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Falten for Fashion!

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Mit der Kunst des Plissierens belebt Jasmin Hirschmann ein uraltes Handwerk mitten in Graz und setzt extravagante Fashiontrends. Ein Atelierbesuch bei einer jungen Schneiderin mit großer Entfaltungskraft.

Text: Wolfgang Schober, Fotos: Oliver Wolf

Geschäftslokal, Nähatelier, Kleidermanufaktur, textiles Kreativlabor – die Betriebsstätte der Grazer Schneiderin Jasmin Hirschmann in der Grazer Belgiergasse mag vieles sein. Vor uns liegt ein großer Raum im Stilmix der Jahrzehnte. Nähmaschinen, Stoffe, Nadeln, Zwirn und Faden – erwartbar und doch erfrischend-originell präsentiert sich das Ambiente. Am allermeisten, wenn man den rückwärtig gelegenen Bereich betritt. Und damit in eine wundersame Welt eintaucht. Jassis im Wunderland, könnte es hier heißen. Mit Hund Strolchi statt eines weißen Kaninchens. Anders als im Fantasy-Reich von Lewis Carroll warten hier aber keine verrückten Hutmacher, dafür unzählige zeitlich entrückt wirkende Faltenmacher: Hunderte Plissee-Schablonen aus vergilbtem Karton türmen sich wandhoch und verleihen dem Raum eine mystische Aura. Eine Welt von gestern, geheimnisvoll und bizarr. 50 Jahre und älter sind diese Schablonen hier, auch der klobige Plissee-Ofen daneben mit seinem erhitzbaren Wasserkessel wirkt keinen Tag jünger.

Leidenschaft Nach Zwangsehe

„Als ich den Raum das erste Mal betreten und diese Schablonen gesehen habe, musste ich ordentlich schlucken“, berichtet Jasmin Hirschmann von den Tagen der Betriebsübernahme Anfang 2015. Durch Zufall war die Südoststeirerin auf das Geschäftslokal gestoßen. Die Inhaberin einer Schneiderei suchte einen Betriebsnachfolger. „Eigentlich war ich bloß an der Schneiderei interessiert, mit der Plissee-Werkstatt konnte ich zu Beginn überhaupt nichts anfangen“, gesteht sie. Doch da die Vorbesitzerin eine Komplettübernahme zur Bedingung machte, wurde Jasmin Hirschmann unversehens zur Besitzerin einer Plissee-Vollaus­rüstung. Eine Zwangsehe, die sich erst in den Monaten darauf in eine große Liebe verwandeln sollte. Mehr und mehr entdeckte Jasmin Hirschmann die Faszination der professionellen Faltenproduktion und lernte den Reiz dieses uralten Handwerks zu schätzen, ebenso wie die Chancen, die dieses für die Kreation stylischer Kleidungsstücke mit sich bringt. Längst zählt das Plissieren von Röcken, Kleidern und Co. zu den Schwerpunkten ihrer Tätigkeit – ein Alleinstellungsmerkmal am Markt und ein Spitzentool für modische Effekte. Damit entstaubte Hirschmann nicht nur die Schablonen, die in den 60er- und 70er-Jahren einer Plissieranstalt am Färberplatz dienten, sondern befreite auch das Bild eines Traditionshandwerks von seinem Mief-Klischee. Nach dem Motto: Plissee – das ist nicht Omas Wollrock aus dem Kleiderschrank, sondern extravagante, hippe Fashion am Puls der Zeit.
„Wir merken, wie Falten wieder geschätzt werden – egal, ob bloß Teile oder ganze Kleidungsstücke plissiert werden. Falten sind in jedem Fall wahre Eyecatcher.“ Die Technik ist dabei stets dieselbe: Der Stoff wird in akribischer Handarbeit Falte um Falte in die Schablone eingelegt, diese wird danach mit Holzspangen fixiert, ehe das Ganze für rund drei Stunden in den Plissee-Ofen wandert. Der auf 100 Grad erhitzte Ofen „brennt“ das Faltendesign in den Stoff – die Entfaltung eines Kleidungsstücks. Zugleich eine geglückte Operation, deren Falten jede Frau gerne trägt. „Plissieren ist keine sehr komplexe Tätigkeit, aber man muss sehr präzise vorgehen und darf sich keinen Fehler erlauben“, so Jasmin Hirschmann.

Schneiderin im zweiten Bildungsweg

Das alte Handwerk ist das spektakulärste, aber nicht das einzige Tätigkeitsgebiet der Modedesignerin. Es umfasst das gesamte Spektrum einer Schneiderei – von der Maßschneiderung von Kleidungsstücken bis zu Änderungen aller Art und der – ebenfalls raren – Technik des Überziehens von Knöpfen und Gürteln mit Stoffen. Hochzeitskleider, Ballkleider, Roben und Dirndl – die maßangefertigten Erzeugnisse aus dem Hause „Jassis“ erfreuten sich von Beginn an reger Nachfrage. „Seit dem Tag der Eröffnung gibt es mehr als genug Arbeit und Aufträge. Ich war selbst überrascht“, so die 25-Jährige, die mittlerweile eine fixe Angestellte und zudem eine Praktikantin beschäftigt. Demnächst soll eine weitere Mitarbeiterin fix angestellt werden. Auch ein Lehrmädchen könnte folgen. „Aber derzeit komme ich vor Arbeit nicht einmal dazu, die Lehrlingsausbildungsprüfung abzulegen. Aber es wird passieren.“ An der Nachfrage nach einem Lehrlingsplatz mangle es jedenfalls nicht – im Gegensatz zu freien Lehrstellen. „Ich bekomme ständig Anfragen. Schade, dass es kaum noch Betriebe gibt, die Ausbildungsplätze anbieten.“
Schließlich handle es sich um einen Traumberuf, handwerklich und gleichzeitig kreativ tätig sein zu können. Das war auch der Grund, warum sich die ausgebildete Kindergärtnerin entschloss, auch noch die Modeschule am Ortweinplatz in Graz zu absolvieren. „Am schönsten ist es, die Erwartungen der Kunden noch zu übertreffen und sie staunen zu sehen. Die schönste Anerkennung, die man bekommen kann.“ Was sie selbst erstaunt: „Dass die Kunden oft gar nicht mehr wissen, was in einer Schneiderei alles möglich ist. Vielen fehlt es wohl aufgrund des vorherrschenden modischen Einheitsgeschmacks heutzutage am Vorstellungsvermögen. Daher sage ich immer, wir können alles machen. Es gibt nichts, das unmöglich ist.“

Unikate only

Abgesehen von der Erfüllung von Kundenwünschen arbeitet die Modedesignerin auch an eigenen Kreationen. Kollektionen im klassischen Sinn will sie aber nicht machen. „Ich will ausschließlich Unikate schaffen! Das entspricht meiner Philosophie, jede Kundin hat das Recht auf ein Einzelstück, das nur sie trägt“, erklärt sie. Abgesehen davon wolle sie keine Mode für Laufstegmodels mit extremen Körpermaßen machen, die sonst kaum jemandem richtig passen. Ein Erfolgsprinzip, das die dynamische und eloquente Schneiderin künftig vervielfältigen möchte und auf Sicht an mehreren Standorten in Österreich realisieren will. „Drei oder vier Schneidereien in Österreich mit meiner Philosophie – das könnte ich mir in Zukunft sehr gut vorstellen“, so Hirschmann. Beim quirligen Ehrgeiz der jungen Unternehmerin liegt diese Zukunft wohl nicht in allzu weiter Ferne.


„Jassis Plissee und Mode“

Gegründet im Februar 2015 von Jasmin Hirschmann (25) aus St. Stefan im Rosental. Ausgebildete Kindergartenpädagogin und Absolventin der Modeschule am Ortweinplatz. Die diplomierte Modedesignerin bietet in ihrer Grazer Werkstatt Maßanfertigungen von Kleidungsstücken, Änderungsschneiderei, Kunststopfen, textiles Überziehen von Gürteln und Knöpfen sowie das uralte Handwerk des Plissierens. www.jassis.at

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