Gemeinsam mit seinem Vater Gerhard Schranzer macht der Einrichtungsprofi exquisite Wohnträume wahr und schafft es, dank eines engmaschigen Netzwerks nationaler und internationaler Handwerksbetriebe selbst ausgefallene Wohnideen zu realisieren. „Vor allem dem Gebiet der Klassik gehört meine große Leidenschaft, die auch unsere Kunden schätzen“, verrät Schranzer. Ob handgeschnitzte Luster, maßgeschneiderte Kommoden mit Intarsien oder einzigartige Antikböden aus alten Hölzern – der Materialwahl und Formensprache von Möbel und Interieur scheinen hier keine Grenzen gesetzt. Authentisch Erlesenes in handwerklicher Meisterschaft. Dass Schranzer dabei auch selbst Hand anlegt und etwa Intarsien-Muster selbst entwirft, krönt die Gesamtkompetenz des Hauses Schranzer. „Ich zeichne auch fast alle Pläne noch von Hand“, betont Michael Schranzer, „der räumliche Eindruck, der dadurch für den Kunden möglich wird, ist plastischer als bei sterilen Computerzeichnungen.“ Auch diverse Veredelungsarbeiten an Werkstücken werden im Haus selbst durchgeführt – etwa Vergoldungen von Oberflächen. Immer öfter gelingt es Schranzer auch, Synergien zwischen dem Interieur-Business und seiner Leidenschaft für Kunst zu schaffen. Vor allem die barocken Fresken-Bilder des Grazers, für die er eine eigene Putz-Struktur als Untergrund entwickelte, erfreuen sich unter Einrichtungs-Aficionados großer Beliebtheit. „Handwerk wird heute wieder mehr geschätzt – ein höchst erfreulicher Trend“, bestätigt Schranzer. „Denn individuell Gefertigtes hat nicht nur eine Seele, sondern einen Wert, der Generationen überdauert.“

Eingefleischtes Handwerk

Ein Handwerk, das sich buchstäblich hinter den Kulissen abspielt, betreibt der Grazer Fleischermeister Josef Moßhammer. Denn, wenn Frischfleisch und Wurstwaren in der Vitrine des Geschäfts in der Zinzendorfgasse Fleischeslust wecken, ist die angewandte Handwerkskunst bereits getan. Etwa traditionelle Schnitttechniken, die das Fleisch bekömmlich machen, oder handwerkliche Kniffe, um das Brät in die Wursthaut zu pressen. Gerade das Handwerkliche sei eine Riesenchance für seine Branche, so Moßhammer. „Denn im Grunde hat der Fleischer ja bereits aufgehört, in den Köpfen der Konsumenten zu existieren“, sieht es der Innungsmeister der steirischen Fleischer nüchtern. „Gleichzeitig gibt es die Sehnsucht der Menschen nach ehrlichen, nachhaltigen und regionalen Produkten. Crafted liegt voll im Trend und bietet viele neue Chancen.“ Eine besteht im boomenden Thema Grillen und BBQ, das die Fleischerei Moßhammer durch ein breites Angebot an Grillseminaren abdeckt. „Unglaublich, was sich hier tut, mit welcher Leidenschaft sich die Menschen für besondere Schnitte und Cuts interessieren und bereit sind, neue Geschmäcker zu entdecken. Wir leben in einer spannenden Zeit!“ Oft sei es auch ein „Back to the roots“, wenn etwa eine Schweinsschulter mit Knochen nun als Pulled Pork ein furioses Comeback feiere. Oder die Bratwurst einen neuen Stellenwert bekommt. So wie in den nächsten Wochen, wenn der 1. Adventsamstag zum offiziellen Bratwurstsamstag ausgerufen wird. Die Rückbesinnung auf das Ursprüngliche ist auch der Grund, warum der Firmenchef seinen bekannten Partyservice künftig etwas zurücknehmen möchte. „Dieser Bereich hat schon mal mehr Spaß gemacht, er hat sich zu sehr in Richtung eines unpersönlichen Catering-Business gewandelt. Wir aber wollen zurück zu den Wurzeln“, so Moßhammer, der den Familienbetrieb mit Ehefrau Brigitte und seinen Eltern führt. Sorgen macht auch ihm der Lehrlingsnachwuchs. „Ehrlich gesagt, ist es derzeit fast unmöglich, geeignete Lehrlinge zu finden.“

Design in Stein gemeißelt

Ganz ähnlich sieht es Franz Reinisch, Chef des südsteirischen Steinmetzunternehmens Reinisch. „Wir tun uns zunehmend schwer, geeignete Kandidaten für den Lehrberuf zu finden, schließlich sollten die Lehrlinge nicht nur handwerkliches Geschick, sondern auch Köpfchen aufweisen. Daher müssen wir alles tun, um das Image der Lehre in der Branche sowie im Handwerk generell zu attraktivieren.“ Teils sei auch das Bild des Steinmetzberufs in den Köpfen längst überholt. „Das Berufsbild ist heute wesentlich moderner und abwechslungsreicher als sein Ruf“, betont Reinisch, als Steinmetz-Innungsmeister in der WK-Steiermark oberster Branchenvertreter. „In einem der ältesten Handwerke der Welt kommen heute längst hochpräzise CNC-gesteuerte Maschinen zum Einsatz – eine perfekte Synthese aus Handwerk und Hightech.“ Daher sei die Bezeichnung Steintechniker für einen Steinmetz heute mehr als angemessen. Auch ein neuer Lehrberuf ab dem Jahr 2018 wird diesen Titel tragen. „Gleichzeitig wird etwa bei Inschriften und Gravuren immer noch mit Hammer und Meißel gearbeitet.“ Auch das Thema Design spiele im Steinmetzgewerbe eine immer wichtigere Rolle. „Die Hälfte unseres Umsatzes entfällt bereits auf den Bereich Küche“, erklärt Reinisch, der als Einmannbetrieb in Schwarzautal startete und heute acht Filialen betreibt und rund 50 Mitarbeiter beschäftigt. Qualität, Design, Verlässlichkeit und Regionalität sind daher auch die Schlüsselwerte, die er mit seinem Handwerksbetrieb verbindet. „Ein Bild davon können sich Interessierte gerne vor Ort machen: Am 25. November haben wir an unserem südsteirischen Firmensitz unseren Tag der offenen Tür – wozu ich jeden herzlich einlade.“

Handwerk mit Öko-Vision

Nicht ganz so dramatisch gestaltet sich die Lehrlingssuche für den Murauer Installationsbetrieb Zeiringer. „Es ist nicht ganz einfach, aber wenn man als Betrieb zeigt, dass man gut und gerne ausbildet, wird man auch fündig“, so Heide Zeiringer. Nicht weniger als acht Lehrlinge bildet der Traditionsbetrieb derzeit aus – bei knapp 30 Mitarbeitern eine beachtliche Quote. „Die Ausbildung junger Leute muss einem etwas Wert sein und kostet natürlich auch. Nicht immer zum Verständnis der Kunden.“ Aber der Mut, unkonventionelle Wege zu gehen, ist ohnehin eine Stärke der Obersteirerin. Weitsicht und Verwegenheit bewies die Öko-Visionärin vor mehr als zehn Jahren, als sie beschloss, künftighin keine Ölheizungen mehr in Neubauten einzubauen. „Eine Entscheidung, die das Unternehmen fast ins Wanken brachte, sich aber als völlig richtig herausstellte“, freut sich Zeiringer heute und verweist auf die stolze Öko-Bilanz des Bezirkes Murau. „75 Prozent der Wärme im Bezirk kommt heute aus Biomasse, 150 Prozent des Strombedarfs aus erneuerbarer Energie. Damit sind wir Österreich-Spitze“, so Zeiringer, deren Betrieb seit dem Vorjahr zur Tischlerei Stolz aus St. Georgen ob Murau gehört. Sauer stößt ihr die jüngste Debatte um eine Liberalisierung der Gewerbeordnung auf. „In einer Zeit, in der die Menschen ohnehin mehr und mehr verblöden, den Meister in Frage zu stellen, halte ich für sehr fahrlässig. Nur eine ordentliche und gute Berufsausbildung garantiert die Qualität im Handwerk und stellt sicher, dass das Wissen und Können auch weitergegeben wird.“

Wärmendes Design nach Maß

Wie nahtlos der Wechsel von der Industrie ins Handwerk gelingen kann, beweist das Beispiel von Marc Schwingenschlögl. Nach Jahren als international tätiger Vertriebsmanager in der Papierindus­trie entschloss sich der Steirer, seiner Leidenschaft fürs Handwerk zu folgen. Vor zwei Jahren übernahm er den Grazer Kamin- und Ofenspezialisten Linhart und führt den Gewerbebetrieb als „heat-style LINHART“ nun in eine neue Epoche. „Handwerkliches Arbeiten hat mich schon von klein auf begeistert. Die Produktion in unserer Manufaktur in St. Peter ist stark vom Handwerk geprägt. Schließlich erzeugen wir keine Stangenware, sondern fertigen ausschließlich Einzelstücke nach Maß“, so der Firmenchef, der einen Hafnermeister als gewerberechtlichen Geschäftsführer beschäftigt. Eine große Auswahl an Heizkaminen, Elektroheizungen, Infrarotpaneelen und Kachelöfen entstehen in der Manufaktur nach Kundenwunsch. „Der Wettbewerb in der Branche ist groß. Daher setzen wir auf eine hohe Design-Kompetenz, ein breites Produktportfolio und auf Beratungs- und Serviceleistungen, mit denen wir eine Differenzierung schaffen. Dadurch gelingt es uns auch, dem großen Preisdruck Paroli zu bieten“, betont Schwingenschlögl, der zudem zwei große Herausforderungen für seinen Handwerks- und Gewerbebetrieb sieht: den bürokratischen Wildwuchs und die Fachkräfteproblematik. „Unglaublich, mit welch teils absurden Auflagen und Bestimmungen wir täglich konfrontiert sind. Da hilft nur eine große Portion Gelassenheit und Pragmatismus.“ Kopfzerbrechen bereitet ihm auch das Angebot an verfügbaren Fachkräften. „Gute und zuverlässige Handwerker zu finden, die auch über die nötigen sozialen Kompetenzen verfügen, ist beinahe unmöglich. Wir gehen daher einen neuen Weg und bilden motivierte junge Menschen im zweiten Bildungsweg aus. Für uns derzeit die einzige Chance, an gute Fachkräfte zu kommen“, sieht Schwingenschlögl aber auch ein gesamtgesellschaftliches Problem. „Leider ist es in Österreich nicht gelungen, das Image der Lehre ausreichend zu heben. Dabei sind Handwerker für den Standort unverzichtbar, App-Programmierer und Betriebswirte haben wir, denke ich, mehr als genug. Hier brauchen wir rasch ein gesellschaftliches Umdenken!“

Geschick trotz Digitalisierung

Schließlich lockt auch die steirische Industrie junge Talente mit Karrieremöglichkeiten. So bildet der Intralogistikexperte Knapp AG seit 25 Jahren erfolgreich Lehrlinge aus. „Kontinuierlich werden an die 50 Lehrlinge in den Berufen Informationstechnologie, Mechatronik und Metalltechnik mit Schwerpunkt Maschinenbau und zusätzlichen Spezialisierungsmöglichkeiten, wie etwa Konstruktionstechnik oder SPS-Technik umfassend ausgebildet“, so Knapp-Ausbildungsleiter Jörg Salicites. „Die Lehrausbildung hat bei uns einen sehr hohen Stellenwert. Daher wird viel an Zeit und Kosten in die zukünftigen Fachkräfte investiert.“ Nach der Lehre bleiben nahezu 100 Prozent der Lehrlinge im Unternehmen – viele davon nutzen die Karrieremöglichkeiten und erreichen Führungspositionen. Trotz hoher Automatisierung und Digitalisierung verliere das Handwerk keineswegs an Bedeutung, bestätigt Salicites. „Erfahrung, Know-how und vor allem Geschicklichkeit lassen sich nicht einfach durch Maschinen oder Systeme ersetzen. Wir integrieren Technologien zur Unterstützung unserer Arbeitsabläufe. Im Lehrberuf Metalltechnik bearbeiten unsere Lehrlinge manuell und mit CNC-Werkzeugmaschinen unterschiedliche Metalle. Sie drehen, fräsen, schneiden, schleifen, feilen, schweißen oder löten. Fingerspitzengefühl und technisches Verständnis sind gefragt, auch wenn es um den Aufbau unserer Logistikanlagen geht.“

 

Vorhang auf fürs Talent-Center

Eine Investition, die zur Institution in Sachen Berufsorientierung werden soll und damit mittelfristig auch den Fachkräftemangel in der Steiermark entschärfen könnte, nahm vor wenigen Wochen ihren Betrieb auf: das Talent-Center in der ehemaligen Schule Rosenhof in der Grazer Körblergasse. Auf einer Gesamtnutzfläche von mehr als 1.200 Quadratmetern finden sich hier 36 Teststationen zur Überprüfung von berufs- und arbeitsmotorischen Fähigkeiten von 13- bis 15-Jährigen. 5.000 Testungen, die den Jugendlichen bei ihrer optimalen Berufs- und Ausbildungswahl helfen sollen, erwartet sich die Wirtschaftskammer jährlich. „Dafür hat die steirische Wirtschaft auch tief in die Tasche gegriffen“, berichtet WK- Steiermark-Präsident Josef Herk. „Allein in die Infrastruktur haben wir mehr als drei Millionen Euro investiert. Eine wichtige Investition in die Zukunft des Standorts Steiermark, denn die Jugend ist unser wertvollster Rohstoff.“
Infos unter: www.talentcenter.at

{gallery}_2016Nov_Handwerk{/gallery}

Schwerpunkt Thema

Ab jetzt steht der "BUSINESS Monat" nun jedes Mal unter einem umfassenden Schwerpunkt-Thema. Im September: "Zukunft".

Partner

Ihr Partner für Webmarketing und -entwicklung, Netzwerklösungen, IT Security: