Online Ausgabe

Abonnement

Jahresabo
um € 20,00 

 

Schicken Sie eine E-Mail an:
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! , ein Fax an 0316/84 12 12-709 oder bestellen Sie telefonisch unter 0316/84 12 12-0.

Sonderprodukt

Sonderprodukt:
LUST AUF STEIERMARK

Die schönsten Seiten der Steiermark gibt's hier!

Fehler
  • [sigplus] Kritischer Fehler: Es ist zwingend erforderlich, daß der Bildordner im relativen Pfad in Bezug zum Stammordner für Bilder liegt.

Ein „Nougat“ MIT WELTKARRIERE

[sigplus] Kritischer Fehler: Es ist zwingend erforderlich, daß der Bildordner im relativen Pfad in Bezug zum Stammordner für Bilder liegt.

Seine Entdeckung könnte den Städtebau auf der Welt revolutionieren. Mit der Entwicklung von Brettsperrholz (BSP) schuf Holzbau-Wissenschafter Gerhard Schickhofer einen statischen und ökologischen High-Performer, der als Leichtbaustoff immer größere Beliebtheit bei Immobilientwicklern und Architekten weltweit genießt.
Ein Besuch am Hotspot der BSP-Forschung: dem Institut für Holzbau und Holztechnologie der TU Graz.


Text: Wolfgang Schober, Fotos: Oliver Wolf, TU Graz/Lunghammer, beigestellt

 

Längs, quer, längs, quer, längs. Die einzelnen Schichten sind gut erkennbar. Fünf Lagen an Holzlamellen zählt der Musterblock, den uns Gerhard Schickhofer auf dem Tisch seines Büros vorlegt. Kreuzweise verleimte Bretter im markanten Hell-Dunkel-Kontrast. Das Brettsperrholzprinzip: statisch hammerhart, optisch feiner Nougat-Look. Mit dem Unterschied: Dieses „Nougat“ macht schlank. Brettsperrholz macht Gebäude leichter, Wände und Decken dünner und Strukturen dennoch stabiler – der Zauber eines besonderen Baustoffs, der seinen Siegeszug gerade um die Welt antritt. Seine Homebase: das Institut für Holzbau und Holztechnologie von Professor Gerhard Schickhofer an der TU Graz. Der Ursprung datiert mehr als 25 Jahre zurück und liegt in der Dissertation des Holzbauwissenschafters begründet. Inspiriert wurde Schickhofer dabei von ganz anderen Materialien: von Faser-Kunststoff-Verbunden. „Auch diese bestehen aus mehreren Schichtungen. Ein Prinzip, das wir auf Holz umlegten“, erzählt Schickhofer. „Auch im Furniersperrholz war die kreuzweise Verleimung schon bekannt. Es lag also durchaus nahe, das Verfahren auf größere Einheiten zu übertragen und Bretter kreuzweise zu verkleben.“ Die Idee zu Brettsperrholz war geboren und damit erstmals die Möglichkeit, Holz als flächenhafte Struktur und Massivbaustoff einzusetzen. „Die Idee war eigentlich ganz simpel“, gesteht der Wissenschafter. „Vielleicht ist das auch der Grund für ihren Erfolg.“ Bis zum endgültigen Durchbruch stand freilich noch ein weiter Weg bevor.

Improvisierter Start in Murau

Im Jahr 1995 – sechs Jahre nach der Dissertation – nahm der erste Bauteil Gestalt an. Im Rahmen eines FFG-geförderten Forschungsprojekts schuf Schickhofer gemeinsam mit drei Murauer Sägewerksbetreibern erstmals eine Brettsperrholzplatte. „Alles lief sehr improvisiert ab, wir hatten eine selbst gefertigte Presse, der Druck wurde über einen Feuerwehrschlauch aufgebracht“, erinnert sich Schickhofer an die Produktion einer ein mal zwei Meter großen kreuzverleimten Platte. „Was sich später daraus einmal entwickeln sollte, war damals freilich für niemanden von uns absehbar.“ Kurz darauf gründeten die drei Sägewerker ein Unternehmen: die KLH Massivholz GmbH. Heute ist das Unternehmen mit rund 50 Millionen Euro Umsatz Marktführer und Innovationstreiber einer rasch wachsenden Branche.
Schon bald formierten sich weitere heimische Anbieter des Hightech-Werkstoffs und setzten auf die Produktion von Brettsperrholz-Elementen. Der Großteil ist im Umkreis von 150 Kilometern von Graz zu finden, unweit seiner technologischen Brutstätte in der Grazer Inffeldgasse. „Von den 650.000 Kubikmetern Brettsperrholz, die heute weltweit produziert werden, kommen zwei Drittel aus Österreich“, unterstreicht Schickhofer. Ein Gutteil der in Österreich produzierten Massivplatten geht in internationale Märkte – Deutschland, Italien, Schweiz, aber auch Skandinavien, England, Kanada, Australien und Japan lauten die Zielmärkte.
Die Vorteile des Produkts sprechen für sich: extrem hohe Tragfähigkeit bei vergleichsweise geringem Gewicht. „Brettsperrholz erreicht ein ähnliches Tragvermögen wie Stahlbeton bei nur einem Fünftel des Eigengewichts“, so Schickhofer. Auch in der Errichtung von Gebäuden bringt der Leichtbaustoff große ökonomische und ökologische Vorteile. „Man kann sich ausrechnen, wie viele Lkw-Ladungen man sich dadurch im Bau erspart.“ Der hohe Vorfertigungsgrad – die Platten werden inklusive Aussparungen für Türen und Fenster maßgeschneidert vorproduziert – verkürzt die Bauzeiten dramatisch. Ebenso ein immer wichtigeres Asset des Materials: seine hohe Erdbebensicherheit. „In Japan wurden Tests auf einer Rüttelplatte an einem drei- und fünfstöckigen Gebäude aus Brettsperrholz durchgeführt und dabei das verheerende Erdbeben von Kobe mit dem Faktor 1,4 simuliert. Das Ergebnis: Es gab nur geringe Schäden.“ Eine Stärke, die die steirische Technologie zum Hoffnungsträger für viele betroffene Länder macht und derzeit besonders in Japan für Furore sorgt. Dort setzt die japanische Regierung derzeit massiv auf eine Forcierung des konstruktiven Baustoffs. Ranghohe Politiker bis zu Staatsministern, Wissenschafter und Unternehmer aus dem asiatischen Kaiserreich machten Schickhofer in den vergangenen Jahren ihre Aufwartung, um vom steirischen Know-how zu lernen. „Ich bin laufend mit japanischen Stellen in Kontakt. Es ist erstaunlich, wie schnell dort Dinge umgesetzt werden, wenn der politische Wille da ist.“

Eine Idee zieht globale Kreise

Auch in anderen Ländern der Erde entstehen nach und nach große Produktionen von Brettsperrholz-Elementen. In England und den USA haben große Immobilienentwickler das Potenzial entdeckt und investieren in die Errichtung großer Wohnparkanlagen mit Hochhäusern aus Cross Laminated Timber (Kreuzlagenholz). „Ich höre von Anlagen bis zu 10.000 Wohneinheiten mit Häusern in Höhen von zwölf Etagen.“ Dimensionen, die die Möglichkeiten des Baustoffs aufzeigen, hierzulande aber weniger Relevanz aufweisen.
„Für den Großraum Graz halte ich Drei- bis Fünf-Geschosser für durchaus angemessen. Dafür gäbe es ausreichend Möglichkeiten. Ich würde mir wünschen, Holz käme bei großen Bauprojekten öfter zum Zug“, so Schickhofer. „Stahl und Beton haben fast 100 Jahre Vorsprung im Städtebau und riesige Industrien haben große Interessen. Verglichen damit haben wir mit Holz in relativ kurzer Zeit aber schon viel erreicht“, zeigt sich Schickhofer nicht unzufrieden. „Genau genommen stehen wir erst am Anfang einer Entwicklung, in den nächsten Jahren wird viel in Bewegung geraten.“ Auch im Bereich der Bauvorschriften, die Holz als Baustoff nicht immer bevorzugen. Weder was das Thema Brandschutz noch seine ökologische Sonderstellung betrifft. „So wie in anderen Ländern üblich, könnte ich mir auch hierzulande verpflichtend aktive Brandschutzmaßnahmen wie Melde- und Sprinkleranlagen vorstellen, das würde die Chancengleichheit für die Holzbauweise erhöhen“, so Schickhofer. Und auch die Ökologie sollte stärker in die Gesamtbetrachtung einfließen. „In einer ganzheitlichen Öko-Bilanz wäre Holz anderen Baustoffen weit überlegen. In England spielen nachhaltige Kriterien bereits eine größere Rolle bei Auftragsvergaben.“

Smarte Zukunft

Ein Ausblick auf die Zukunft der Holzbauforschung? „Es gibt mehrere Projekte, die uns derzeit beschäftigen und künftig weitere Marktchancen für Brettsperrholz ermöglichen.“ Ein Forschungsfeld beschäftigt sich mit dem Bereich der Vorfertigung, der künftig auch die Themen Messtechnik und Sensorik in die Produktion mitintegrieren soll. „Wir birngen damit Intelligenz in die BSP-Platten.“
Ein zweites Forschungsprojekt hat sogenannte Tornado-Shelters, Wirbelsturm-Schutzräume, aus Brettsperrholz im Visier. „Tests dazu verliefen vielversprechend. Die USA wären dafür ein lukrativer Markt.“
Und schließlich forscht das Team von Schickhofer an der Verwendung von Laubhölzern in der BSP-Produktion, bislang kamen durchwegs Nadelgehölze wie Fichte zum Einsatz. „Vor allem Birkenholz hat durch seine schier unendlichen Vorkommen in Skandinavien und Russland ein ungeheures Potenzial. Unsere Versuche haben bewiesen: Für Brettsperrholz eignet sich auch Birke ideal!“ Die nächste Tranche „Nougat“ für den Weltmarkt wäre damit also gesichert.

{gallery}_2017Jan_KLH{/gallery}

Schwerpunkt Thema

Ab jetzt steht der "BUSINESS Monat" nun jedes Mal unter einem umfassenden Schwerpunkt-Thema. Im November: "History".

Partner

Ihr Partner für Webmarketing und -entwicklung, Netzwerklösungen, IT Security: