Online Ausgabe

Abonnement

Jahresabo
um € 20,00 

 

Schicken Sie eine E-Mail an:
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! , ein Fax an 0316/84 12 12-709 oder bestellen Sie telefonisch unter 0316/84 12 12-0.

Sonderprodukt

Sonderprodukt:
LUST AUF STEIERMARK


Die schönsten Seiten der Steiermark gibt's hier!

Fehler
  • [sigplus] Kritischer Fehler: Es ist zwingend erforderlich, daß der Bildordner im relativen Pfad in Bezug zum Stammordner für Bilder liegt.

Handwerk in der Champions League

[sigplus] Kritischer Fehler: Es ist zwingend erforderlich, daß der Bildordner im relativen Pfad in Bezug zum Stammordner für Bilder liegt.

London calling! Hannes (l.) und Bernd Radaschitz von der Tischlerei Radaschitz aus Riegersburg in den Straßen von Notting Hill, wo die beiden Oststeirer einen exklusiven Firmenstandort („Interior iD“) betreiben.

Riegersburg meets Notting Hill. Mit Handwerk, Hightech und oststeirischem Wagemut schaffte es die Tischlerei Radaschitz, sich am Londoner Immobilienmarkt als Luxusanbieter im Interieur-Bereich zu etablieren.
Ein modernes Business-Märchen zwischen „Handwerk mit goldenem Boden“ und Bodenständigkeit.

Text: Wolfgang Schober, Fotos: Sarel jansen Photography, Oliver Wolf, Nick Rochowski, Steiermark Tourismus/Harry Schiffer

 

Die Riegersburg im steirischen Vulkanland. Und das „One Hyde Park“ in Central London. Kontrastreicher könnten zwei Bauwerke nicht sein. Die uneinnehmbare „Veste der Christen­heit“ auf dem Basalt­felsen in der Südoststeiermark und der Glas-Stahl-Luxus­tempel nahe des Londoner Hydeparks, die – so heißt es – teuerste Immobilie der Welt. Mittelalterliche Trutzburg und moderner Highend-Komplex. Das Missing-Link zwischen den beiden Super-Bauten liegt am Fuße des erloschenen Vulkankegels in Riegersburg. Ein von außen unscheinbares Gebäude, ein ehemaliges Wohnhaus mit dahinterliegenden Zubauten, dient als Firmensitz der Tischlerei Radaschitz. Buchstäblich „in“ sich haben es die verpackten Fabrikate, die hier an der Rampe auf Lkws verladen werden und ihre Reise nach London antreten. Ausgepackt und montiert werden sie an den exklusivsten Adressen der Metropole, um diesen ein noch glamouröseres Antlitz zu bescheren. Das exquisite Interieur von sechs Luxus-Apartments im „One Hyde Park“ stammt etwa aus der Riegersburger Tischlerei. Weiß-grüne Handwerkskunst für die Champions League. Doch wie konnte ein bis vor wenigen Jahren nur Insidern bekannter südoststeirischer Handwerksbetrieb zum Premium-Ausstatter der Super­reichen der Welt avancieren? Ein modernes Business-Märchen. Die Hauptzutaten der Erfolgsgeschichte: zwei Protagonisten – Hannes und Bernd Radaschitz – sowie ein gemeinsamer Entschluss.

Schwieriger Start einer Mission

„Früher einmal hat unser Vater mit einem Außendiensttermin den Großteil der Kunden in einem Umkreis von 50 Kilo­meter erreicht“, beginnt Hannes Radaschitz im Besprechungsraum der Tischlerei in Riegersburg zu erzählen. Die gute, alte Zeit des Handwerks, als es beinahe in jedem Ort noch einen Tischler gab. Zeiten, die durch den dramatischen Strukturwandel längst vergangen sind. „Mein Bruder und ich haben gesehen: Wollen wir mit unserem Betrieb erfolgreich sein, müssen wir den Radius um ein Vielfaches erweitern“, so der 40-Jährige, der ebenso wie sein um drei Jahre jüngerer Bruder nach der Ausbildung einige Jahre im Ausland arbeitete. Italien und England waren die modernen Walz-Destinationen des Brüder­paars. Vor allem seine Tätigkeit als „Design Maker“ in London öffnete Hannes Radaschitz die Augen. „Ich habe gesehen, dass hohe handwerkliche Qualität und Verlässlichkeit dort keine große Verbreitung haben, sehr wohl aber ist vor allem am Immobilienstandort London eine Nachfrage danach vorhanden.“ Gemeinsam mit seinem Bruder, der später ebenfalls in London Branchenerfahrung sammelte, fasste er den Entschluss: Let’s go international. „Wir starteten mit der Marktbearbeitung und dachten im ersten Übermut, die hätten auf uns gewartet“, lacht Radaschitz. „So einfach war es natürlich nicht.“ Vor allem die Erststrategie, auf reinen Export ohne Niederlassung vor Ort zu setzen, ging nicht auf. Daher eröffnete man schließlich einen Standort in Central London und gründete mit „Interior iD“ ein eigenes Unternehmen. Bernd Radaschitz zog nach England, um die Firma aufzubauen.
Das war vor fast genau zehn Jahren. Das Resümee zum Jubiläum könnte kaum besser ausfallen. „Die ersten Jahre waren schwierig, aber heute können wir stolz behaupten: Es läuft!“ Auf rund 70 Prozent beläuft sich der Exportanteil der Tischlerei bereits. 35 Mitarbeiter am steirischen Standort produzieren vermehrt für den internationalen Markt. 20 Mitarbeiter – rund die Hälfte aus Österreich – managen am repräsentativen Firmensitz in Notting Hill die Kundenprojekte vor Ort. Auftraggeber sind in den meisten Fällen Architekten und Designer, die Endkunden selbst halten sich zumeist diskret im Hintergrund. Kein Wunder, handelt es sich durchwegs um finanziell hochkarätiges, teils prominentes Klientel. „In vielen Fällen sind es vermögende Geschäftsleute aus Osteuropa, Middle-East oder Afrika. Zuletzt durften wir auch für einen ehemaligen Fußballwelt und -europameister aus Frankreich ein Apartment einrichten“, verrät Radaschitz.

30.000 Pfund Miete pro Woche

Das Schöne am Standort: London. „Die britische Hauptstadt ist ein echter Hub und damit ein Tor zur Welt. Viele unserer Kunden haben ja nicht nur einen Wohnsitz, sondern mehrere auf der halben Welt verstreut. Folgeaufträge in anderen Teilen der Erde sind daher immer wieder möglich.“ Exklusive Lieferungen gingen in den vergangenen Jahren daher bereits nach Mailand, Monaco, Lagos (Nigeria) oder Rio de Janeiro. „Hier erwarten wir uns auch in Zukunft großes Potenzial und wollen das Sprungbrett London nutzen.“ Freilich seien die Chancen am „Heimmarkt“ London auch weiterhin enorm. „London ist einer der exklusivsten Immobilienmärkte der Welt. Die Standortentwickler überbieten sich ständig mit neuen Rekorden bezüglich der höchsten erzielbaren Verkaufspreise pro Quadratmeter.“ So wechselte die teuerste Wohnung im „One Hyde Park“ unlängst um 162 Mio. Euro den Besitzer. Abgesehen vom „One Hyde Park“ war „Interior iD“ zuletzt auch bei einer Reihe weiterer Prestige-Projekte engagiert. Etwa bei einem Luxus-Investment im Stadtteil Mayfair. „Wohnungsmieten von rund 30.000 Pfund pro Woche sind in diesen Objekten keine Seltenheit“, erzählt der Unternehmer, der trotz geschäftlicher Höhenflüge einen sympathisch-geerdeten Eindruck macht. Eine gelungene Symbiose aus „Handwerk mit goldenem Boden“ und oststeirischer Bodenständigkeit!

Big in London

Ein Merkmal des Londoner Luxus-Marktes, der den Steirern sehr zugute kommt: Selten werden Immobilien unmöbliert übergeben. Immobilienentwickler statten Wohnungen in der Regel bereits mit hochwertigem Interieur aus, um noch größere Margen zu lukrieren. „Oft hat der Käufer danach aber seine eigenen individuellen Präferenzen und benötigt wiederum einen Interior-Partner“, freut sich Radaschitz. Dass dabei die Wahl immer öfter auf die Steirer fällt, liegt am konsequenten Qualitätsbewusstsein des Unternehmens. „Interior iD zählt heute zu den Top-3-Brands in London in seinem Bereich – der Erfolg einer langen Aufbauarbeit.“
Aber auch die Frucht einer erfolgreichen internationalen Arbeitsteilung im System Radaschitz: Das Büro in London akquiriert und bearbeitet die Aufträge vor Ort und übernimmt das Projektmanagement. Enge Kontakte zu Architekten, Designern und Immobilienentwicklern schaffen dafür die Basis. Entspannte Business-Events am Standort in Notting Hill erleichtern das Networking. Sind die Pläne im Zuge eines Auftrags vom Kunden freigegeben, gelangen sie nach Riegersburg. Innerhalb von 10 bis 12 Wochen werden sie in der Werkstatt abgearbeitet, ehe die fertigen Teile nach England geliefert und nun wiederum vom Team am Londoner Standort montiert und übergeben werden. Eine perfekt orchestrierte Wertschöpfungskette im Handwerk 4.0. Zum reibungslosen Ablauf beitragen kann auch ein Hightech-Kommunikationsraum im Erdgeschoß der Riegersburger Tischlerei. Ein großformatiger Screen sowie Head-up-Kameras, die das Live-Besprechen bzw. Adaptieren von Skizzen und Plänen unterstützen, erleichtern das grenzüberschreitende Echtzeit-Business zwischen Notting Hill und Riegersburg.

„Wir haben ein Level erreicht, das es uns künftig ermöglicht, auch im Yachtbau tätig zu werden.“ Hannes Radaschitz, Tischlerei Radaschitz

Brexit und die Folgen

Nicht ohne Sorge betrachten die Firmenchefs daher die Entwicklungen rund um den Brexit. „Die Schwäche des Pfund ist ein Wettbewerbsnachteil, der unsere Produkte aus dem Euro-Raum verteuert. Wir beobachten die Situation derzeit sehr genau.“ Das Herzstück der Firma ist und bleibt freilich die Werkstatt. Hier wird mit traditioneller Handwerkskunst im Verbund mit modernsten CNC-Maschinen auf höchster Stufe produziert. Um den Sonderwünschen der anspruchsvollen Klientel gerecht zu werden, wurden auch die Leistungen des Betriebs nach und nach diversifiziert. So verleiht eine hauseigene Hochglanz-Lackiererei den Hölzern nun seit drei Jahren eine spezielle Oberfläche. „Vor allem Kunden aus anderen Kulturen schätzen glossy Oberflächen. Das Lackieren selbst ist eine eigene Wissenschaft bzw. ein Know-how, das wir uns erst aneignen mussten.“ Ebenso integriert ist eine betriebseigene Schlosserei, in der Sonderanfertigungen aus Metall selbst hergestellt werden können. Vor allem auch traditionelle Scharniere und Beschläge für Möbel werden hier produziert. „Zum Beispiel dieses Zapfenband hier“, zeigt Radaschitz bei einer Führung durch die Produktion auf ein Türscharnier aus patiniertem Messing, das auf jahrhundertealter Tradition basiert. „Erfreulich, wie sehr uraltes Handwerk heute wieder geschätzt wird.“ Davon profitieren übrigens auch viele weitere Handwerksbetriebe aus der Region wie andere Tischlereien, Tapezierer, Glaser oder Metaller, die im Auftrag von Radaschitz für das Londongeschäft produzieren.

Leistbarer Luxus

Leistbar ist dies freilich in der Regel nur für kaufkräftige Kunden. Auch in Österreich. „Für die Mittelschicht sind Tischlerprodukte oft nicht mehr erschwinglich, was ich sehr bedaure“, so Radaschitz. Aus diesem Grund hat das Unternehmen eine eigene Marke ins Leben gerufen: Mobilamo. Eine Webshop-Lösung, die es ermöglicht, dass Kunden modernes Tischlerdesign zu attraktiven Preisen erwerben können. Auf einer Webplattform können sich die Kunden anhand vorgegebener Modelle ihr Designer-Maßmöbel – ob Tisch, Bett oder Schrank – selbst konfigurieren. Dadurch sinken Planungs-, Produktions- und Montagekosten – eine Einsparung, die an die Konsumenten weitergegeben werden kann. Win-win für beide Seiten. „Das Projekt startete vielversprechend. Wir sehen für die Zukunft großes Potenzial.“
Ein weiterer Ausblick in die Zukunft? „Wir haben durch das Engagement in England extrem viel dazugelernt und uns auf einem Spitzenlevel etabliert. Dadurch kommen für uns künftig auch neue Geschäftsbereiche in Frage. Unser Know-how erlaubt es nun, sogar den Anforderungen im Yachtbau – der höchsten Klasse – gerecht zu werden. Eine Betätigung in diesem Bereich schließe ich daher nicht aus.“

Tischlerei Radaschitz

Gegründet 1923 in Riegersburg in der Südoststeiermark.
Tischlereiwerkstätte mit Designverständnis, spezialisiert auf hochwertigen Möbel- und Innenausbau, sowohl im Privat- als auch im Objektbereich. Rund 35 Mitarbeiter arbeiten am Stammsitz. Mit „Interior iD“ gründeten die Geschäftsführer Hannes und Bernd Radaschitz einen Standort in London. 20 Mitarbeiter kümmern sich hier um das Projektmanagement, Marketing, Akquise und die Endmontage. Produziert wird ausschließlich in der Werkstätte in Riegersburg.Mobilamo – die dritte Brand des Unternehmens – ermöglicht Kunden via Webshop, Designer-Maßmöbel online selbst zu konfigurieren.
www.radaschitz.at
www.interior-id.com
www.mobilamo.at

{gallery}_2016Nov_Radaschitz{/gallery}

 

Schwerpunkt Thema

Ab jetzt steht der "BUSINESS Monat" nun jedes Mal unter einem umfassenden Schwerpunkt-Thema. Im September: "Zukunft".

Partner

Ihr Partner für Webmarketing und -entwicklung, Netzwerklösungen, IT Security: